BILANZ: Frau Herzigova, was bedeutet Luxus für Sie?

Eva Herzigova: Zeit zu haben für meine Familie, für Freunde. Das tönt jetzt vielleicht nicht sehr spektakulär. Aber so ist es: Mein Luxusbegriff ist nicht stark geprägt von materiellen Anreizen.

Das hören wir immer von Leuten, die materiell gut gebettet sind. Wir wollen dem etwas auf den Grund gehen: Wie sähe Ihr perfektes Luxus-Weekend aus?

Nun, also Neapel gefällt mir jederzeit, eine Weiterreise nach Capri wäre bestimmt auch chic … Mit Familie und guten Freunden dort hinzufahren, das könnte mich sehr reizen. In aller Ruhe und fern von jedem Trubel.

Ein Drink bei Sonnenuntergang im Kreise Gleichgesinnter, und niemand erkennt Sie – ist es das, was Sie meinen?

Und dazu ein grossartiger Tomaten-Mozzarella-Salat. Ja, das ist es, das ist Luxus für mich.

Wie war das, als Sie Mitte 20 waren? Wie sah bei Ihnen damals ein luxuriöses Weekend aus?

Aber das ist doch schon so lange her.

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Versuchen Sie sich zu erinnern.

Nun, alles war anders damals. Ich war jünger. Was ich mit Sicherheit sagen kann: Die Nächte dauerten länger damals.

Wenn wir noch weiter zurückforschen dürfen: Sie wuchsen auf im tschechischen Litvinov, als der Eiserne Vorhang West und Ost trennte. Welchen Luxus ersehnte sich die kleine Eva Anfang der achtziger Jahre, bevor sie mit 16 in Prag an einem Modelwettbewerb entdeckt wurde?

Endlich eine einfache Frage! Luxus war damals immer schlicht all das, was meine grosse Schwester hatte.

Von welchen Insignien sprechen wir?

Ihren coolen T-Shirts, ihren Jeans, dem Typen mit dem Motorrad. Luxus war für mich einfach immer das, was sie besass – und ich nicht.

Für viele ist die ultimative Idee von Luxus ein Champagnerbad. Wie oft nehmen Sie eins?

Um ehrlich zu sein: noch nie. Aber jetzt, da Sie es erwähnen …

Es ist wahrscheinlich die klebrigste Art, Luxus zu geniessen.

Kann schon sein. Auf der positiven Seite aber darf man den Sprudeleffekt des Champagners nicht vergessen. Es könnte vielleicht tatsächlich Spass machen. Aber wenn ich mir das so richtig ausmale, trinke ich den Champagner doch lieber, als dass ich darin bade.

In Frankreich gibt es das Bonmot, wonach Champagner das einzige Getränk ist, das Frauen schöner macht, je mehr sie davon trinken. Stimmt das auch bei Ihnen, Madame Herzigova?

Ach, das hat bestimmt ein Mann gesagt.

Nein, der Ausspruch wird Madame de Pompadour, der Mätresse von König Louis XV, zugeschrieben.

Falls das stimmt, wird es aber wohl auch irgendwo eine Limite geben, denke ich.

Wo ist Ihre Limite?

Das sage ich Ihnen nicht.

Ein Flair für Champagner scheinen Sie jedenfalls zu haben. Für die Lancierung des Dom Pérignon Vintage Rosé 1996 hat Sie Karl Lagerfeld in einer Kampagne berauschend ins Bild gesetzt. Wie war die Zusammenarbeit mit dem exzentrischen deutschen Modemacher und Fotografen?

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Ich kenne Karl Lagerfeld schon lange. Die Zusammenarbeit mit ihm ist immer sehr speziell, auch dieses Mal wieder.

In welcher Hinsicht?

Er schafft es, alles um einen Menschen herum zu bauen, alles auf diese eine Person zu zentrieren.

Sie selber haben in Ihrer Karriere nicht alles nur auf die Fashion-Szene gesetzt. Neben Ihrer Modelkarriere spielten Sie in Filmen mit und sind seit 2003 auch mit der eigenen EH-Beachwear-Bademode aktiv. Warum dieser Rollenwechsel von der Darstellerin zur Ausstatterin?

Mir gefällt alles Visuelle, mir gefällt das Spiel mit dem Image. Ich habe in meiner Arbeit erlebt, wie man einen Markenartikel aufbauen kann. Und das, dachte ich mir, kann auch weiterführen – zum Beispiel zu einer eigenen Bademodelinie.

Oft leihen Stars den Designern und Vermarkten nur ihren guten Namen. Wie weit geht Ihr Engagement bei EH Beachwear?

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Ich bringe mich total ein, «I do the whole 360», wie die Businessleute sagen, ich bin dabei von A bis Z, decke die ganzen 360 Grad des geschäftlichen Kreislaufs ab. Wie bei den allermeisten Geschäften gilt auch hier: Wer die Kontrolle haben will, muss eben auch investieren, Geld und Zeit ebenso wie ungeteilte Aufmerksamkeit.

Das Topmodel als Kontrollfreak?

Nun, das ist mir dann wieder ein bisschen zu hart formuliert. Es ist einfach so, dass ich mich von jeher selber intensiv um meine Karriere gekümmert habe. Kommt hinzu, dass ich an zeitlosen Dingen und an einer langfristigen Qualität interessiert bin.

Was würden Sie demnach einem Mädchen raten, das die Chance hat, ins Modelgeschäft einzusteigen? Welches sind die Risiken?

Das Risiko ist, dass einem viele Leute dreinreden wollen und oft alles und jedes kritisieren an einem. «Bleib du selber», würde ich einem Mädchen am Beginn einer Modellaufbahn raten.

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Und die Chancen?

Ich habe sie am eigenen Leib erfahren. Das Modelgeschäft war die beste Schule für mich. Ich wuchs auf in einem kommunistischen System, das mir keine Chance gab, zu reisen, neue Dinge zu sehen und zu lernen. Dank meiner Laufbahn konnte ich all dies tun. Dafür bin ich dankbar.

Eva Herzigova

Der Push-up-BH war ihr grosser Karriere-Push: Als Eva Herzigova (34) für den US-Konzern Sara Lee auf Plakatwänden am New Yorker Times Square erstmals für den Wonderbra warb, war ihre Laufbahn lanciert. Hugo Boss, Victoria’s Secret, Kalender von Pirelli – kaum eine Edelmarke oder eine Magazin-Titelseite, die das Model nicht schon veredelt hätte. Herzigova spielte aber auch in Filmen mit und trat als Fotografin in Aktion. Sie ist mit dem Unternehmer Gregorio Marsiaj verheiratet und seit Juni 2007 Mutter. Aufsehenerregend ist Herzigovas aktueller Werbeauftritt an der Seite von Topmodel Brad Kroenig. In einer von Karl Lagerfeld kreierten und fotografierten Kampagne begegnen sich la Belle et le Beau im Pariser Hotel George V und verleihen dem Champagner Dom Pérignon Rosé Vintage 1996 Glamour.

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