Das Coronavirus hat die Schweiz erreicht, mehrere Fälle sind offiziell bestätigt. Beim Bundesamt für Gesundheit laufen die Drähte heiss, die Leute machen sich Sorgen: Was, wenn die betagte Mutter, der betagte Vater erkrankt? Ob der hustende und schniefende Sitznachbar im Zug womöglich infiziert ist?

Noch gibt es Hoffnung, dass Covid-19, wie zuvor Sars, Mers und Ebola, bei uns einen milden Verlauf nehmen wird. Doch die Anzeichen mehren sich, dass die Pandemie, vor der die Epidemiologen schon lange warnen, diesmal Wirklichkeit wird.

Corona-Krise offenbart hausgemachte Risiken

Doch das Virus ist nur einer der Feinde in der Corona-Krise – und vielleicht nicht einmal der ärgste. Besonders bitter, weil vermeidbar, sind die hausgemachten Risiken: politischer Opportunismus, schlechte Regierungsführung, ungenügende Vorbereitung und die Gleichgültigkeit gegenüber den Warnungen der Wissenschaft.

Besonders schlecht gewappnet sind autoritäre Regime wie China. Gewiss, die Regierung agiert offensiver als bei Sars; doch auch diesmal gingen zu Beginn des Ausbruchs, der nun die ganze Welt in Atem hält, wertvolle Tage verloren, weil entsprechende Hinweise auf die neue Krankheit ignoriert wurden.

Doch auch Donald Trump spielt die Gefahr, die vom Coronavirus ausgeht, aus politischer Opportunität herunter und erweist sich damit als wenig hilfreich bei der Bekämpfung der Gefahr. Gut, dass es in einer Demokratie wie der amerikanischen genügend Gegenkräfte gibt und die Beamten in den Centers for Disease Control and Prevention die amerikanische Bevölkerung ungeachtet der präsidentiellen Querschläge auf eine Pandemie vorbereiten.

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Der Ausbruch der Covid-19 wird deshalb auch zur Stunde der Wahrheit dafür werden, welche Regierungen für die Menschen da sind und welchen es vor allem ums eigene Überleben geht.

Pandemien haben noch nicht die Priorität, die sie haben sollten

Viele Länder sind besser vorbereitet auf eine Pandemie als noch vor ein paar Jahren. Viele von den Massnahmen, die nach der Sars-Krise auf den Weg gebracht wurde, zahlen sich nun aus. Die Impfstoffsuche läuft auf Hochtouren, die Mechanismen, die nach der Sars-Krise installiert wurden, um die Industrie ins Boot zu ­holen, greifen. Die von Bill Gates und einigen Regierungen unterstützte Coalition for Epidemic Preparedness Innovations in Oslo hat seit dem Coronavirus-Ausbruch schon Dutzende von Millionen Dollar an Startups, Wissenschafter und Unternehmen ­vergeben, die vielversprechende Impfstoffprojekte in der Pipeline haben.

Viele Staaten, darunter die Schweiz, haben heute ausgefeilte Pandemiepläne, auf die sie im Notfall zurückgreifen können. Auch die Bevölkerungen sind heute besser sensibilisiert für die Gefahren einer Virusinfektion als noch vor ein paar Jahren.

Und doch zeigt die Nervosität, welche die Todesfälle in Italien ausgelöst haben: Die Pandemiegefahr hat noch längst nicht den Status auf den Agenden der Regierungen und wohl auch in unseren Köpfen, den sie haben sollte. Diese Lehre lässt sich aus der Corona-Krise bereits heute ziehen.

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