So unterschiedlich die ­Arbeitsweise und das Ergebnis der beiden Künstlerinnen auch sind, der Drang, die Identität und Individualität des Objektes zu erfassen und den Blick auf das Innere und damit auf das Grundlegende zu werfen, ist beiden gemeinsam. Erika Babatz untersucht in ihrer Arbeit Rückstände und Abfälle unserer Zivilisation. In ästhetisch schönen Bildern führt sie das wieder zusammen, was vom Glamour und schönen Schein der reichen Börsenjahre als Abfall auf der Strecke geblieben ist. Sie durchleuchtet die Dinge buchstäblich und zieht das Unsichtbare an die fotografische Oberfläche. In zartes, weisses Licht getaucht, wirken die Objekte rein und der Vergänglichkeit für einen kurzen Moment entrissen. Bei Sabrina Friio zeigen ausgestopfte Tiere aus unseren urbanen Siedlungsräumen, wie sich die Schönheit der Schöpfung auch in deren Form wiederfindet. Wie bereits in ihrer beeindruckenden Serie «Identité» zeigt sie auch in ihrer neuen Arbeit Persönlichkeiten ohne Gesicht: Eine Katze, ein Huhn, eine Ratte oder gar einen Maulwurf. Dabei konzentriert sie sich nicht auf die physische Vergänglichkeit, sondern auf das, was übrig bleibt. Ganz im Gegensatz dazu ihr neues Video «Portraits». In schneller Abfolge blitzen Portraits von Menschen auf. Friio bringt das Auge an seine Grenze und evoziert überlagernde, flimmernde Bilder. In der digitalen Fotografie nennt sich dieser Effekt «Bildrauschen». (ba)

Galerie Widmer + Theodorisis, Weggengasse 3, Zürich; bis 28. April 2012.