Für seine Familie wählte der treu sorgende Vater Georg von Opel (49) die märchenhaften Bündner Berge als Wohnsitz. Im be­schau­lichen La Punt-Cha­mues-ch schuf der Finanzstratege eine behü­tete Oase für seine Gemahlin Emily (42), seine vier Töchter und den zuletzt geborenen Sohn Louis Georg.

Wenn es um sichere Geldanlagen geht, baut der einstige Mehrheitsaktionär der Warenhaus- und Immobilienfirma Jel­moli neuerdings lieber in luftige Höhen. In der Bankenmetropole Frankfurt am Main, nur 23 Kilometer Luftlinie entfernt von Rüsselsheim, der Wiege des deutschen Autopioniers und Ahnherrn Adam Opel, weihte dessen Urenkel diesen Sommer seinen St Martin Tower ein: 70 Meter hoch, 25'000 Quadratmeter Geschoss­fläche, auf 20 Stockwerke und einen siebenstöckigen Seitenflügel verteilt. Alte Frankfurter erinnern sich, dass der Katharinen-Kreisel vor diesem spektakulären Hochhaus im Volksmund einst «Opel-Rondell» genannt wurde.

Eigenes Startkapital dank Desinvestments

Der inzwischen im Oberengadin eingebürgerte von Opel präsentiert mit der Vollendung des Hochhausprojektes auch seinen ersten Mieter, den internationalen Industrieversicherer Tokio Marine Kiln. Der Bauherr hatte bewusst auf ­feste vertragliche Vermietung vor der Grundsteinlegung verzichtet, was in der kapitalintensiven Branche sonst üblich ist.

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Doch aus seinen Desinvestments bei Jelmoli und dem in der Schweiz führenden Immobilienentwickler Swiss Prime Site hatte von Opel mehr als genug eigenes Startkapital. Sein Investitionsvolumen für den St Martin Tower liegt bei rund 80 Millionen Euro.

Stabilität im Portefeuille

So wie Georg von Opel setzen viele der 300 Reichsten der Schweiz auf Betongold. Immobilien sind seit eh und je ein fixer, ja bewährter Teil des Vermögens­aufbaus. Haus und Grund werden zwar ebenfalls von zuweilen heftigen Preisschwankungen heimgesucht, bringen auf Dauer aber Stabilität ins Portefeuille. Während viele Grossinvestoren passiv in Immobilien investieren, befassen sich andere höchst aktiv mit der Entwicklung und Verwirklichung von zum Teil gewaltigen Bauten.

Beispielsweise Günter Thiel (63). Der Wahlwaadtländer transferiert einen Teil des Geldes aus diversen Deals wie beim – später gecrashten – privaten Postzusteller Pin ins kanadische Halifax. Mit seinem Wolkenkratzer, fix und fest vermietet an die Toronto-Dominion Bank (TD), besitzt der Immobilieninvestor aus Gland VD den ersten 100-Meter-Tower im Finanzdistrikt von Halifax – «komplett aus Eigenmitteln finanziert», wie der stolze Eigentümer betont.

Vor Ort in Nova Scotia schiebt Stammhalter Wolfgang Thiel (34) längst weitere Skyscraper-Projekte an. Am Genfersee macht der Senior derweil Kassensturz und nennt einen Vorteil voll vermieteter Geschäftshäuser: «Sie sind ein ständiger Cashflow-Lieferant.»

Diskrete Grossgrundbesitzer

Präzise Zahlen dringen bei den Tessiner Gebrüdern Erich (53) und Martin Dreier (51) grundsätzlich nicht nach draussen. Wie viele Immobilien die deutschstämmigen Grossgrundbesitzer unter diversen Firmendächern zumeist mit Namen Diag und folgender Nummerierung in römischen Ziffern verbergen, halten sie eisern unter Verschluss. Pres­tigeprojekte wie die Geschäftshäuser La Posta und La Taverna im Heimatort As­cona TI fallen im Gesamtportfolio nicht sonderlich ins Gewicht.

Ihr höchstes Gebäude, der nach dem Generalmieter aus dem Energiesektor benannte RWE Tower in der deutschen Fussballhochburg Dortmund, lässt sich bei 21 Stockwerken mit knapp 91 Metern Höhe hingegen nicht ­verbergen. Inklusive Antenne erreicht das Bürohochhaus mit seiner anthrazit­farbenen Fassade aus chinesischem Granit exakt 100 Meter und bietet auf mehr als 21'000 Quadratmetern Bürofläche Arbeitsplätze für rund 700 Beschäftigte.

