Ich nannte ihn «das Schiff». Fünf Meter dreissig lang, zwei Meter breit; keinen Parkplatz in Zürich und Umgebung konnte ich finden, wo der Bentley Flying Spur innerhalb der Linien seines Parkfelds Platz ­gehabt hätte. Vielleicht hätte ich speziell danach suchen sollen.

Dass das Schiff nicht wie ein Massengutfrachter aussieht, sondern mehr wie eine voluminöse Yacht, liegt unter anderem am verlängerten Radstand, der im Vergleich mit dem Vorgängermodell die vorderen und hinteren Überhänge verkürzt und so gemeinsam mit den langen Schulterkanten die ganze Karosse dynamisiert.

Im Handumdrehen zum Fahrzeug mit sportlichen Ambitionen

Ganz ähnlich fährt er sich auch. Geboren als stoisch-britischer Gleiter, kann ein Dreher am Wahlschalter für den Fahrmodus, prominent auf der Mittelkonsole platziert, den Bentley in ein absolut kurventaug­liches Fahrzeug mit sportlichen Ambitionen verwandeln – im Rahmen seiner Möglichkeiten natürlich. Aus einem Christian Stucki wird auch auf einem Velo kein ­Fabian Cancellara oder gar, auf Latten, ein Dario Cologna. Aber bekanntlich zählt der gute Wille, und der ist vorhanden. Zumal der Brite auf der Plattform des Porsche Panamera steht.

Und so hatte ich durchaus Spass mit dem Schiff. Bis ich auf die Idee kam, meine Vorräte an Toilettenpapier wieder aufzustocken; immerhin hat der Bentley einen ziemlich ­geräumigen Gepäckraum, passend zu ­meinem schmeichelweichen Fünflagigen mit Teppich ausgeschlagen.

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Für den Patentanwalt im Ruhestand

Doch die ­Blicke der Mitshopperinnen sprechen Bände: Als ich die Sportschwester Bentley GT bewegte, schien frau mich noch für eine Art Landedelmann zu halten oder vielleicht für einen distinguierten Zahnarzt – der Flying Spur aber schien mich offensichtlich, obwohl sowieso im fort­geschrittenen Alter, noch um weitere 20 Jahre welken zu lassen – ein perfekter Match Fahrer–Fahrzeug wäre in diesem Fall also ein Patentanwalt im Ruhestand oder einer dieser Honorargeneralkonsuln.

Aber auch denen ist der Spass in diesem Auto zu gönnen. Feines, teils genarbtes Leder und viel Klavierlack im Innenraum. Und dann diese Gadgets, an denen 007 Roger Moore seine Freude gehabt hätte: Das aus dem GT schon bekannte drehbare Display etwa, das den Multimedia-Bildschirm durch drei klassische analoge Uhren ersetzt. Oder, ganz neu, die Kühlerfigur, das geflügelte «B». Es lässt sich per Knopfdruck aus- und einfahren.

Bentley Flying Spur

Innenraum: Feines, teils genarbtes Leder und viel Klavierlack.

Quelle: ZVG

Wer hinten sitzt und sich chauffieren lässt, kann sich Langeweile per Bildschirm vertreiben. Allerdings ist dieser Bentley eher ein Auto für Selbstfahrer, dazu macht er zu viel Freude. Ich empfehle jedoch eine ausreichend grosse Garage. Aber das sollte in Ihrem Konsulat ja kein Problem sein.

Bentley Flying Spur
Antrieb: 6-Liter-W12-Biturbo-Benziner
Verbrauch: 13,3 Liter Super Plus
Leistung: 635 PS (467 kW)
0–100 km/h: in 3,8 s
Vmax: 333 km/h
Preis: ab 241 700 Franken