Er galt als «Mister Kuoni», als der Mann, der das Reisegeschäft im Blut hat. Während 35 Jahren prägte Hans Lerch den grössten Tour Operator der Schweiz. Dann kam es zum Showdown mit dem Präsidenten Andreas Schmid. Nach einem langen und heftigen Schlagabtausch unterlag Lerch, er musste seine geliebte Kuoni verlassen. Die folgenden Jobs als CEO bei SR Technics oder als VR bei Hotelplan befriedigten ihn kaum vollauf. Weitaus lieber wäre Lerch wieder an der Front im Tourismusgeschäft gestanden. Obwohl er dies stets abstritt. Noch 2008 sagte er gegenüber der «Handelszeitung»: «Never say never, doch eine operative Tätigkeit schliesse ich aus.»

Nun ist Hans Lerch wieder operativ tätig – als CEO von Hotelplan. Lerchs Vorgänger Christof ­Zuber stand schon lange in der Kritik. Und hinter den Kulissen wurde fleissig an seinem Stuhl gesägt. Auch von den «Lerch-Boys» – bei Kuoni versammelte Lerch eine karrierehungrige Führungsriege um sich –, von denen zwei bei Hotelplan die Fäden ziehen. Auch der 60-Jährige selbst hat wohl am Umsturz mitgewerkelt. Schliesslich war er lange für Kuoni tätig, und da gehören Machtkämpfe und Intrigen zum Alltag. Nichtsdestoweniger ist Lerch eine gute Wahl; der Vollbluttouristiker dürfte Hotelplan bald in ertragsreichere Gewässer steuern.

Die Mitstreiter

Ein Mitstreiter aus jüngerer Zeit ist Herbert Bolliger. Der Präsident der Migros-Generaldirektion holte Lerch zuerst in den Verwaltungsrat von Hotelplan und kürte ihn später zum CEO. Die beiden Alphatiere mögen sich gut leiden, Bolliger war Gast bei Lerchs 60. Als neuer Hotelplan-Chef kann Lerch auf Mitstreiter aus alten Kuoni-Tagen zählen. Als Stellvertreter und CEO Hotelplan Suisse wird ihm Thomas Stirnimann den Rücken stärken. Bei Hotelplan in Top-Position zu finden ist Walter Brüllhardt, ebenfalls ein einstiger Lerch-Boy. Wie auch weitere Touristikmanager, so Roberto Luna, seit kurzem in Diensten von TUI Suisse, oder Martin Wittwer, Chef derselben Firma. Doch auch auf der internationalen Touristikerbühne pflegt Hans Lerch beste Kontakte. Einiges bewegt hat er beispielsweise zusammen mit Geoffrey Kent, Mitbesitzer der auf luxuriöse Reisen spezialisierten Abercrombie & Kent. ­Gute Beziehungen pflegt Lerch auch zu Manny Fontenla, Vorstandsvorsitzender von Thomas Cook. Ein Mitstreiter aus vergangenen Tagen und bis heute ein wichtiger Verbündeter ist Michael ­Frenzel, langjähriger CEO von TUI.

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Die Widersacher

«Ich habe gar nicht so viele Gegner», sagt Lerch. Dafür sind die paar wenigen umso heftigere Widersacher. Wie Daniel Affolter. Der einstige Kuoni-Präsident und Lerch gerieten zur Jahrtausendwende aneinander, es ging um Macht und Millionenbezüge. Auch die Affolter-Jünger und Verwaltungsräte Tommaso Zanzotto und Geoffrey Lipman schossen auf Lerch. Affolter unterlag. Jahre später kam es zu einem noch heftigeren Machtkampf, diesmal mit dem neuen Präsidenten Andreas Schmid. Als dieser den Ex-McKinsey-Mann und Kuoni-Verwaltungsrat Nils Hagander in Stellung brachte, war es um Lerch geschehen; er musste 2004 den CEO-Posten räumen, Monate später trat er auch als Verwaltungsrat zurück. Eine Niederlage, die Lerch bis heute nicht vollständig überwunden hat. Zu seinen Gegnern zählt auch Christof Zuber. Der vormalige Hotelplan-Chef musste Lerch weichen – wohl nicht zuletzt wegen tatkräftiger Mithilfe des neuen CEO.

Die Vertrauten

Hans Lerch lernte Mathis Cabiallavetta, damals UBS-Präsident, an Veranstaltungen kennen. Als sie realisierten, dass beide ein Haus in Lenzerheide besitzen, trafen sie sich auch privat, eine Freundschaft entstand. Fast noch enger befreundet sind ihre Ehefrauen. Als Vertrauter gilt Venture Capitalist Peter Friedli, der Lerch in mageren Jahren als Verwaltungsrat seiner New Venturetec im Geschäft hielt, oder Finma-Präsident Eugen Haltiner. Zum Freundeskreis zählt Peter Quadri, einstiger Präsident von IBM Schweiz. Die Kameradschaft mit Peter Fank­hauser reicht in alte Kuoni-Zeiten zurück. Als 2005 Lerchs Position wankte und Fankhauser als möglicher Nachfolger genannt wurde, sagte er: «Hans Lerch ist ein Freund von mir, und an solchen Stühlen sägt man nicht.» Fankhauser hat auch so Karriere gemacht; er ist Vorstandsmitglied von Thomas Cook.

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Die Karriere

Mit zwanzig stieg Hans Lerch bei Kuoni ein. Nach 14 Jahren in Fernost rief ihn sein Förderer, der verstorbene Kuoni-Patron Jack Bolli, nach Zürich zurück; eine steile Karriere begann. Nach seinem harten Abgang bei Kuoni bot ihm Nico Issenmann, Ex-Adia-Chef und Unternehmensberater, Unterschlupf in seinem Büro. Issenmann war es auch, der Lerch 2005 als CEO zu SR Technics holte. Nachdem er weisungsgemäss die Firma verkauft hatte, stieg Lerch drei Jahre später aus. Seit kurzem führt er die Reisegruppe Hotelplan.

Das Privatleben

Kennen gelernt hat Hans Lerch seine Frau Micheline 1979 an einer Party in Hongkong. Als sie ihm erzählte, sie habe bei Kuoni eine Lehre gemacht, wollte Lerch, damals Filialleiter in Hongkong, sie vom Fleck weg engagieren. Micheline jedoch gab ihm auch nach vier Nachtessen einen Korb. Zwei Jahre später sagte sie Ja – als er ihr einen Heiratsantrag machte. Die Lerchs haben zwei Kinder: Stéphanie (20) beginnt bald ein Jusstudium, Alexander (27) arbeitet beim Unternehmensberater Accenture. Hans Lerch ist sportlich geblieben; zwar läuft er nicht mehr Marathon, dafür joggt er wöchentlich 30 bis 40 Kilometer. Seit seiner Asienzeit frönt er dem Jassen, genauer dem «Guggitaler». In Hongkong ist die nächste «Weltmeisterschaft» angesagt. Das Kartenspielen im Freundeskreis dauert vier Tage – drei Tage gut essen und trinken, einen Tag jassen.

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