Wenn der Himmel über Nacht eine dicke Neuschneedecke auf die halb gefrorene Strasse legt, das Auto oben auf dem Bergparkplatz im schneidenden Wind ausgekühlt ist, am folgenden Morgen aber dringend wieder ins Tal muss - dann sind einige Schweissperlen garantiert.

Die erste Aufgabe heisst jedoch: einsteigen. Die spektakulären Schmetterlingstüren geben zwar genügend Raum, aber den Körper in einer fliessenden Bewegung abwärts und zugleich seitlich zwischen Lenksäule und Sportsitz einzufädeln, stellt durchaus einige Anforderungen an die Koordinationsfähigkeiten.

Alles ganz BMW

Innen ist dann alles ganz BMW - die Möblierung, die Tasten, der übliche Schalthebel für die Achtgangautomatik. Kein Prius für Fortgeschrittene. Es gibt auch den typischen Startknopf. Einmal drücken, und das Brüllen des erwachenden Sportwagenmotors - kommt zunächst nicht. Es bleibt still, bis auf ein leises Surren, wie von einem der weniger gefährlichen Instrumente neben dem Zahnarztstuhl.

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Auch als sich der Flachmann in Bewegung setzt, bleibt es ruhig, bis zu Tempo 120 ist rein elektrisch möglich, rund 37 Kilometer Strecke können es im «E-Drive» werden. In Wahrheit schaltet sich bald der Verbrenner dazu, der zudem von einem weiteren Elektrogenerator, der 20 PS leistet, auf Trab gebracht wird - damit das Turboloch beim Gasgeben bestmöglich gefüllt wird.

Insgesamt bringt es das System auf 362 PS; 131 davon leistet der Elektromotor an der Frontachse, den Rest ein Dreizylinder-Benziner - den BMW quasi durch das Halbieren eines der Sahnestücke, des Reihensechszylinders, auf die Welt gebracht hat. Das reicht für abgeregelte 250 km/h bei Vollgas und gut vier Sekunden für den Sprint auf 100 km/h - echte Sportwagenwerte.

Aber erst mal den Flachmann heil den Berg runterbringen …

Batterien im Mitteltunnel

Wobei: Wenn schon der Parkplatz oben leer ist, könnte man zuvor kurz die Gleitfähigkeit des i8 überprüfen und einige Rutschrunden drehen. Es zeigt sich aber, dass er selbst im Sportmodus schwer aus der Ruhe zu bringen ist. Die Batterien der Elektroabteilung liegen zentral im wuchtigen Mitteltunnel zwischen den Insassen; das gibt dem i8 auf trockener Strasse eine sehr neutrale, handliche Kurvenlage und macht ihn eben selbst auf weissem Untergrund nicht zur Heckschleuder.

Dann also rein in die verschneiten Serpentinen in Les Giettes ob Monthey im Wallis - und tatsächlich kann man das Auto hier und da minim ins Rutschen bringen. Wenn mans ein wenig provoziert. Hier und da stellt sich auch punkto Fahrbahnkontakt ein leicht synthetisches Gefühl ein, man spürt nicht immer im Sitzfleisch, was sich unter dem Bodenblech befindet - was womöglich auch damit zu tun hat, dass es zwischen Vorder- und Hinterachse keine mechanische Verbindung gibt. Ein Computer sorgt für die Zusammenarbeit von der Vorderachse, die vom Elektromotor per Strom angetrieben wird, und der vom Benziner bewegten Hinterachse.

Sauber und willig

Wie gut das in Wahrheit funktioniert, demonstriert der Elektriker im Tal, das mit einer Vielzahl mehr oder weniger notwendiger Verkehrskreisel bepflanzt ist: Der i8 lenkt sauber und willig ein, lässt hier auch nie den Fahrer im Ungewissen über den Strassenzustand. Und bei der anschliessenden Fahrt über den tief in Schnee getauchten Col des Mosses - auf dem Plateau waren teilweise kaum noch die Begrenzungen der Strasse zu sehen - macht der i8 dann richtig Spass.

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Ruhig zieht er seine Bahn, die Polizisten lassen sich überzeugen, dass das Auto tatsächlich Allradantrieb hat, sodass wir weiterfahren dürfen, und oben winkt einer von seinem Motorschlitten, grinst und reckt den Daumen in die Höhe. Er ist nicht der Erste auf dieser kurzen Testfahrt.

Trendsetter

Erinnern wir uns zurück an den stilbildenden Sciencefiction-Film «I, Robot» von 2004, der im fiktiven Jahr 2035 spielt. In diesem Streifen, der die Geschichte eines Roboters erzählt, der verbotenerweise Gefühle entwickelt, sind die wahren Stars nicht Will Smith oder der Android, sondern die futuristischen Fahrzeuge, beinahe schwebend gleitende Transporter und Autos. Der per Product Placement dort untergebrachte Audi RSQ, ein Konzeptmodell, das im Film auf Kugeln rollt, diente später als Inspiration für den optisch entschärften Audi R8 - der als realer Strassensportwagen im Film mehr als retro wirken würde.

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Der i8 jedoch könnte in Serienoptik vom Parkplatz auf dem Col des Mosses ins Sciencefiction-Geschäft einsteigen. Seine futuristische Optik ist ganz auf Stromlinie ausgerichtet. Alles fliesst nach hinten, aussen an der Karosserie vorbei, das Dach legt sich seitlich über die hinteren Kotflügel und lässt eine Öffnung frei, die dem Fahrtwind die Möglichkeit gibt, genug Anpressdruck auf den Radhäusern am Heck zu entwickeln. Der i8 zeigt, dass er stromert, dass er in die Zukunft weisen und die Umwelt schützen will - das macht ihn zum Sportwagen der Herzen.

Dass er kein «Supersportwagen» ist, wie manche kritisieren - das dürfte der Flache verschmerzen können. 600 Pferde und 320 Spitze braucht es schliesslich nicht, um schnell unterwegs zu sein. Den Sympathiebonus und ein Image als Trendsetter gibts zum vergleichsweise fairen Kaufpreis von gut 162 000 Franken gratis dazu. 64 Exemplare hat BMW 2014 in der Schweiz verkauft, damit lässt der i8 viele klassische Konkurrenten hinter sich.

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