Auf ihrem Schreibtisch liegt eine DVD der «Schweizermacher», des mit rund 940 000 Kinoeintritten erfolgreichsten Schweizer Films überhaupt. Eine Komödie aus dem Jahr 1978 über die hiesige Einbürgerungspraxis, bei der Ausländer sich schweizerischer als Schweizer geben müssen. Lili Hinstin (42) hat sich den Film noch nicht angeschaut, dazu fehlt ihr die Zeit.

Sie sitzt in ihrem kleinen Büro im ersten Stock des Palazzo del Cinema am Ende der Piazza Grande und feilt an den letzten Details ihres Programms. Überanpassung an die schweizerische Befindlichkeit, wie sie im Film karikiert wird, droht mit der Französin aber sicher nicht. Schweizer Filme profitieren unter ihrer Ägide in Locarno von keiner Sonderbehandlung. Sie müssen mit Qualität und Kreativität überzeugen, so wie alle anderen auch. Hinstin hält von lokalpatriotischen Überlegungen ebenso wenig wie von politischen und diplomatischen Gefälligkeiten. «Man kann ohnehin nicht alle zufriedenstellen», sagt sie nur.

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