Arbeiter verlegen die letzten Dachziegel, an den Aussenwänden haben die Gipserarbeiten begonnen. Es geht trotz Lockdown voran auf der Baustelle im Herrliberger Wängirain. Aber langsamer als geplant: Statt wie vorgesehen im Frühling wird das Kunstmuseum von Unternehmer und Ex-Nationalrat Christoph Blocher wohl erst im August fertig. Wobei er das Wort Museum nicht mag: «Es ist kein öffentlich zugängliches Museum – wie unser Wohnhaus auch nicht –, sondern ein Bildlager, am ehesten ein Schaulager», sagt er. «Das Grundstück liegt in ­einer Wohnzone.»

Auch Wohnräume mit Panoramablick auf Wasser und Alpen sowie Büros für die familieneigene Beteiligungsfirma Robinvest entstehen an dem Hang über dem Zürisee. Die meisten Schauräume werden – korrekt klima­tisiert und beleuchtet – ­unterirdisch sein, auf ­ihrem Dach befindet sich der Garten.

Von Ferdinand Hodler bis Giovanni Segantini

Rund 600 Werke Schweizer Künstler des 19. und frühen 20.  Jahrhunderts umfasst Blochers Sammlung: grossteils Ölbilder, Aquarelle und Zeichnungen von Ferdinand Hodler und Albert Anker, aber auch Werke von Giovanni und Alberto Giacometti, Ernest Biéler oder Giovanni Segantini. Ein Teil dieser Bilder hängt derzeit im Haupthaus gleich nebenan: «Das soll auch so bleiben. Anbau und Haus werden eine Einheit», so ­Blocher.

Im Frühling 2019 fuhren in Herrliberg erstmals die Baumaschinen auf. Bereits diesen Januar wurde eine Änderung des Zeitplans angedacht, nach dem Corona-Ausbruch kam man der Baumeisterfirma Dozza aus der Nachbargemeinde Küsnacht ZH entgegen. Um die BAG-Auflagen zum Mindestabstand einhalten zu können und die Arbeiter besser auf dem Gelände zu verteilen, erfolgen seither die unter- und die überirdischen Arbeiten gleichzeitig statt wie ursprünglich geplant nacheinander.

Inzwischen ist das Lager zwar fertig, aber noch nicht bezugsbereit: Es muss noch bis in den Sommer austrocknen.

Nie alle Bilder vor Ort

«Bis die Bilder dort tatsächlich aufgehängt werden, wird es noch viel später, weil viele derzeit in ­Ausstellungen sind, und die sind momentan alle geschlossen», sagt Blocher. So sind aktuell rund 120 Werke in der Fondation Pierre ­Gianadda in Martigny VS aus­gestellt – Corona-bedingt derzeit natürlich ohne Publikum. Die Ausstellung ist noch bis Juni terminiert.

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Auch in Zukunft will Blocher Teile seiner Sammlung verleihen. «Bei unserem Konzept werden auch in Zukunft nie alle Bilder vor Ort sein», sagt er.