Das private Wettrüsten auf den Weltmeeren hat einen vorläufigen Höhepunkt erreicht: Der Russe Roman Abramowitsch (42), gemäss «Forbes» Herr über 8500 Millionen Dollar, hat sich – je nach Quelle – für 500 bis 800 Millionen Franken eine knapp 170 Meter lange Yacht bauen lassen. Die «Eclipse» hat so ziemlich alles, was man als Oligarch zum Leben benötigt: Kino, Innen- und Aussenpool, Disco, 20 Jet-Ski, vier Motorboote, zwei Helikopterlandeplätze. Und das für gerade mal 24 Gäste, die von einer 70-köpfigen Crew versorgt werden. In Russland nachgerüstet werden Kleinigkeiten wie Raketenwarnsystem, Klein-U-Boot und Luftabwehrsystem.

Der als Waise aufgewachsene Abramowitsch, dem unter anderem der britische Fussballclub Chelsea gehört, hat nach Baubeginn die Hamburger Werft Blohm + Voss zweimal angewiesen, noch einige Meter anzubauen. Der Russe will unter allen Umständen die bislang grösste Yacht übertreffen: die 160 Meter lange «Dubai» des Scheichs von Dubai, Mohammed bin Raschid al-Maktoum. Wer unter den Superreichsten dieser Erde die sieben Weltmeere befährt, setzt gerne auf Grösse.

100  000 Dollar pro Tag. Was in der Schweiz wohnhafte Reiche in Sachen Laufmeter bei Schiffsplanken vorweisen, ist allerdings auch nicht von schlechten Eltern. Die imposanteste Länge vermelden die im Grossraum Genf lebenden Nachfahren des griechischen Reeders John Spyridon Latsis. Die 1976 gebaute legendäre Yacht «Alexander» (Bild) misst 122 Meter in der Länge und 17 Meter in der Breite. Der 2003 verstorbene Latsis hat auf dem auch «Alexander the Great» genannten Schiff stürmische Partys gefeiert, Prinz Charles war öfters zu Gast. Heute nutzt die Familie ihre Yacht nur noch selten. Dafür kann sie gemietet werden; für angeblich 100  000 Dollar – pro Tag. Wie übrigens auch die Motoryacht «Turama», die auf eine nicht weniger respektable Länge von 117 Metern kommt. Die beiden Riesenpötte werden von der den Latsis gehörenden Charteragentur PrivatSea vermietet, ebenso weitere 81 Segel- und Motoryachten der Luxusklasse.

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Ebenfalls auf griechische Seefahrerwurzeln zurückblicken kann die Familie Niarchos, die sich in St.  Moritz niedergelassen hat. Ihr Schiff «Atlantis II» mit 115 Laufmetern wurde noch unter Aufsicht des 1996 verstorbenen Reeders und Kunstsammlers Stavros Niarchos gebaut. Seine Erben allerdings scheinen sich aus dem 9600 PS starken Motorboot nicht mehr sehr viel zu machen. Zwar feiern sie feuchtfröhliche Feste auf Deck, auch Paris Hilton hat dort schon Prosecco geschlürft, doch die «Atlantis II» verlässt kaum je den Hafen von Monaco.

Weitaus öfters über die Weltmeere schippert dagegen die «Carinthia VII». Die 150-Millionen-Franken-Yacht mit ihren 97,2 Meter Länge wird von Heidi Horten unterhalten. Zu ihren Milliarden kam die einstige Tänzerin in den sechziger Jahren, als sie in einer Bar in Wien dem deutschen Kaufhauskönig Helmut Horten tief in die Augen blickte – worauf er sie prompt zum Traualtar führte. Geblieben ist der Witwe ein Milliardenvermögen, von dem sie fleissig Gebrauch macht.

Geteilte Kosten. Vor allem für ihr Hausboot ist Heidi Horten nichts zu schade. Schon bei der Gestaltung soll sie selbst Hand angelegt haben, wenn auch unter kundiger Anleitung des Londoner Designers Tim Heywood. Für das ungewöhnlich knallige Blau des Schiffsrumpfs dagegen darf Madame das alleinige geistige Urheberrecht beanspruchen; für die Entwicklung des speziellen, gegen Salzwasser widerstandsfähigen Atlantikblaus musste sie ihr Handtäschchen weit öffnen. Bei jährlichen Unterhaltskosten von geschätzten 15 Millionen Franken sind die Ausgaben für die Farbe allerdings Klimpergeld. Und wer mit seinem Superkahn an der Tankstelle für «einmal Volltanken bitte» schnell eine Dreiviertelmillion hinlegen muss – die «Carinthia» schluckt 456  000 Liter Diesel –, schert sich sowieso nicht um Kleinkosten.

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Dem Drang zum eigenen Boot erlegen ist jüngst auch Reinhold Würth, Vater der im Appenzellischen verheirateten Bettina Würth. Das Timing jedoch hätte schlechter nicht sein können. Im April verordnete der 74-Jährige einem Teil der Beschäftigten seines Schraubenimperiums mit Holdingsitz in Chur Kurzarbeit und Gehaltskürzungen von 15 Prozent. Kurz nachdem Würth vor versammelter Belegschaft über das miese Geschäft geklagt hatte, liess er bei einem rauschenden Fest sein neues, «Vibrant Curiosity» getauftes Spielzeug vom Stapel: einen 85 Meter langen schnittigen Kahn, erbaut für geschätzte 110 Millionen Franken.

Bescheidener gibt sich Norman Foster. Der britische Stararchitekt, der seit zwei Jahren im Waadtland lebt, hat die Pläne für die 41 Meter lange Aluminiumyacht der Serie «Signature» gezeichnet. Ein spektakulärer Wurf, obgleich das Boot an ein Ei gemahnt und aussieht, als ob es beim kleinsten Seitenwind umkippen würde. Das Spezielle an diesem Projekt: Von der Yacht gehen mehrere Stück in Produktion, jedes Schiff hat acht Miteigner, einer von ihnen ist Lord Foster. Auf diese Weise lassen sich die Kosten beträchtlich senken. Jeder Freizeitkapitän hat einen Einstiegspreis von 1,9 Millionen Euro zu entrichten, dazu kommt eine jährliche Benutzungsgebühr von 200  000 Euro. Dafür darf der Teilbesitzer während 34 Tagen im Jahr mit dem Alu-Ei herumschippern.

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Bald einmal wird eine weitere brandneue Megayacht über die Ozeane tuckern. Unter grösster Geheimhaltung baut die Devonport Royal Dockyard in Plymouth derzeit an einem 96 Meter langen Kahn, der gut und gerne 150 Millionen Franken kosten dürfte. Der Auftraggeber sitzt in der Schweiz: der 43-jährige Milliardär Ernesto Bertarelli. Auch sonst suchen Dutzende unter den 300 Reichsten Zerstreuung auf dem Wasser, die meisten als Segler. Sie lassen an Regatten segeln oder greifen selbst in die Takelage: Benjamin de Rothschild, Otto Happel, Ronald de Waal, Urs Schwarzenbach, Willy Strothotte und einige andere. Allen gemeinsam ist: Für ihren Pott ist ihnen nichts zu teuer.