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Die Schweiz als Zufluchtsort

Mit Schweizer Bürgerrecht wie die Gebrüder Dreier agiert längst auch deren einstiger Ruhrgebiets-Nachbar Henning Conle (71). Der diplomierte Ingenieur steuert aus Zürich ein helvetisches Immobilienportfolio unter dem Dach einer unscheinbaren Firma namens Miwo.

Ehe Conle mit Gattin Dorit Elisabeth (64), Sohn Henning (35) und Tochter Johanna (32) am noblen Zürcher Sonnenberg und später an der Goldküste des Sees anlandete, hatte er sich in der deutschen Heimat einen zweifelhaften Ruf als Miethai erworben. Einen beträchtlichen Teil seiner Mietwohnungen im leicht fünfstelligen Bereich hatte der En-gros-Aufkäufer dabei in weniger feinen Vierteln von Grosstädten wie Berlin und Hamburg übernommen. Seinen Schmähkritikern entzog er sich dann durch den privaten Umzug an die Limmat.

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«Zirka 2200 Mietobjekte» allein hierzulande

Unsichtbar blieben die Zürcher Im­­migranten freilich auch in ihren neuen Quartieren. Auffällig fiel nur die Kostennote aus, als die städtischen Kassenwarte für die «Aufnahme der Eheleute Conle in das Zürcher Bürgerrecht» exakt 49'000 Franken in Rechnung stellten. Die happig wirkende Einbürgerungsgebühr können die Immigranten leicht aus der Portokasse zahlen. Als Auftraggeber für ihre Vermietungsfirma Miwo beziffern sie deren Bestand auf «zirka 2200 Mietobjekte» in der Schweiz.

Grösste Aufmerksamkeit ernteten die scheuen Grösstgrundbesitzer der Familienfirma Conle, als sie in London gleich sieben Gebäudekomplexe an sich brachten, mit dem Shell Mex House als Hingucker. Gebaut Anfang der 1930er Jahre, zählt das 58 Meter hohe Haus im Art-déco-Stil mit seiner weit sichtbaren Turmuhr und 49'900 Quadratmetern Bürofläche zu den Baudenkmälern an der Themse. Mehr als 600 Millionen Pfund soll Conle allein dafür gezahlt haben, überwiesen wohl aus Liechtenstein.

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Äusserst beliebtes Investitionsziel: London

Im Fürstentum domizilieren seine Sirosa Anstalt, über die nach Beobachtung des «Guardian» britische Deals liefen, sowie Sohn Henning Conle. Tochter Johanna Conle hingegen residiert in der britischen Hauptstadt im vornehmen Viertel Wimbledon an der Alexandra Road. Sie agiert neben ihrem Vater als Direktorin der Gesellschaften Strandbrook und Scampi Kingdom. Experten beziffern die Werte aller aufgekauften Geschäftshäuser auf umgerechnet mehr als drei Milliarden Franken.

Wenige Steinwürfe entfernt von The Roof Gardens, auf der anderen Seite des Hyde Park, befindet sich der Portman Square. Der bei Touristen beliebte Platz ist das Herzstück eines Londoner Quartiers, Portman Estate genannt. Vor gut 500 Jahren schenkte Heinrich VIII., König von England, seinem Untertanen Sir William Portman of Somerset für die geleisteten Dienste als Lord Chief Justice einen mächtigen Flecken Land, damals am Rande der Stadt London gelegen. Sir William kaufte über die Jahre zusätzliche Hektaren dazu, um seinen stetig wachsenden Herden von Ziegen und Kühen frisches Weideland zu verschaffen.

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Adliger Herrscher über 450'000 Quadratmeter

Als der Stadtkern sich immer mehr ausdehnte, wurde das Weideland zusehends mit Wohnhäusern überbaut, finanziert aus der reichlich gefüllten Familienschatulle. 1764 erfolgte der Spatenstich für den Portman Square. Längst ist das Quartier dicht überbaut. Die Liegenschaften werden von der Portman Estate Management Company verwaltet.

