Es ist das zweite Mal, dass Christoph Brand (50) und Thomas Sieber gemeinsame Sache machen: Beim ersten Mal wollten die beiden vor rund zehn Jahren «ihre» Telekommunikationsfirmen zusammenlegen. Aber ohne Erfolg, die Wettbewerbshüter untersagten die Fusion von Sunrise und Orange.

Nun schmieden sie zum zweiten Mal gemeinsame Pläne: Sie wollen den mit rund fünf Milliarden Franken Umsatz grössten Schweizer Stromkonzern Axpo wieder auf Vordermann bringen – Sieber als Präsident, Brand als neuer CEO, der seinen Job im zweiten Quartal 2020 übernehmen wird. Er folgt auf Andrew Walo, der die Axpo per Ende Jahr verlässt.

Einfach wird die Aufgabe nicht, Probleme gibts zuhauf. Dazu gehören etwa das Gezerre um den neuen Aktionärsbindungsvertrag, die AKW-Altlast und der Ausschluss der Schweiz aus dem europäischen Strommarkt. Branchenneuling Brand muss sich erst mal einarbeiten.

Das scheint den Swisscom- und Tamedia-Manager nicht zu beunruhigen, ebenso wenig wie der starke Einfluss der Politik. Sonst hätte er sich nicht vor gut einem Jahr um den Post-Chefposten bemüht. Finanziell jedenfalls ist der Job bei der Axpo interessanter: Walo erhielt 1,2 Millionen Franken, während das Salär des Post-CEO die Millionengrenze nicht übersteigen darf.

Die Mitstreiter und Gegenspieler von Christoph Brand

Pierre-Yves Maillard, president of the Swiss Federation of Trade Unions, photographed during a conversation at the federation's offices in Bern, Switzerland, on May 13, 2019. (KEYSTONE/Gaetan Bally)Pierre-Yves Maillard, Praesident Schweizerischer Gewerkschaftsbund, fotografiert waehrend eines Konversation am 13. Mai 2019 in den Raeumlichkeiten des SGB in Bern. (KEYSTONE/Gaetan Bally)
SP-Nationalrat und Fraktionschef Roger Nordmann, VD, studiert den Sitzplan waehrend den Bundesratswahlen, am Mittwoch, 11. Dezember 2019, in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)
Regula Rytz, party president of the Green Party of Switzerland and the Green Party's national councillor, poses for a photograph against a background in the dominant colour of the party in Bern, Switzerland, on July 1, 2019. (KEYSTONE/Gaetan Bally)Regula Rytz, Parteipraesidentin der Gruenen Partei der Schweiz und Gruene-Nationalraetin, portraitiert vor einem Hintergrund in der dominierenden Parteifarbe der Gruenen am 1. Juli 2019 in Bern. (KEYSTONE/Gaetan Bally)
ARCHIV - AM 11. DEZEMBER 2019 WIRD SIMONETTA SOMMARUGA VORAUSSICHTLICH ZUR BUNDESPRAESIDENTIN GEWAEHLT, DAZU STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG - Bundesraetin Simonetta Sommaruga waehrend einer Medienkonferenz, am Montag, 12. Maerz 2018 in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)
Olivier Rihs, named as new  General Manager of Geneva's International Motor Show, pose for the photographer, after a press conference about the 89th edition of the International Motor Show, at the Geneva Press Club in Geneva, Switzerland, Tuesday, February 19, 2019. The 89th edition of the International Motor Show will take place in Geneva from March 7 to March 17, 2015. (KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)
Christoph Tonini, Vorsitzender der Unternehmensleitung Tamedia, links, und Pietro Supino, Verwaltungsratspraesident Tamedia, rechts, praesentieren die Jahresbilanz 2017 von Tamedia, am Dienstag, 13. Maerz 2018, in Zuerich. (KEYSTONE/Melanie Duchene)
Robin Lingg
Digitaltag 2019 in Bern.  Digitalswitzerland.  Marc Walder.  Bild © Remo Naegeli
Thomas Löhrer
Christoph Blocher, Unternehmer,Financier und Politiker( SVP,Ex Bundesrat)Fotografiert in Männedorf am 13.04.2018
Carsten Schloter, rechts, CEO Swisscom und Anton Scherrer, links, VR-Praesident strahlen an der Bilanzmedienkonferenz in Zuerich am Dienstag, 13. Maerz 2007. Die Swisscom hat im vergangenen Jahr bei knapp gehaltenem Umsatz einen Fuenftel weniger Gewinn gemacht. Der Reingewinn sank im Vorjahresvergleich um 20,9 Prozent auf 1,599 Milliarden Franken (KEYSTONE/Walter Bieri)
1|14

Die Mitstreiter:

Die letzten sieben Jahre verbrachte Brand im Tamedia-Reich von Pietro Supino (r.), seit 2019 ist er stellvertretender CEO unter Christoph Tonini (l.).

