Als im Frühling ruchbar wurde, dass Horst Petermann die «Kunststuben» seinem Vize Rico Zandonella übergeben und das Lokal in ein Bistro umwandeln wolle, legte sich ein Trauermantel über die Fangemeinde des Gourmettempels. Zugleich regte sich aber auch die leise Hoffnung, dass der Entschluss nicht unumstösslich sein und Rico sicher nicht plötzlich zum Carpaccio-Koch mutieren würde.

Nach einer kurzen Schliessung wurde unter dem Namen «Rico’s Kunststuben» nun wieder eröffnet. Ein Besuch macht rasch klar, dass nur eine Rochade stattfand, die Zandonella in den Vorder- und Petermann in den Hintergrund rückte. Gänzlich unberührt von allem ist Iris Petermann geblieben. Sie empfängt mit ihren Servicefachleuten so unaufdringlich und liebenswürdig wie eh und je. Sie beobachtet die Gäste höchstens etwas neugieriger, um herauszuspüren, wie diese auf das veränderte Interieur reagieren.

Frisch und Fröhlich. Denn just zum Chefwechsel wurde das Restaurant unter der Regie des exzentrischen Tessiner Architekten Carlo Rampazzi rigoros überholt. Entschwunden ist der etwas altbackene «Kunststuben»-Groove. Ein silberner Parkettboden ersetzte den Spannteppich, die Decke glänzt rot, und an den Wänden hängt keine Kunst mehr, dafür bringen diagonale Farbstreifen Lebendigkeit in die Räume. Wo früher Ernst und Schwere herrschten, stimulieren nun Frische und Fröhlichkeit. Passend dazu lädt ein mächtiger Edel-Stammtisch zum lockeren Beisammen­essen ein. Und die neu konzipierte Weinkarte kann man nun auch auf dem iPad lesen.

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Der neue Rahmen setzt die gross­artige Küche von Rico Zandonella und Horst Petermann noch prägnanter ins Bild. Plötzlich wird einem bewusst, wie farbig und kräftig, wie elegant und harmonisch sie ist und schon immer war. Der blaue Hummer auf dem geschmacks­tiefen getrüffelten Lauchbett ist unerreicht. Raffiniert in ihrer Konsistenz und Würze sind das Carré und der glasierte Bauch vom Ormalinger Jungschweinchen, unendlich köstlich die Desserts. Zandonella hat wahrlich keinen Grund zur Nervosität auf seinem Rundgang von Tisch zu Tisch. Und auch die wechselbedingt in Klammern gesetzten Benotungen der Gastronomieführer werden bald wieder in gewohnter Höhe prangen.

  • Was man essen sollte: Allein schon Rico Zandonellas Desserts sind die Reise wert.
  • Weinempfehlung: Fragen Sie ruhig Sommelière Claudia Vogel – sie ­offeriert unter anderem eine reiche Auswahl von Weinen unter 100 Franken.
  • Diskretionsfaktor: Vom Tête-à-Tête bis zum Geschäftsessen bilden die «Kunststuben» einen eleganten Rahmen.

«Rico’s Kunststuben» Rico Zandonella, Iris und Horst Petermann Seestrasse 160 8700 Küsnacht Tel. 044  910  07  15 www.kunststuben.com sonntags und montags geschlossen.