Ferrari-Sportwagen sind mit den Karosserien und Designs von Pininfarina verknüpft wie der frühe Volkswagen mit dem Heckmotor. Vor allem Carrozzeria Touring und Vignale, aber auch Ghia und Stabilimenti Farina bauten die Coupé- und Spider-Karosserien von Ferrari. Enzo Ferrari konzentrierte sich auf die Konstruktion von immer besser werdenden Fahrgestellen und Motoren, ehe er sich mit Pinin Farina anfangs der Fünfzigerjahre auf eine lang andauernde Partnerschaft einigten.

Das Chassis des Ferrari 212 Inter stammte in direkter Linie vom 195 Inter ab. Von 1951 bis 1953 wurde es über 80 Mal hergestellt und mit dem nun auf 2562.51 Kubikmeter vergrösserten Motor ausgeliefert. Wie bei den Vorgängern bereits üblich entstand der 212 als «Export» für den GT-Sport und als «Inter» als Basis für sportliche Tourenwagen.

Über 180 Kilometer pro Stunde

Während der Export ein Chassis mit 2,25 Meter Radstand aufwies, profitierte der Inter von einem auf 2,5/2,6 Meter verlängerten Abstand zwischen den Achsen und damit mehr Innenraum.

Gegenüber der Rennsportversion musste der 212 vorerst auf die dreifache Vergaserausrüstung verzichten, doch bald stiegen auch bei den Käufern die Leistungsgelüste und auch im 212 wurden bis zu drei Doppelvergaser verbaut. Die Motorleistung lag je nach Ausführung zwischen 130 und 170 PS (bei 6500 Umdrehungen), gut für eine Höchstgeschwindigkeit von über 180 Kilometer pro Stunde.

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Bewährter Colombo-V12

Ingenieur Gioacchino Colombo hatte bereits für den ersten Ferrari 125S von 1947 einen überzeugenden Motor entwickelt, der bis ins Jahr 1966 in den Sportwagen aus Maranello brillierte und in dieser Zeit hubraumtechnisch praktisch auf das Doppelte anwuchs.

Im 212 Inter taten zwei obenliegende und über Ketten angetriebene Nockenwellen Dienst, um die 24 Ventile über den in einem 60-Grad-Winkel gespreizten Zylinder zu bedienen. Die Vergaser stammten von Weber, die 12-Volt-Elektrik von Marelli. Natürlich war der Motor wassergekühlt und im Bug hinter der Vorderachse eingebaut wie bei allen Ferrari-Sportwagen jener Zeit.

Stabile Basis

Das Fahrgestell des 212 Inter bestand aus einem selbsttragenden Stahlrohrgerippe, zusammengeschweisst aus rechteckigen Rohren. Vorne kamen Einzelradaufhängungen mit Trapez-Dreiecksquerlenker und Querblattfedern zum Einsatz, hinten sorgte eine Starrachse mit Doppellängslenkern und Halbelliptikfedern für die Radführung.

Für die Verzögerung sorgten Trommelbremsen, die hydraulisch angesteuert wurden. Gelenkt wurde mit Schnecke und Rolle. Der Benzintank umfasste 105 Liter. Ein komplett karossierter Ferrari 212 Inter mass rund 4,1 Meter in der Länge, 1,5 Meter in der Breite und wog etwa 1100 Kilogramm.

Michelottis Kreationen

Giovanni Michelotti zeichnete verantwortlich für einen erheblichen Anteil der Ferrari 212 Inter Karosserien. Zusammen mit dem Karosseriebauer Vignale hatte man schon vorher eine ansehnliche Anzahl Ferrari-Fahrgestelle der Baureihen 166 und 195 eingekleidet. Das Gros der Wagen trug eine Fastback-Coupé-Karosserie mit zwei Fenstern pro Seite.

Schon kurz nach Lancierung zeigte das Gespann Vignale/Michelotti erste Beispiele seiner Arbeit, darunter drei Cabriolets (auf dem kurzen Radstand der Sport-Version) und ein Coupé, das sich noch stark an den Entwürfen für den 195 Inter orientierte und 1951 in Turin vorgestellt wurde.

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Unkonventionelle Scheinwerferanordnungen

Während die ersten Versionen noch ein vergleichsweise klassisches Ferrari-Gesicht und wenig Chromschmuck aufwiesen, erhielten spätere Coupés deutlich mehr Verzierungen und schliesslich dann auch unkonventionelle Scheinwerferanordnungen. Obschon ein Design für mehrere Fahrzeuge verwendet wurde, unterschieden sich die einzelnen Exemplare im Detail, so dass man zurecht von Sonderkarosserien sprechen kann.

Chassis 0211 EL zum Beispiel trug die Hauptscheinwerfer im Kühlergrill, zusätzliche Leucheinheiten auf den vorstehenden Kotflügeln. Während die meisten Pininfarina-Entwürfe ab 1951 eher schlicht daherkamen, strotzten manche Michelotti-Varianten durch aufwändige Chromverzierungen und verspielte Details. An den Concours d’Elégance der damaligen Zeit kam dies allerdings gut an, bei Enzo Ferrari vermutlich weniger, weshalb er sich immer enger mit Pininfarina zusammentat.

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Chassis 0287 EU

Um 1952 herum änderte sich die Nomenklatur bei Ferrari. Während die frühen 212 Inter vierstellige Nummern mit der Buchstabenkombination «EL» (Export Lungo) trugen, wechselte Ferrari nun zu «EU» (Europa). Die Lenkung wurde nun einheitlich links statt rechts eingebaut, begonnen mit Fahrgestell 0211 EU.

Im Jahr 1953 entstand Chassis 0287 EU, das bei Vignale mit einer Coupé-Karosserie komplettiert wurde und danach in die USA an Luigi Chinetti Motors geliefert wurde, wo es der erste Besitzer namens Thomas Neelands in New York übernehmen konnte. Seither wechselte es viele Male den Besitzer, trat die Reise über den Atlantik mehrfach an, wurde von Eignern in den USA, der Schweiz, den Niederlande und Italien gefahren und natürlich auch komplett restauriert und für besseren Strassengebrauch auch sanft renoviert.

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Der Ferrari 212 Inter mit Fahrgestell 0287 EU dürfte einer der letzten von Vignale karossierten Fahrzeugen sein und er weist die charakteristische Front mit deutlich ausgeprägten Kotflügeln mit zentral angebrachten Blinkern auf. Im Gegensatz zu einigen seiner Vorgänger sind die Hauptscheinwerfer aber neben dem Kühlergrill platziert. Ob dieser Wagen immer derart sparsam mit Chrom verziert war, wie er heute dasteht, ist nicht eindeutig klar.

Mehr zum Ferrari 212 Inter lesen Sie bei zwischengas.com.