Das lang gestreckte Promenadendeck auf dem jüngst in See gestochenen Ozeanriesen Norwegian Getaway wirkt so stimmig, dass man sich wundert, warum diese Lösung zuvor keiner anderen Reederei eingefallen ist. Die Waterfront breitet sich zu drei Vierteln der Schiffslänge auf Steuer- und Backbordseite sowie rund ums Heck aus und wird von zahlreichen zum Meer hin offenen Restaurant- und Lounge-Terrassen flankiert.

Trendsetter wie Nostalgiker schwärmen vom wiederbelebten und neu definierten Promenadendeck, das auf den legendären -Atlantiklinern einst unverzichtbar war, doch auf den meisten modernen Ozeanriesen wegrationalisiert wurde, weil sich diese zu schwimmenden Hotels oder Freizeitparks entwickelten. Das Meer war nirgendwo weiter weg als auf dem Schiff.

Das Restaurant ist halb leer

Heute lassen die Kreuzfahrtunternehmen das authentische Cruise-Gefühl und die Nähe zum Wasser aufleben – eine Tendenz, die sich über alle Preissegmente erstreckt. Dass schiffsspezifische Erlebnisse von Seereisenden besonders geschätzt werden, zeigt ein typischer Abend auf dem Boutiqueschiff -Silver Spirit. Von den fünf Restaurants an Bord ist das Gourmetlokal Le Champagne, das als «einziges Relais & Châteaux-Restaurant auf See» angepriesen wird, meist halb leer.

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Einen Tisch im entspannten «Pool Grill» hingegen, wo hochwertige Grilladen auf dem heissen Stein serviert werden, muss man Tage im Voraus reservieren – so begehrt ist das Dinner unter freiem Himmel, selbst wenn den Gästen dabei ordentlich der Fahrtwind um die Ohren wehen kann.

Yachterlebnis pur, behütet ins Abenteuer

Erfahrungen, die es an Land nicht gibt, bieten vor allem die Kreuzfahrtyachten, von denen nur gerade ein Dutzend auf den Weltmeeren unterwegs ist und die mit den Schiffsgiganten etwa so viel gemeinsam haben wie ein Sportwagen mit einem Car. Das klingt hochnäsig und ist es auch, zumindest aus der Sicht derer, die sich eine solche Art zu reisen nicht leisten können oder wollen.

Eine Tatsache ist sie dennoch: Besonders teurere Seereisen mit Kreuzfahrtyachten und Boutiqueschiffen für maximal 225 respektive 226 bis 550 Passagiere verzeichnen deutliche Zunahmen, während die Wachstumsraten bei den grossen Mainstream-Pötten eher stagnieren als explodieren. Auch ist die Repeater-Quote bei den kleinen Wellenreitern deutlich höher als im Massenmarkt.

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