Datenschutz. Erderwärmung. Seltene Rohstoffe. Dazu Dieselskandal, autonomes Fahren oder schlichte Korruption: Angst vor grossen Aufgaben darf Renata Jungo Brüngger keine haben. Denn all diese hehren Fragen der Menschheit stellen sich einem Autohersteller, und alle laufen sie über Jungo Brünggers persönlichen Schreibtisch.

Selbiger steht in Stuttgart-Untertürkheim, an der Mercedesstrasse; im «Stammwerk», dem Herz der Marke mit dem Stern. Darauf legen sie hier gesteigerten Wert, seit die Vorstände zeitweilig in den Stadtteil Möhringen ausgelagert worden waren, wo sich ihr Hauptquartier bald den Spitznamen «Bullshit Castle» verdiente. So etwas geht auf Dauer nicht «beim Daimler», wo man trotz selbstbewusster Ansagen à la «das Beste oder nichts» nie den Bezug zur Werkbank verlieren darf. Auch sie sagt immer selbstverständlich «beim» Daimler. Auch für eine Schweizerin gibt es in diesem Punkt nur eine erlaubte Formulierung: die schwäbische.

Hohe Durchschlagskraft

Ansonsten formuliert Renata Jungo Brüngger genauso aufgeräumt, wie sie als Managerin auftritt. Sachlich, ungeplagt von Emotionen, freundlich, aber abgeklärt, vor allem hoch konzentriert. Als Rechtsanwältin weiss sie, dass Aussagen, einmal in die Welt gesetzt, nicht mehr zurückzuholen sind. «Risikomanager» des Konzerns, das sei «schon eine passende Bezeichnung» für ihren Job, der formal «Vorstandsmitglied der Daimler AG» heisst, zuständig für das Ressort «Integrität und Recht». 2016 in die Konzernleitung bestellt, läuft ihr aktueller Vertrag bis 2023.

Der Weg war weit von ihrem Heimatort Düdingen und der Uni in Fribourg, jener Stadt, die für sie «manchmal auch verbunden ist mit Heimweh und Heimatgefühl», bis ins Zentrum des stolzen deutschen Autobaus. Sie sei «sehr ehrgeizig», sagt einer, der mit ihr gearbeitet hat, «aber eine, der man bedenkenlos den Rücken zudrehen kann» – also eine, die keine Spiele spielt, sondern den Job erledigt.