Besitzer ist der 10. Viscount Christopher Edward Berkeley Portman (57), der zwar vor Ort eine standesgemässe Residenz unterhält, seit Jahren jedoch im Genfer Hinterland wohnt. Obwohl die Familie nach dem Zweiten Weltkrieg über die Hälfte ihrer Londoner Immobilien abstossen musste, herrscht sie immer noch über einen beeindruckenden Stadtteil: Auf einer Fläche von 450'000 ­Quadratmetern drängeln sich 800 Wohnungen, 215 Büros, 130 Läden und Restaurants, 32 Hotels sowie 8 Pubs.

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Hoher Ertrag, grosse Familie

Wie schon seine Vorfahren kümmert sich auch der 10. Viscount aktiv darum, dass seine Immobilien auf dem modernsten Stand bleiben. Kein billiges Unterfangen; alleine das aktuell laufende, auf fünf Jahre angelegte Investitionsprogramm verschlingt 120 Millionen Franken. Dennoch herrscht nicht so schnell Ebbe im familiären Trust, von dem 130 Verwandte zehren. Gespeist wird dieser – neben den Mieteinnahmen aus dem Portman Estate – zu einem zwar weitaus geringeren, dennoch nicht unwesentlichen Teil aus kommerziell genutzten Liegenschaften in New York und Florida sowie umfangreichen landwirtschaftlichen Gütern.

Während bei den Landlords Portman mit Spross und Viscount Christopher bereits der zehnte Erbfolger regiert, klotzt beim aktuell auffälligsten Angreifer auf dem Londoner Immobilienmarkt erst die zweite Generation, nämlich die drei Schweizer Söhne des weltgrössten Möbelhändlers Ingvar Kamprad (89): Peter (51), Jonas (49) und Mathias Kamprad (46).

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Viel Wald und mehr für die Ikea-Söhne

Die in der Waadt aufgewachsenen Sprösslinge des phänomenalen Ikea-Gründers lösen mit imposanten Immobilieninvestments das Problem, die gigantischen Gewinne der weltweit 328 Ikea-Filialen zu Zeiten quasi zinsloser Geldanlagen profitabel zu platzieren. Gegen 100 Millionen Euro für den Ankauf von 336 Quadratkilometern Wald in der rumänischen Walachei schmälern den Jahresprofit um rund 3 Prozent.

Deutlich höhere Beträge werfen die Strategen auf für ihre Immobilienfirma Vastint Holding. Diese vereint in einem halben Dutzend Ländern Europas Dutzende Grossprojekte von Brüssel bis Bukarest. Der künstlich klingende Konzern­name setzt sich zusammen aus den holländischen Worten «Vastgoed International», wobei das niederländische Vast­goed ganz simpel Immobilie bedeutet.

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Ein neues Stadtviertel

Das spektakulärste Projekt realisieren die Kamprad-Hochbaumeister unweit der Latifundien des Viscount Portman im Londoner Stadtteil Stratford. In Sichtweite des Olympiastadions haben die Wahlschweizer Investoren rund zehn Hektaren Brachland gekauft und das deutsche Architekturteam Arc-ML aus Berlin angeheuert.

Dieses soll ein Stadtviertel mit 1200 Wohnungen, Bürokomplexen mit gegen 50'000 Quadratmetern Nutzraum, ein Hotel mit 350 Zimmern sowie – als künftiges Wahrzeichen des Viertels Strand East – einen 40 Meter hohen Tower modellieren. Inzwischen laufen die Tief- und Hochbauarbeiten auf Hochtouren – via YouTube im Internet zu beobachten.

Mit den Moxy-Hotels hat Ikea Grosses vor

Auf den Geschmack gekommen, hat Kamprads Vastint gerade 310 Kilometer nördlich von London in Leeds ein 85'000 Quadratmeter messendes Areal rund um die Tetley-Brauerei gekauft. Die Bier­fabrik bleibt in Betrieb; die Immobilieninvestoren werden das Gelände rund um die Braukessel ähnlich der Londoner Mustersiedlung gestalten.

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Als längst funktionierende und prosperierende Partnerschaft präsentiert das Vastint-Management einen Ausflug in das Gastgewerbe. «Mindestens 50 Hotel-Investments in den kommenden fünf Jahren» will der Ikea-Ableger in Innenstädten zwischen Amsterdam und Wien implantieren. Als versierter Partner operiert die US-amerikanische Marriott International an der Seite von Ikeas früherer Inter Hospitality Holding und hat das erste gemeinsame Hotel Moxy am Mailänder Flughafen Malpensa mit 162 Zimmern eröffnet. Weitere Moxy-Häuser werden in Berlin, München, Frankfurt, London und Oslo folgen.