Wahrscheinlich war er tatsächlich eine Verlegenheitslösung. Als Bundesrätin Doris Leuthard 2008 einen neuen Preisüberwacher ernennen musste, präsentierte sie ihren unbekannten CVP-Parteikollegen Stefan Meierhans. Gar manche Politikerseele kochte: Zu unerfahren, wirtschaftsnah, ein Leichtgewicht, lauteten die noch netteren Umschreibungen. Ausgerechnet die Konsumentenorganisationen waren von der Wahl wenig angetan. Nach seinem Amtsantritt sorgte denn auch monatelang seine kecke Frisur für mehr Gesprächsstoff als seine Leistungen. Zumal der St. Galler an seinem Vorgänger Rudolf Strahm gemessen wurde. Und der hinterliess bekanntlich grosse Fussstapfen.

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Doch Stefan Meierhans hat seine Beisshemmungen, falls er sie überhaupt je hatte, abgelegt. Sorgte sein erster Vorschlag, die Radio- und Fernsehgebühren nicht mehr von der Billag einkassieren zu lassen, noch für Kopfschütteln, ist inzwischen einigen Unternehmen und Branchen das Lachen vergangen. Der 44-Jährige hat unter anderem bei Medikamentenpreisen, Spitaltarifen, Importzöllen, Wasser- und Abfallgebühren interveniert, er nahm die Preise von Hörgeräten oder die SBB-Taxen unter die Lupe. Nun hat er sich mit der mächtigen Post angelegt. Seine Forderung: runter mit den Porti für Briefe und Pakete. Dazu hat er ein Verfahren eingeleitet.

Die Verbündeten

Stefan Meierhans’ wichtigste Verbündete ist bis heute Bundesrätin Doris Leuthard. Sie machte ihn zum Preisüberwacher und ging damit ein beträchtliches Risiko ein. Auch privat bestehen gute Kontakte, seine Frau Béatrice Wertli und Leuthard sind Freundinnen. Weiterhin Verbindung hält der Preisüberwacher mit seinem Vorgänger Rudolf Strahm. Vor allem gemeinsame berufliche Interessen verbinden Meierhans und die SP-Nationalrätin Prisca Birrer-Heimo. Seit sie vor eineinhalb Jahren das Amt als Präsidentin der Stiftung für Konsumentenschutz übernommen hat, vermochte sie sich in erster Linie bei Importpreisen für Konsumgüter zu profilieren. Vincent Martenet als Präsident der Wettbewerbskommission Weko arbeitet ebenfalls eng mit dem Preisüberwacher zusammen. Die beiden Stellen betrachten ihre Arbeit als komplementär. Dennoch ist es schon zu Doppelspurigkeiten gekommen.

Obwohl Stefan Meierhans nie Parlamentarier war, kommen die meisten seiner Freunde aus der Politik. Beste Beziehungen unterhält er zu Reto Nause, Gemeinderat der Stadt Bern und Direktor für Sicherheit, Umwelt und Energie. Aus seinen Zeiten bei Microsoft kennt er Pascale Bruderer, die dort als Program Manager arbeitete. Zur Aargauer SP-Ständerätin pflegt das Ehepaar Meierhans ein sehr gutes Verhältnis. Wie auch zur Berner FDP-Nationalrätin Christa Markwalder.

Die Gegner

«Viel Feind, viel Ehr»: Das gilt speziell für den Preisüberwacher. Zwar bemüht sich Meierhans um Sachbezogenheit. Dennoch bleiben Reibereien nicht aus. Etwa mit der Post-Konzernleiterin Susanne Ruoff. Sie denkt laut über Preiserhöhungen nach, er fordert tiefere Porti. Schon mehrmals wurden die SBB von Meierhans attackiert. Mit dem Resultat, dass der oberste Bähnler, Andreas Meyer, geplante Tariferhöhungen hinausschob. Kaum je Freunde in diesem Leben werden Stefan Meierhans und Thomas Cueni, Geschäftsführer der Pharma-Lobbyorganisation Interpharma. Die überrissenen Medikamentenpreise in der Schweiz sind eines der Lieblingsthemen des «Monsieur Prix». In der «Rundschau» blaffte er: «Die Pharmaindustrie kriegt den Schlund nicht voll.» Wegen seiner anhaltenden Kritik an den öV-Tarifen ist auch Ueli Stückelberger, Direktor des Verbandes öffentlicher Verkehr, nicht gut auf den Preisüberwacher zu sprechen. Ebensowenig Werner Marti, Präsident der Inkassofirma Billag: Meierhans möchte dieser das Mandat zum Einkassieren der Radio- und Fernsehgebühren entziehen. Witzig daran: Marti war vor Rudolf Strahm als Preisüberwacher tätig.

Die Polit-Connection

Aus der Politik kann Meierhans auf mehr Unterstützung zählen als Rudolf Strahm. So von Justizministerin Simonetta Sommaruga. Als SP-Ständerätin und Konsumentenschutz-Präsidentin lobte sie ihn für sein Wirken. Einen Fürsprecher hat er auch in Christophe Darbellay gefunden; der CVP-Präsident forderte mehr Macht für den Preisüberwacher. Die beiden pflegen auch privat freundschaftliche Kontakte. Fulvio Pelli, bis vor einem Jahr FDP-Lenker, wollte den Rücken von Meierhans ebenfalls stärken. Als harscher Kritiker hervorgetan hat sich dafür der Glarner SVP-Ständerat This Jenny. SVP-Nationalrat Adrian Amstutz will den Preisüberwacher zwar ebenfalls in die Wüste schicken, er hält aber auch Lob bereit: Meierhans inszeniere sich nicht so stark wie Strahm.

Die Karriere

In Basel, Oslo und Uppsala studierte Meierhans Jurisprudenz und schloss 1998 mit dem Doktortitel ab. 1998 liess er sich vom Bundesamt für Justiz anstellen. Nach einigen Monaten holte ihn Bundesrat Arnold Koller ins Generalsekretariat des Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartements. Dort war er zuständig für Wirtschaftsfragen, aber auch für Bereiche wie Drogenpolitik. 2003 wechselte er in die Privatwirtschaft. Bei Microsoft Schweiz trug er den Titel «Head Corporate Affairs and Citizenship». Mit anderen Worten: Meierhans bezog Gehalt als Lobbyist. In dieser Funktion beriet er den damaligen Microsoft-Länderchef Peter Waser, dem er bis heute freundschaftlich verbunden ist. Am 1. Oktober 2008 trat er als Preisüberwacher an.

Die Familie

Die Töchter Lena (3) und Sophie (2) haben die Gewohnheiten der Familie Meierhans, die in Bern in einer Eigentumswohnung lebt, auf den Kopf gestellt. Die Aargauerin Béatrice Wertli (36) ist CVP-Stadträtin in Bern und war Kommunikationschefin der Christlichdemokratischen Volkspartei der Schweiz. Nach der Mutterschaftspause hat die passionierte Langstreckenläuferin im Rahmen eines 80-Prozent-Pensums vor -wenigen Monaten das Amt als Generalsekretärin der CVP übernommen. Meierhans nimmt sich pro -Woche einen Nachmittag frei, an dem er sich ausschliesslich um seine Töchter kümmert. Früher ist er Marathon gelaufen, heute ist Velo und Ski fahren sowie wandern angesagt. Zudem jasse er für sein Leben gerne, und zwar hauptsächlich «Coiffeur». Seine grosse Leidenschaft aber ist das Lesen – in erster Linie Bücher auf Schwedisch und Norwegisch. Während seines Studiums hat er nebenbei diese beiden Sprachen gelernt.