Das Federer-Paradox: Jahrelang war er der Dominator, doch erst seit er «nur» die Nummer zwei ist, dreht er kommerziell im Overdrive. «King Roger» verdient heute mit Werbe- und Sponsoringverträgen so viel wie nie zuvor – zwischen 20 und 30 Millionen Franken im Jahr. Zum Global Brand machte ihn James M. Kilts, Chef von Gillette, als er ihn 2008 zum «Gillette Champion» kürte und seither gemeinsam mit Tiger Woods und Thierry Henry weltweit vermarktet.

Der Millionendeal ist die Folge der Professionalisierung der Federer GmbH. Bis vor kurzem setzte der Crack auf eine rührige Inhouse-Organisation, bestückt mit Familie und Freunden. Letztere hat er mehrheitlich aussortiert und durch international versierte Spezialisten abgelöst.

Nur eines haben auch die cleversten Berater bisher nicht geschafft: ihn in der Finanzindustrie zu verankern. Zwar warb Federer mal für ATAG Asset Management, doch der internationale Druchbruch war dies nicht. Ein nächstes Engagement ging vor drei Jahren in die Binsen: Federers Manager bandelten mit Maurice Greenberg, Chef des Finanzkonzerns AIG, an, der die Japan Open Tennis Championships sponserte. Der Deal scheiterte. AIG hängt heute am Tropf des Staates. Seine Attraktion könnte er steigern, wenn er Ende Juni Wimbledon gewinnt.

Seine Vertrauten

Federers Vertraute sind um die Roger Federer Foundation drapiert. Da hat der Berner Christoph Schmocker Einsitz, der die Stiftung seit 2006 im Zehn-Prozent-Pensum betreut. Schmocker ist ein Stiftungsprofi: Er leitet bei der UBS die Optimus Foundation, die weltweit benachteiligte Kinder unterstützt. UBS und Federer: In Bankerkreisen hält sich das Gerücht, dass die UBS Federers Hausbank sei.
Zu seinen täglichen Ansprechpartnern gehören Severin Lüthi, sein Coach, Pierre Paganini, sein Fitnesstrainer, und Reto Staubli, ein ehemaliger Schweizer Meister im Tennis, der bei der Credit Suisse angestellt ist und seinem alten Kumpel an den Turnieren psychologischen und taktischen Zuspruch leistet. Zum inneren Zirkel zählt auch Géraldine Dondit, die beste Freundin von Federers Frau Miroslava (Mirka). Sie kümmert sich um Organisatorisches. Ein Freund der Familie ist Urs Wüthrich, basellandschaftlicher SP-Regierungsrat, der ebenfalls in der Federer-Stiftung einsitzt. Dort trifft er auf Tony Godsick, Direktor des US-Sportvermarkters IMG. Dieser soll die Stiftung mit Frischgeld versorgen, damit sie Projekte in Äthiopien und Südafrika vorantreiben kann. Godsick ist eine gute Besetzung: Er ist umgänglich und zäh. Verheiratet ist der professionelle Geldeintreiber aus Cleveland, Ohio, mit der ehemaligen Profispielerin Mary Joe Fernandez.

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Die Widersacher

Trennungen vom Personal gehen beim Grand-Slam-Seriensieger meist ohne Kräche vonstatten. Eine Ausnahme gibt es: Marc Biver, ehemaliger Schweiz-Chef der Vermarktungsfirma IMG, spie Gift und Galle, als ihm Federer 2003 den Rücken kehrte. Dieser fühlte sich zu wenig effektiv beraten, die grossen Deals schlossen andere ab. In der Folge setzte er auf sein Inhouse-Management. Erst 2005 fanden Federer und IMG wieder zusammen, seither wird der Superstar direkt aus den USA betreut.
Derweil lästerte Phil de Picciotto, Direktor beim Sportvermarkter Octagon, über die Strategie. Die Marke Federer generiere nie jene Dollars, welche die Strahlkraft eigentlich hergeben müsste. De Picciotto bekam dennoch keinen Vermarktervertrag und musste sich mit der «Swiss Miss», Martina Hingis, begnügen. Sportlich liefert sich Federer einen Zweikampf mit dem Spanier Rafael Nadal. Dieser wird wie er von IMG vermarktet.

Die Berater

Der Grand-Slam-Multisieger hat Rechtsfragen aller Art an Filippo Beck ausgelagert, Partner bei der Advokatur Wenger Plattner. Er ist Spezialist für Sportrecht und in New York als Anwalt zugelassen. Einer der Kanzleipartner ist Swissair-Liquidator Karl Wüthrich, den Beck bei der Airline-Abwicklung tatkräftig unterstützte. Federers Paragrafenreiter kümmert sich auch um die RF Cosmetics, die unter seinem Kürzel wohlriechende Schönheitsprodukte vermarktet.
Zum Beraterteam gehört Thomas Graf von der Zürcher Kanzlei Niederer, Kraft & Frey. Dem Rat des Steuerexperten ist es wohl zu verdanken, dass der Sportler 2007 von Oberwil BL nach Wollerau SZ umzog. Zwar besitzt Federer über dem steuermilden Zürichsee ein Appartement, gilt aber nicht als aggressiver Steueroptimierer. Sonst hätte er sich längst nach Dubai oder Monaco davongemacht.

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Die Geldgeber

Lukrativ ist der Ausrüstervertrag, den Federer mit Phil Knight, Gründer von Nike, abschloss. Fünf Millionen Dollar soll er jährlich einbringen. Ein starkes Stück war es, als Federer vorzeitig aus dem Fünfjahresvertrag mit der Uhrenfirma Maurice Lacroix ausstieg und als Ablöse eine Million auf den Tisch legte. In der Folge verband er sich (zum zweiten Mal) mit dem Edelkonkurrenten Rolex. In dieselbe Luxusklasse gehören Allianzen mit Mercedes und NetJets, der Fliegerflotte von Warren Buffett. Dank dieser ist der Federer-Tross oft mit einer Falcon 2000 EX unterwegs. Ungleich kleinere Brötchen backt man in der Heimat. Da ist er mit Swiss und Jura liiert, für Emmi wird der mehrfache Weltsportler künftig nur noch sporadisch aktiv sein.

Die Familie

Mutter Lynette, Vater Robert, Schwester Diana und Ehefrau Mirka bilden den Kern des Clans. Vater und Mutter arbeiteten für Ciba Geigy, er in Basel, sie in Südafrika. Sie fördern den Filius, seit er mit acht Jahren im TC Old Boys Basel auf dem Platz stand. Heute sind die Eltern primär für die Familienstiftung unterwegs. Die um knapp zwei Jahre ältere Schwester hält sich diskret im Hintergrund.
Kennen gelernt haben sich Roger und Mirka an der Olympiade 2000 in Sydney. Die schwangere Mirka, passionierte Blackberry-Userin, hält ihm den Rücken frei und koordiniert die Termine. Gebündelt sind die Aktivitäten der Familie in der Tenro AG in Bottmingen BL.

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