Es ist das zweite Mal, dass Christoph Brand (50) und Thomas Sieber gemeinsame Sache machen: Beim ersten Mal wollten die beiden vor rund zehn Jahren «ihre» Telekommunikationsfirmen zusammenlegen. Aber ohne Erfolg, die Wettbewerbshüter untersagten die Fusion von Sunrise und Orange.

Nun schmieden sie zum zweiten Mal gemeinsame Pläne: Sie wollen den mit rund fünf Milliarden Franken Umsatz grössten Schweizer Stromkonzern Axpo wieder auf Vordermann bringen – Sieber als Präsident, Brand als neuer CEO, der seinen Job im zweiten Quartal 2020 übernehmen wird. Er folgt auf Andrew Walo, der die Axpo per Ende Jahr verlässt.

Einfach wird die Aufgabe nicht, Probleme gibts zuhauf. Dazu gehören etwa das Gezerre um den neuen Aktionärsbindungsvertrag, die AKW-Altlast und der Ausschluss der Schweiz aus dem europäischen Strommarkt. Branchenneuling Brand muss sich erst mal einarbeiten.

Das scheint den Swisscom- und Tamedia-Manager nicht zu beunruhigen, ebenso wenig wie der starke Einfluss der Politik. Sonst hätte er sich nicht vor gut einem Jahr um den Post-Chefposten bemüht. Finanziell jedenfalls ist der Job bei der Axpo interessanter: Walo erhielt 1,2 Millionen Franken, während das Salär des Post-CEO die Millionengrenze nicht übersteigen darf.

Die Familie

Christoph Brand wird am 26. August 1969 in Bern geboren, wo er als Einzelkind auch aufwächst. Sein Vater ist Doktor der Zoologie und Lehrer, seine Mutter arbeitet in der Verwaltung der Schule für Gestaltung Bern. Er besucht das Wirtschaftsgymnasium und studiert danach an der Universität Bern Betriebswirtschaft.

Heute wohnt Brand mit seiner Frau Rahel, einer Zahnärztin, und seinen zwei Söhnen im schulpflichtigen Alter im Raum Zürich. Seit zehn Jahren reduziert der Technikfan und Tesla-Fahrer Brand den ökologischen Fussabdruck seines Hauses, wie er betont, mit Hilfe von Solarpanels und vielen anderen smarten Hilfsmitteln. Und er hört gern Musik, zum Jazzsaxofon-Spielen fehlt ihm, der während des Studiums in Bern auch die Jazzschule besucht hat, aber die Zeit.

Anzeige

Die Karriere

Brand studierte an der Universität Bern Betriebswirtschaft – unter anderem beim Wirtschaftsinformatiker Joachim Griese und beim mittlerweile verstorbenen Professor für Personal und Organisation Norbert Thom.

Nebenbei arbeitete Brand als Werkstudent bei Ascom, bevor er 1995 nach dem Studium zu Swisscom wechselte, wo er unter den Konzernchefs Tony Reis, Jens Alder und Carsten Schloter verschiedenste Positionen innehatte – vom Projektmanager über den Bluewin-Chef bis zuletzt zum Strategiechef.

Nachdem der Bundesrat den Eircom-Deal untersagt hatte, folgte er Alder, verliess die Swisscom und ging nach einem Sabbatical zu Sunrise, wo er den Chefposten übernahm. Nach dem Nein der Weko zur Fusion mit Orange verliess er die Telekommunikationswelt, weil er mal eine andere Industrie habe kennenlernen wollen, wie er sagt.

Avaloq-CEO Francisco Fernandez holte Brand als Chef zum Versicherungssoftware-Hersteller Adcubum, keine zwei Jahre später heuerte er bei Tamedia an und übernahm von Christoph Tonini, der zum Chef des Medienhauses aufstieg, die Leitung der nichtpublizistischen digitalen Angebote.

Dieser Text erschien in der Dezember-Ausgabe 12/2019 der BILANZ.