Für dieses Auto gibt es zwei verschiedene Schlüssel, und das sagt schon alles über die Höllenkatze – denn zwei Schlüssel, so etwas kennen wir nur vom Über-Auto ­Bugatti Veyron. Der schwarze Zündschlüssel des Dodge gibt nur maximal 500 PS Leistung frei; den lassen wir gleich im Köcher. Der rote Schlüssel lässt sämtliche 707 Pferde von der Leine. Und sämtliche Nackenhaare stellen sich auf, wenn die Höllenkatze faucht. Da lebt etwas Gewaltiges unter dem Blech, etwas Grosses, Böses.

Die Hellcat sei die stärkste Limousine der Welt, behauptet Dodge. Tatsächlich entwickelt das Triebwerk brachiale 881 Newtonmeter Drehmoment, und tatsächlich ist auch die Bezeichnung Limousine nicht unverdient: riesiger, gut nutzbarer Kofferraum, feudale Rücksitze und vorne viel Seitenhalt für Fahrer und Beifahrer, das Leder fein, die Kunststoffe im Sichtbereich wirklich nicht schlecht, und wenn die Fahrertür ins Schloss fällt, kann einem der Verdacht kommen, hier seien deutsche Ingenieure am Werk gewesen. Zumindest deutsche Soundingenieure.

Spasspanzer eines saudischen Party-Prinzen

Weisser Lack und pechschwarze Felgen passen perfekt zur bösen, breiten Charger-Optik mit dem horizontal geteilten Heck und dem fiesen Schlund an der Front. Er könnte der Spasspanzer eines Party-Prinzen der saudischen Königs­familie sein oder einem der Hollywoodfilm-«Transporter» gehören – wir sind damit durch Reinach, Gontenschwil und Beromünster gesprotzt und geblubbert, und eins ist sicher: Dieses Auto lässt niemanden kalt!

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Nicht einmal den Fahrer: Zwar gibt sich die Höllenkatze durchaus gutmütig, und wenn ein Heckausbruch bevorsteht, kündigt er sich halbwegs berechenbar an. Aber sie ist fünf Meter lang, breiter als ein Mercedes S-Klasse und baut recht hoch – über schmale Kantonsstrassen sprintet man nicht katzenhaft geduckt, sondern rauscht sänftengleich darüber. Das jedoch mit beängstigendem Vortrieb. US-Musclecars wollten ja schon immer am liebsten geradeaus fahren; die Kurve ist eine europäische Geliebte. Daran gemessen, kurvt der Dodge aber ganz anständig. Und auf deutschen Autobahnen rennt er über 320 km/h Spitze und lässt damit die meisten Europäer mit hechelnden Zungen hinter sich.

Die eigentliche Sensation ist aber der Preis: Für weniger als 100'000 Franken bringt ein Wohlener Importeur den Dodge in den Schweizer Markt; dafür gibt es bei der Konkurrenz bei weitem nicht so viel. Und mit Sicherheit nicht den brutalen Schub der Höllenkatze.

Dodge Charger SRT Hellcat
Antrieb: 6,2-Liter-Achtzylinder
Leistung: 520 kW / 707 PS
Höchstgeschwindigkeit: > 320 km/h
Beschleunigung: 0–100 km/h: 3,7 s
Verbrauch: 14,3 Liter Super Plus
Preis: ab 96 500 Franken