Beim Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) bleibt kein Stein auf dem anderen, gezwungenermassen. Denn die Devise heisst sparen. Und nochmals sparen. Kein leichter Einstand für die neue SRF-Chefin Nathalie Wappler. Und so hat sie, kaum im Amt, Sendungen gestrichen und den Personalbestand weiter reduziert. Und sie schliesst für die nahe Zukunft Entlassungen nicht aus.

Wappler spricht langsam, bedacht, unsentimental. Und sehr leise. So leise, dass Techniker die Mikrofone jeweils nachjustieren müssen, wenn sie vor grossem Publikum etwas sagen will. Ins Büro kommt sie mit dem Tram oder Velo – vom Zürichberg, wohin sie vor knapp einem Jahr aus Halle an der Saale gezogen ist, einer Grossstadt in Ostdeutschland und Sitz des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR), wo Wappler von 2016 bis Ende 2018 Programmdirektorin war. Doch der bescheidene, fast sanfte Auftritt sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass die 52-jährige Historikerin und Germanistin durchaus harte Entscheide zu fällen bereit ist.

Erstmal vor allem zugehört

In den ersten drei Monaten habe sie vor allem zugehört, sagt Wappler. Und dabei hat sie erfahren, dass die bei der Zusammenlegung von Radio und Fernsehen eingeführte «Matrixorganisation», mit der die Verantwortlichkeiten bei SRF auf eine vertikal-hierarchische und eine horizontal-fachorientierte Führungsriege verteilt wurden, nicht sehr effektiv war. Immer wieder hätten Mitarbeitende ihr gesagt, «dass es an der Schnittstelle immer geklemmt habe». Und so hat sie die «vertikale» Abteilung «Programme» in deren alter Form aufgelöst, den Wasserkopf leicht abgebaut – und ist damit auch gleich ihren Gegenspieler für den SRF-Chefposten, Hansruedi Schoch, losgeworden, mit dem sie sich schon in ihrer Ära als Kulturchefin nie richtig verstanden haben soll.

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Das Zuhören soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass es letztlich Wappler ist, die entscheidet: «Am Schluss sage ich Ja oder Nein.» Zu welchen organisatorischen Fragen, Sendungen und Moderatoren lesen Sie in der aktuellen BILANZ.

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