Lange konnte Michael Mack, seit 2008 an der Spitze des Saatgutherstellers Syngenta aus Basel, in Ruhe seinen Job erledigen. Es gab zwar immer wieder Proteste von Umweltorganisationen wegen Gentech-Saatgut oder schädlicher Pestizide, ansonsten aber stand sein Konzern kaum im Rampenlicht. Doch seit dem Übernahmeangebot durch Monsanto vom 8. Mai ist Feuer im Dach. Syngenta hat zwar zunächst abgelehnt, doch das gilt vor allem als taktisch bedingt: Der US-Konkurrent soll zu einer besseren Offerte bewogen werden.

Mack selber dürfte wenig Interesse an einer Übernahme haben, riskiert er doch, seinen Job zu verlieren. Sein Leistungsausweis ist durchzogen, selbst gesetzte Ziele hat der 55-Jährige verfehlt, und der Aktienkurs von Syngenta ist klar unter dem Branchendurchschnitt verblieben. Ob ein zusammengeführter Koloss Monsanto/Syngenta mit Mack als CEO in die Zukunft gehen würde, ist also höchst unsicher. Dies umso mehr, als Hugh Grant, sein Gegenpart bei Monsanto, als machtbewusst gilt und als CEO und VR-Präsident alle Fäden in den Händen hält.

Ob es Mack allerdings wagen darf, sich gegen eine Übernahme zu stellen, ist fraglich – bedeutende Grossinvestoren haben bereits signalisiert, dass sie sich die Chance auf eine aufgestockte Prämie nicht gerne entgehen lassen wollten.

Die Freunde

Wichtigster Vertrauter von Michael Mack bei Syngenta ist Verwaltungsratspräsident Michel Demaré. Der Belgier, lange CFO von ABB, gilt als ausgebuffter Finanzprofi und wirkt auch als VR-Vize bei der UBS. An Demaré liegt es nun, im Übernahmepoker mit Monsanto möglichst viel für Syngenta herauszuholen. Eng soll Mack auch mit VR-Mitglied Stefan Borgas sein, Ex-Chef von Lonza.

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Mack ist nebst seiner Funktion als CEO im VR von Syngenta und Mitglied des kleinen Machtzirkels des Governance-Ausschusses, in welchem auch Jurist und Ex-Roche-Topmann Jürg Witmer als Vizepräsident Einsitz hat. Ausserhalb der Firma hat Mack sein Machtnetz vor allem durch seine Tätigkeit bei der Handelskammer USA-Schweiz (AmCham) aufgebaut, deren Präsident er von 2009 bis 2012 war und wo er heute noch im Board ist. Grosse Stücke auf ihn hält seither Martin Naville, CEO ­der AmCham. In deren Board sammelt sich heute ein Grossteil des hiesigen Topmanagements, von UBS-Chef Sergio Ermotti über ­Novartis-CEO Joe Jimenez bis zu Swiss-Chef Harry Hohmeister, der heute als Präsident wirkt.

Mit Ex-Nestlé-Topmann Paul Polman, jetzt CEO von Unilever, arbeitet Mack zudem in der Neuen Allianz für Ernährungssicherung der G8 eng zusammen. Peter Brabeck, Präsident von Nestlé, hat Mack in den exklusiven Zirkel von Rive Reine ­eingeführt, dem jährlichen Geheimtreffen der wichtigsten Macht­träger der Schweizer Wirtschaft.

Die Gegenspieler

Hugh Grant, Chef von Monsanto, will Syngenta einverleiben und damit den grössten Saatgutproduzenten der Welt zimmern. Noch wehren sich die Schweizer, doch bei einer aufgebesserten Offerte dürfte der Damm brechen.Dafür dürfte nur schon der Druck der Grossaktionäre sorgen, die Gewinnchancen wittern. Ein halbes Dutzend Grossinvestoren, etwa BlackRock unter Larry Fink, aber auch die Capital Group oder Vanguard, halten auf beiden Seiten namhafte Beteiligungen von kumuliert fast 20 Prozent. Gut möglich, dass sich auch andere Branchenplayer ins Übernahmespiel einbringen, etwa BASF unter Kurt Bock.

Harte Konkurrenten sind zudem Bayer-CEO Marijn Dekkers oder DuPont-Chefin Ellen Kullman. Seit Jahren unter ­Beschuss steht Mack vonseiten der Umweltorganisationen. Etwa Greenpeace, welche Syngenta für das Bienensterben verantwortlich macht. Ein einflussreicher Kontrahent ist auch der angesehene Berkeley-Professor Tyrone Hayes, der auf die Gefahren des Herbizids Atrazin aufmerksam gemacht hat. Um ihn zu torpedieren, soll Syngenta laut Medienberichten unter anderem vorgeschlagen haben, das Internetsuchwort «Tyrone Hayes» zu kaufen.

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