Unter Aktienexperten gilt das Wertpapier der Schweizerischen Nationalbank (SNB) nicht gerade als Top-Anlage. Dem deutschen Manager Theo Siegert konnte das in den letzten Jahren nur 
recht sein. Ob der 69-Jährige 2012 ahnte, was ihm der Kauf von 5995 Aktien vier Jahre später einbringen könnte, ist nicht bekannt.

Klar ist nur, dass der Wert seines Anteils, der in­zwischen auf 6595 Stück gestiegen ist, in den letzten zwölf Monaten um 60 ­Prozent von 7,14 auf 11,38 Mil­lionen Franken an Wert zulegte. Der Multi-Verwaltungsrat (DKSH, E.On, Merck, Henkel) ist mit 6,6 Prozent nach dem Kanton Bern der grösste SNB-Aktionär. Neben den 4,2 Millionen Buch­gewinn bezieht Siegert jährlich von der SNB knapp 100'000 Franken an Dividenden.

Stimmrecht auf höchstens 100 Aktien beschränkt

Aber wie kommt es, dass ein Deutscher bei der von Thomas ­Jordan gelenkten Nationalbank zum grössten privaten Einzelaktionär werden kann? Ganz einfach: weil er nichts zu sagen hat. Das Stimmrecht ist auf höchstens 100 Aktien beschränkt.

Aber Mit­sprache ist auch gar nicht Siegerts ­Absicht. Über seine Beteiligungen spricht er zwar nicht, aber es wird spekuliert, dass ihm ein hochkarätiger Experte zum Kauf geraten haben soll. Schliesslich wurde er schon an der Seite von Bundesbank-Präsident Jens Weidmann fotografiert.

An der Börse ein Winzling

Dass sich Siegert mit wenigen Millionen zum Grossaktionär aufschwingen kann, liegt an der geringen Grösse der SNB. Mit einer Marktkapitalisierung von 175 Millionen Franken ist sie an der Börse ein Winzling. Vor allem Kantone (55 Prozent) und Kantonalbanken (19,4) sind investiert. Etwas mehr als 26 Prozent werden von Privatanlegern kontrolliert.

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Für Gross­anleger kommt die SNB wegen der geringen Liquidität nicht in Frage. Im Vorjahr wechselten im Schnitt pro Tag gerade mal 58 SNB-Aktien den Besitzer. Durch die geringe Liquidität sind die Schwankungen gross. Experten erklären die jüngste Kursexplosion durch das vor­übergehend gestiegene Handels­volumen. Der Geschäftsverlauf spiele bei der SNB keine Rolle.

Wegen der geringen Liquidität ist Grossinvestor Siegert in seiner Anlage in gewisser Weise gefangen. Stärkere Verkäufe würden den Kurs der SNB deutlich unter Druck setzen. Die schönen Buchgewinne wären schnell dahin.