Quelle: Keystone

Die Familie

Christoph Brand wird am 26. August 1969 in Bern geboren, wo er als Einzelkind auch aufwächst. Sein Vater ist Doktor der Zoologie und Lehrer, seine Mutter arbeitet in der Verwaltung der Schule für Gestaltung Bern. Er besucht das Wirtschaftsgymnasium und studiert danach an der Universität Bern Betriebswirtschaft.

Heute wohnt Brand mit seiner Frau Rahel, einer Zahnärztin, und seinen zwei Söhnen im schulpflichtigen Alter im Raum Zürich. Seit zehn Jahren reduziert der Technikfan und Tesla-Fahrer Brand den ökologischen Fussabdruck seines Hauses, wie er betont, mit Hilfe von Solarpanels und vielen anderen smarten Hilfsmitteln. Und er hört gern Musik, zum Jazzsaxofon-Spielen fehlt ihm, der während des Studiums in Bern auch die Jazzschule besucht hat, aber die Zeit.

Anzeige

Christoph Brand und die Swisscom-Boys

Jens Alder, Verwaltungsratspräsident und designierter CEO von Alpiq.
Präsident Adrian BultÖkonom; Professioneller Verwaltungsrat;
Lorne SomervilleVerwaltungsratspräsident SUNRISE
Dominique Reber
Heinz Karrer, Praesident economiesuisse, spricht waehrend der Jahresmedienkonferenz von economiesuisse, am Donnerstag, 31. Januar 2019 in Bern. (KEYSTONE/Anthony Anex)
Tony Reis, CEO der Swisscom AG, demonstriert am 4. Juni 1998 wie leicht die oeffentlichen Telefone der Swisscom zu bedienen sind. Der 58-jaehrige Reis tritt per sofort ueberraschend und aus eigenem Wunsch von seinem Posten als Konzernchef zurueck, wie am Donnerstag, 16. Dezember 1999 gemeldet wurde. Er gab persoenliche Gruende fuer seinen Entscheid an. (KEYSTONE/Christoph Ruckstuhl)
Jens Alder, Verwaltungsratspräsident und designierter CEO von Alpiq.
Präsident Adrian BultÖkonom; Professioneller Verwaltungsrat;
Lorne SomervilleVerwaltungsratspräsident SUNRISE
Dominique Reber
Heinz Karrer, Praesident economiesuisse, spricht waehrend der Jahresmedienkonferenz von economiesuisse, am Donnerstag, 31. Januar 2019 in Bern. (KEYSTONE/Anthony Anex)
1|6

Die Swisscom-Boys:

Zwar war es Tony Reis, der Brand 29-jährig zum Chef der Swisscom-Tochter Bluewin machte, aber…

Quelle: Keystone

Die Karriere

Brand studierte an der Universität Bern Betriebswirtschaft – unter anderem beim Wirtschaftsinformatiker Joachim Griese und beim mittlerweile verstorbenen Professor für Personal und Organisation Norbert Thom.

Nebenbei arbeitete Brand als Werkstudent bei Ascom, bevor er 1995 nach dem Studium zu Swisscom wechselte, wo er unter den Konzernchefs Tony Reis, Jens Alder und Carsten Schloter verschiedenste Positionen innehatte – vom Projektmanager über den Bluewin-Chef bis zuletzt zum Strategiechef.

Nachdem der Bundesrat den Eircom-Deal untersagt hatte, folgte er Alder, verliess die Swisscom und ging nach einem Sabbatical zu Sunrise, wo er den Chefposten übernahm. Nach dem Nein der Weko zur Fusion mit Orange verliess er die Telekommunikationswelt, weil er mal eine andere Industrie habe kennenlernen wollen, wie er sagt.

Anzeige

Avaloq-CEO Francisco Fernandez holte Brand als Chef zum Versicherungssoftware-Hersteller Adcubum, keine zwei Jahre später heuerte er bei Tamedia an und übernahm von Christoph Tonini, der zum Chef des Medienhauses aufstieg, die Leitung der nichtpublizistischen digitalen Angebote.

Dieser Text erschien in der Dezember-Ausgabe 12/2019 der BILANZ.