Um nicht ganz unvorbereitet ins kalte Wasser zu springen, zeigte Nissan vor drei Jahren als Publikumstest auf dem Genfer Salon die Fahrzeugstudie Qazana. Mit ihr sollte ausgetestet werden, ob das Publikum einen kompakten Sport Utility Vehicle (SUV) in den ­Dimensionen eines VW-Golf mit etwas unorthodoxen Formen akzeptiert.

Die Reaktionen waren für die Nissan-Verantwortlichen ermutigend. Aus dem Qazana wurde das Serienfahrzeug Juke. Es bildet zusammen mit dem etwas grösseren Qashqai ein Gelände-Limousinen-Duo, das bei der Kundschaft in Europa gut ankommt. Als Dritten im Bunde hat Nissan den X-Trail im Programm, ein Geländefahrzeug mit traditionellem Design. Das Trio hat Nissan in Europa zu einem der grössten Anbieter im SUV-Segment gemacht. Im vergangenen Jahr konnte die japanische Marke deshalb endlich wieder sehr gute Resultate melden. Die SUV haben wesentlich dazu beigetragen. Allein vom Juke konnten im Startjahr 127000 Fahrzeuge unter die Kundschaft gebracht werden.

Diese hat es offenbar satt, in einem SUV zu sitzen, dessen Hauptmerkmal darin besteht, so wie die gesamte Konkurrenz auszusehen. Das heisst, das Auto ist höher als ein Personenwagen, mit vielen glatten Flächen und Kanten. Entsprechend mutig gingen die Designer zu Werk. Sie entwarfen ein Auto, vom dem sich nicht unbedingt sagen lässt, oberste Zielsetzung sei harmonische Linienführung gewesen.

Auf die Frontpartie platzierten die Designer schmale pfeilförmige Leuchten, die sich von der Karosserie leicht ­abheben. Markant geformte runde Nebelscheinwerfer rahmen zudem einen gros­sen Kühlergrill ein. Und wuchtige Radkästen setzen noch einen drauf. Doch damit nicht genug. Auch das Heck zieht fragende Blicke auf sich. Das nach hinten abfallende Dach mündet in eine C-Säule, die sich wiederum auf wuchtige Radkästen stützt. In der Designersprache heisst das «Muskeln zeigen».

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Dieselaggregat macht sich bei Volllast bemerkbar

Der Juke wird in der Schweiz gegenwärtig in drei Ausstattungsversionen mit zwei Benzinmotoren und einem Diesel­aggregat angeboten (117 PS Sauger, 190 PS Turbo, wahlweise mit Vorderrad- beziehungsweise Allradantrieb oder einem 110-PS-1,5-Liter-Diesel). Der Diesel, obwohl er «nur» eine Leistung von 110 PS auf die Vorderräder bringt, zeigt bei Testfahrten, dass PS allein nicht «glücklich machen». Entscheidend ist viel mehr das beachtliche Drehmoment von 240 Newtonmetern beim Juke, das bereits bei 1750 Umdrehungen/Minute zur Verfügung steht.

Daraus resultiert ein kräftiges Durchzugsvermögen, fast aus dem Stand heraus. Die 110 PS spielen eine eher zweitrangige Rolle, zumal der Juke gemäss Untersuchungen sowieso die meiste Zeit in der Stadt gefahren wird und dort ein kraftvoller Antritt im Vordergrund steht. Zudem schafft es der moderne Dieselmotor mit Direkteinspritzung und Turboaufladung in Sachen Energieeffizienz in die Kategorie A (Verbrauch nach EU-Norm 5,1 Liter/100 Kilometer). Auch auf der Autobahn vermag der kompakte SUV gut mitzuhalten.

Das Dieselaggregat macht sich allerdings nach einem Kaltstart und bei Volllast mit typischer Geräuschkulisse bemerkbar. Irgendwie gehört aber etwas Motorensound zum typischen Ambiente dieses Wagens. Wer sich damit nicht anfreunden will, kann unter den Benzinern wählen. Im nicht aufgeladenen 1,6-Liter-Benziner ist ein Fünfgang-Schaltgetriebe eingebaut, im Turbo kommt ein stufenloses XTronic-Automatikgetriebe zum Einsatz, während beim Diesel ein 6-Gang-Schaltge­triebe für die Kraftübertragung sorgt.

Angesichts der Tatsache, dass eine wachsende Kundschaft Auffälligkeiten mag, lässt sich der Juke mit allerlei Extras zusätzlich aufpeppen. So stehen dem Fahrzeug 17- Zoll-Leichtmetallfelgen gut. Der Innenraum kann mit munteren Farben aufgehellt werden, was zusammen mit dem unorthodoxen Äusserem ein Bild abgibt, das man normalerweise im SUV-Segment nicht gewohnt ist.