Sein persönlicher Freundeskreis setze sich grossteils weder aus Business- noch Showbusiness-Leuten zusammen. Möchte er, Viktor Giacobbo, vor Drucklegung des Artikels doch noch betont haben. Gerade so, als wäre es für den 57-jährigen VR-Präsidenten des Casinotheaters Winterthur ehrenrührig, mit dem kulturbeflissenen (Aktien-)Kapital auf Armlänge zu verkehren.

Dabei hat er, Prinz Comedy der Deutschschweiz, schöne Erfolge vorzuweisen, die ihm zu Recht im Wirtschaftslager Sympathien einbringen. Ein Theater ohne Subventionen, volle Säle, gehobene Küche, die sonntägliche «Late Service Public»-Show auf SF1 mit über 400  000 Zuschauern – ein Leistungsausweis.

Die öffentlich zur Schau getragene Distanzierung zum Kommerziellen ist wohl Teil des sorgsam gepflegten Images des früheren Klassenkämpfers, der sich ausschliesslich um die witzigen Pointen kümmern will, nicht aber um die Rendite. Den Vorwurf von Komikerkollege Marco Rima, Giacobbo sei quasi der Pate des Comedy-Geschäfts, konterte dieser wie die Unschuld vom Land: «Ich wäre der dümmste Mafiaboss.» Giacobbos Wirtschaftsfreunde tummeln sich übrigens im Aktionariat der Casino Theater AG und der Casino Immobilien AG.

Seine Freunde

Ums Casinotheater Winterthur tummelt sich eine hochkarätige ­Unternehmerrunde: Im Zentrum steht Kurt Rüegg, Seniorpartner bei Swiss Capital Group und VR der St.  Galler Kantonalbank. Mit Giacobbo sitzt er im VR der Casino Theater AG. Zum Kreis der ­engen Casino-Freunde zählen auch Fred Kindle, Ex-CEO von Sulzer und ABB, sowie Peter Spuhler, SVP-Nationalrat und Besitzer von Stadler Rail. Hohe Comedy-Kunst war es, als Giacobbo letzten Herbst seinen Intimus Spuhler in die «Late Service Public»-Show einlud und mit ihm – per Sie – ein handzahmes Interview führte.
Spuhler ist auch mit Rüegg verbandelt: Der Finanzexperte sitzt im VR von Spuhlers Stadler Rail. Zur den Buddies gehört weiter Urs Berger, CEO der Mobiliar. Der Versicherer ist Gönner des Theaters und Sponsor der «Late Service Public»-Show – und darf im Gegenzug die TV-Aufzeichnung als Hospitality-Plattform für Kunden benutzen.

Anzeige

Die Gegner

Giacobbos Feindschaften sind Konjunkturzyklen unterworfen. Als SVP-Präsident fühlte sich Ueli Maurer missverstanden, weil er in Sketches stets als dümmlicher Laufbub Christoph Blochers daherkam. Seit Maurers Wahl in den Bundesrat ist das Verhältnis entkrampfter. Abgekühlt ist dagegen der Kontakt zu Blocher, den Giacobbo einst zu einem seiner liebsten Show-Acts zählte und mit dem er auch schon mal privat verkehrte. Nun ist die leise Bewunderung offener Distanzierung («ein alter Mann, der nicht loslassen kann») gewichen. Etwas ­reserviert scheint auch das Verhältnis zu Medienminister Moritz Leuenberger, einst einem regelmässigen Gast in Giacobbos Theater. Not amused ist der Magistrat, wenn er in der sonntäglichen TV-Show als entschwebter Schöngeist persifliert wird.
Zunehmend schwer tut sich der ehemalige Linke Giacobbo mit Hardcore-Syndikalisten wie Christine Goll, die sich gegen liberalisierte Ladenöffnungszeiten stemmen.

Die Gönner

Zu den Sympathisanten des Theaters gehört Rolando Benedick, ehemals CEO von Manor. Seit seinem Abgang sind die Sponsorengelder allerdings versiegt. Zu den aktuellen Geldgebern gehört Pierin Vincenz, CEO der Raiffeisenbank, die in Giacobbos Etablissement gerne Kundenanlässe veranstaltet.
Rund um die Casino Immobilien AG – ihr gehören die Immobilien des Theaters – sind die Branchenexperten versammelt. Dazu gehören der Winterthurer ­Architekt Michael Gnädinger und Avireal-Besitzer Remo Stoffel. Stoffel soll sogar Giacobbos wichtigster Einzelaktionär sein. Theaterbesucher und (zum Teil) Aktionäre sind Bruno Gehrig, Roche-Vizepräsident (stammt auch aus Winterthur), Franziska Tschudi, CEO Wicor-Gruppe, und Jürg Wildberger, alter Giacobbo-Kollege aus Fernsehzeiten und heute PR-Berater in Zürich.

Anzeige

Der Werdegang

Der ehemalige Maoist Giacobbo, gelernter Schriftsetzer, später Korrektor und Mediendokumentalist, wandelt heute als links­liberaler Freigeist durch die Polit-Landschaft. In seiner vielfältigen Karriere ist Kabarettist Patrick Frey ein treuer Begleiter. Frey hat viel ökonomischen Sachverstand und präsidiert die Immobiliengesellschaft des Theaters.
Über die Sprachgrenzen schaffte es Giacobbo, als er mit dem National-Circus Knie durchs Land tingelte. Noch heute ist er mit den Knies freundschaftlich verbunden. Die aktuellen TV-Erfolge fährt er mit Kollege Mike Müller ein. Giacobbos Einzelfirma ­Abundzu GmbH ist an seinem Wohnort domiziliert.

Das Privatleben

Das Privatleben hält Giacobbo unter Verschluss. Der Vater war Metzger, die Mutter Damenschneiderin. Der neun Jahre ältere Bruder Bruno Giacobbo betrieb ein Antiqui­tätengeschäft, seit ein paar Jahren tritt er als Künstler auf und sonnt sich im Promi-Status des Bruders. Ein alter Bekannter aus Oberwinterthur ist SF-Sport-Kommentator Beni Thurnheer. Die Boulevardseiten füllte der Theaterbetreiber vor ein paar Jahren durch die mittlerweile beendete Liaison mit Komikerin Nadia Sieger (Ursus & Nadeschkin). Der Entertainer wohnt zwischen Reben bei Neftenbach.