Es waren happige Vorwürfe, die Ueli Schiess vom St. Galler Weinhändler Caratello in einem Kunden-Mailing äusserte: «Das ist unlauter», so der Vorwurf an die Adresse von Denner.

Stein des Anstosses: der Wein Rocca Rubia. Denner bietet diesen im Internet für 14.95 Franken an - «ruinös», wie Schiess schreibt. «Jetzt aber kommt das Beste: In der ganzen Ostschweiz ist der Wein nicht vorrätig», heisst es weiter.

Schiess vermutet dahinter eine gezielte Aktion: «Der Trick ist einfach: Mit Versprechungen, die man im Traum nicht einzuhalten gedenkt, wird der Kunde in den Laden gelockt.» Caratello habe den Wein stets vorrätig - «er kostet bei uns ein bisschen mehr», schreibt Schiess.

Ausverkauft - ja oder nein?

Beim Discounter lässt man die Vorwürfe nicht auf sich sitzen: «Das plakative Suggerieren von Lockvogelangeboten ist seinerseits rufschädigend und unlauter», erklärt Denner-Sprecherin Paloma Martino gegenüber «Handelszeitung Online». «Aus diesem Grund haben wir unseren Rechtsdienst eingeschaltet.»

Kommt hinzu, dass nach Aussagen Martinos von einem ausverkauften Produkt nicht die Rede sein kann: «Der Wein ist bis heute in verschiedenen Filialen noch vorrätig.»

Schiess gibt sich heute auf Anfrage zurückhaltend: «Ich möchte diese Angelegenheit nicht weiter kommentieren. Es ging uns lediglich um eine Information an unsere Kunden.» Zahlreiche davon hätten vergangene Woche bei Caratello Weine angerufen und ihren Unmut über Denner geäussert.

Dort ist genau das Gegenteil zu hören: «Als Reaktion auf den Caratello-Newsletter haben sich Kunden beim Weinhändler gemeldet und klargestellt, dass sie diesen Wein bei Denner kaufen konnten», so Denner-Sprecherin Martino.

Hinweis auf die Margen im Weinhandel

Es sei klar, dass der Wein in Gebieten, wo dieser durch die lokale Gastronomie bekannt gemacht worden sei, als Aktionsangebot schneller ausverkauft gewesen war, als anderswo. «Dass Denner für den einen oder anderen ein unangenehmer Mitbewerber ist, bleibt unbestritten», fasst Martino die Situation zusammen.

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Pikant: Wie ein Blick über die Landesgrenze ergibt, ist der Wein beispielsweise in Deutschland online für 11,15 Euro erhältlich. Dieser Preis lässt erahnen, wie gross die Margen im stationären Weinhandel der Schweiz sind. Die Weintraube als Zankapfel? Fortsetzung folgt.