Wer viel Pulver hat, kann es krachen lassen. Seit Denner-Erbe Philippe Gaydoul seine Discountkette für kolportierte 840 Millionen Franken an die Migros verkauft hat, übernimmt er im Halbjahrestakt ein Unternehmen nach dem anderen: Nach der Schuh- und Lederwarenfirma Navyboot, dem Strumpf­hersteller Fogal, dem Wintersportmode-Label Jet Set nun die schweizerisch-deutsche Uhrenfirma Hanhart. Gaydoul hielt zuvor bereits eine stille Beteiligung.

Bei Hanhart installierte der neue Mehrheitsaktionär mit dem Branchenprofi Thomas Morf gleich einen neuen Chef. Morf war bis letzten Mai CEO der Luzerner Uhrenmanu­faktur Carl F. Bucherer und hatte im Auftrag des Hanhart-­Aktionariats die angestaubte Traditionsmarke analysiert – und offenbar ­Potenzial entdeckt. Nun ist Morf ebenso Minderheitsaktionär wie die Matter Group des ehemaligen Swissfirst-Chefs und Gaydoul-Kumpels Thomas Matter – der bisherige Hanhart-Besitzer – und die Baarer Investmentfirma Astraia Holding. Den Deal eingefädelt hatte ein weiterer Gaydoul-Vertrauter: Dany Bahar, Ex-Hanhart-Präsident und Chef der Autofirma Lotus. Firmenshopper Gaydoul weiss, dass er seine ertragsschwachen Markenpflänzchen kräftig giessen muss. «Drei bis fünf Jahre lang», sagt er. Er kann es sich leisten.

Die Vertrauten

Er halte nicht viel von Cüpli-Anlässen, sagt der stets edel gekleidete Philippe Gaydoul. Und er trenne geschäftlich und privat. Im Prinzip. Mit Thomas Matter (früher Swissfirst, Matter Group) und Dany Bahar (Lotus) ist er befreundet und über seine Gaydoul Group verbunden. Mit Bahar wollte er dem klammen Zürcher Fussballclub Grashoppers aus der Not helfen, was «an weichen Faktoren scheiterte», wie er sagt. Gaydoul ewig dankbar bleiben wird ­Dieter Berninghaus, der erste Ausländer in der Migros-Chefetage: Nachdem er als Rewe-Chef in Deutschland wegen schwerer Untreue verurteilt worden war, ermöglichte ihm Gaydoul den Wiedereinstieg ins Berufsleben bei Denner. Gut kann es Gaydoul mit Lindt-&-Sprüngli-Chef Ernst Tanner, wichtige Berater sind Kommunikationsprofi Jörg Neef und sein Hausanwalt Hans Wille. Selten ist er im Zürcher Club am Rennweg anzutreffen, der in einer seiner Liegenschaften residiert und in dem Topshots wie Georges Kern (IWC), Valentin Chapero (Sonova) oder Franziska Tschudi (Wicor) netzwerken.

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Die Kontrahenten

Echte Gegner habe er nur unter ehemaligen Angestellten bei Denner, sagt Philippe Gaydoul. Denn wo gehobelt werde, da flögen eben Späne. Und er kommuniziere halt sehr direkt. Als ein «Nichtverhältnis» wertet der Präsident des Schweizer Eishockeyverbands seine Beziehung zum langjährigen Nationalmannschafts-Trainer Ralph Krueger. Gaydoul demontierte den Eis-Zampano und verlängerte dessen Vertrag nicht mehr. Mit den meisten seiner «medial ­inszenierten Kontrahenten» könne er aber «jederzeit ein Bier trinken». Also auch mit Bruno Bencivenga, dem er Navyboot abkaufte. Bencivenga zog sich wegen unterschiedlicher Vorstellungen zur Strategie vorzeitig aus dem VR zurück. Oder mit Hansueli Loosli, dem Coop-Chef und Mitbewerber aus Denner-Zeiten und Mitstreiter in der IG Detailhandel. Statt Coop wie bei der Denner-Tochter Waro den Zuschlag zu geben, verkaufte Gaydoul seine Discountkette vor vier Jahren an den Erzrivalen Migros, was Loosli gar nicht goutierte.

Die Promi-Connection

Auch wenn er sich nicht ständig ins Blitzlicht drängt, muss Philippe Gaydoul nicht ohne Glanz und Glamour auskommen. Für seine Firmen Navyboot und Jet Set hat er sich mit dem mehrfachen Formel-1-Weltmeister Michael Schumacher ­einen Promi als Markenbotschafter geangelt. Schumi fährt zwar zurzeit seinen Kontrahenten hinterher, hat aber im wichtigen deutschen Markt nach wie vor einen Sonderstatus. Ablichten lässt Gaydoul seine Werbeikone vom ­Starfotografen Michel Comte. Eingestiegen ist Gaydoul kürzlich auch bei Lailaps Pictures. An der Film-Produktionsfirma ist der Schweizer Schauspieler Anatole Taubman­ ­(unter anderem «Quantum of Solace») beteiligt, den Gaydoul gut kennt. Er wolle keine Hollywood-Filme produzieren, aber den finanziellen Background zum Kauf von Drehbüchern und TV-Serien schaffen.

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Die Karriere

Auch ohne akademische Würden kann man es weit bringen. Philippe Gaydoul brach das Gymnasium ab, absolvierte eine private Handelsschule und eine kaufmännische Lehre bei Denner. Danach liess ihn Grossvater Karl Schweri Gestelle einräumen und sich über die Ochsentour zum Verkaufsleiter hocharbeiten. Schweri gefiel das, was er sah, und ernannte den erst 26-Jährigen zum VR-Delegierten und CEO von Denner. 2001 wurde er dann Präsident und Delegierter der ganzen Denner-Gruppe. Die Waro verkaufte er in der Folge an Coop, den Discounter Denner an die Migros. Seit Ende 2007 ist er Präsident der Gaydoul Group mit den drei Standbeinen Unternehmensbeteiligungen, Immobilien und Kapitalanlagen.

Die Familie

Die Familienbande bei den Schweris sind sehr lose, seit Philippe Gaydoul und ­seine Mutter Denise Gaydoul-Schweri den Rest der Familie – René Schweri und ­Eliane Borzatta-Schweri – aus­bezahlten. Nicolas Schweri hatte sich schon früher verabschiedet. Nur zu Tan­te Eliane, seiner Patin, pflegt Gaydoul noch regelmässig Kontakt. Grossvater Karl Schweri hatte es seinen Kindern nie leicht ­gemacht und ihnen Enkel Philippe vorgezogen. Gaydoul ist mit Radmila («mein gutes Pendant») verheiratet, die aus Serbien stammt und die er bei Denner kennen gelernt hat. Das Paar hat einen sechsjährigen Sohn und wohnt in Küsnacht ZH.