Ein rollender Widerspruch. Einerseits Maserati, glanzvolle Historie im Rennsport, heute Erbauer zackiger Viersitzer, die meistens ein bisschen sehr viel lauter rotzen und sprotzen, als Huldrych Zwingli und seinen Epigonen wohl gefallen kann. Und andererseits: ein Diesel! Maserati hat einen Selbstzünder in die aufregende Hülle gesteckt. Ich fragte mich: Geht das?

Zur Antwort kommen wir gleich. Doch zuerst aus aktuellem Anlass: Absichtlich habe ich mich ein paar Minuten direkt hinter den Auspuff gestellt – aber die Atemwege blieben problemlos befahrbar, Stickoxid-Reizungen blieben aus. Baut Maserati ernsthaft 30-mal verträglichere Dieselmotoren als VW (oder ist diese ­Vermutung Blasphemie?), sind die Amis mit ihren Grenzwerten übervorsichtig, oder verstehe ich einfach nichts davon?

Geschmeidig über Stock und Stein

Egal, ich atme frei und steige ein. Und ja, Diesel in Maserati geht. Gut sogar. Ein Druck auf die Sporttaste soll ihn sogar wie einen Achtzylinder-Benziner klingen lassen – das gelingt zwar nicht ganz, was aber gar nicht schadet. Denn wie gesagt, das heisere Brüllen eines Benzin-Maserati war noch nie mehrheitsfähig, und das Mehr an Bedachtsamkeit steht dem Dieselkreuzer gut – er gleitet geschmeidig über hoppeligen Untergrund, fährt sich aber mit seinen 600 Newtonmetern Drehmoment so souverän, dass man gern die 1,9 Tonnen vergisst, die hier unterwegs sind. Gut sechs Sekunden für den Standardsprint sind dabei recht beachtlich.

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Der Quattroporte Diesel gehört zu jener Sorte Auto, in der es sich die Inhaber an Werktagen hinten bequem machen und das Chauffieren einer Fachkraft überlassen, am Wochenende aber gern selber ans Steuer greifen. Umschmeichelt von «offenporigem Wurzelholz» und Leder der Edelmarke Poltrona Frau (der Name stammt vom Gründer Renzo Frau), macht nicht nur das Versinken im raumgreifenden Fond, sondern vor allem das Fahren wirklich Freude.

Zu kleine Parkfelder

Sieht man vom Parkieren ab; dass die meisten Schweizer Parkfelder zu klein für solche Karossen sind, wissen alle, die sich automobilistisch im Bereich der oberen Mittelklasse oder höher angesiedelt haben. Das löst auch Maserati inzwischen standesgemäss mit einer Rückfahrkamera.

Wie Audi A8, BMW 7er oder Mercedes S-Klasse ist der Quattroporte Diesel etwas für Träger massgeschneiderter Businessgarderobe. Dass im Fall des Maserati standesgemäss Edelschneider Pininfarina den Schnitt besorgte, hebt das Auto wohltuend von der Konkurrenz ab. Und als Diesel passt er perfekt nach Zwingli-Land.

Maserati Quattroporte Diesel
Antrieb: 3-Liter-V6-Diesel
Leistung: 275 PS
Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h
Beschleunigung 0–100 km/h: 6,4 s Verbrauch: 6,2 Liter Diesel
Preis: ab 110 700 Franken