Mit den ersten wärmenden Sonnenstrahlen beginnt die Gartenzeit – für viele die schönste Zeit im Jahr. Denn: Das eigene Grün vor der Tür dient als Ort des Rückzugs vom stressigen und hektischen Alltag. Hier wird entspannt, die Ruhe genossen, neue ­Energie getankt.

Oase der Ruhe und Aufenthaltsraum bei gemütlichen Grillrunden – diese Aufgabe behält der Garten. Aber punkto Gestaltung kündigt sich eine Trendwende an: Während der letzten 20 Jahre dominierte in der Schweiz der architektonische Garten. Er wurde auf- und ausgeräumt, bis vor lauter Purismus, Design- und Materialverliebtheit bisweilen nicht mehr allzu viel übrig blieb.

Flucht vor der Hektik

Doch kühle Architektur der Natur kommt aus der Mode. «In einer Leistungsgesellschaft voller Hektik, Technik und digitaler Kommunikation ist zunehmend eine emotionale, fantasievolle und sinnlich erlebbare Gegenwelt gefragt», erklärt Patrick ­Allmann, Mitorganisator des Gatenevents ­Giardina, den neuen Trend.

Und so kombinieren sich inzwischen moderne Techniken, beispielsweise zur Beleuchtung oder Bewässerung, und architektonische Bauteile wie Steinmauern mit verspielt sinnlichen Elementen und einer üppigen Bepflanzung zu einer Gartenromantik, die es in dieser Gestaltungsform bislang nicht gab. Obschon: Grundsätzlich existierten romantische Gärten natürlich schon immer. «Der Gartentrend der vergangenen Jahrzehnte verlangte aber Pres­tige, Grösse, Reduktion der Farben und Formen, teure Ausstattungen, Technik und ­Effekte», sagt Landschaftsarchitekt Jürg Hofmann, Inhaber von Hofmann Gartenbau in Winterthur.

Strenge Formen sind aus der Mode

 Deshalb wurde viele Jahre die grüne Kulisse streng in Form getrimmt, Buchsbaumkugeln und Eibenhecken waren Ausdruck von japanisch inspiriertem Minimalismus. Das ist vorbei. «Die Kunden sehnen sich nach mehr Geborgenheit, nach Unversehrtheit», sagt Andreas Schedler, Gärtner­meister bei Baumschule und Gartencenter Hauenstein in Rafz ZH.

 Entsprechend werden nun Rasenflächen nicht mehr streng geometrisch eingeteilt, sondern in organische Formationen – und neu entstandene Parzellen werden mit Stauden und Gräsern üppig bepflanzt. So entstehen Ruheinseln im Blütenmeer, gliedernde Hecken, Gehölze, oder gekonnt gesetzte Solitärpflanzen bilden Rückzugsorte. Auch werden alte, abgestorbene Bäume nicht durch neue ersetzt, sondern als Klettergerüst für Efeu, Clematis oder Rosen stehen gelassen. «Bestehende Gärten werden gemütlich und wohnlich», sagt die Berner Gartengestalterin Kathrin Sten­gele: Die ursprüngliche Natur dominiert, alles soll wie zufällig gewachsen aussehen.

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Magnolien, Lavendel und Zwergflieder

Dazu gehören Gewächse, die alle Sinne ansprechen: duftende, verspielte, buntfarbige Pflanzen und Blüten wie Magnolien, Lavendel, japanischer Blumenhartriegel, Schneeball, Strauch- und Buschhortensien, Prachtglocken, Zwergflieder, zartes Federgras, Staudenschnittlauch. Und natürlich Rosen. «Allerdings nicht mehr in der herkömmlichen Art als pflegeintensive Edelrose, sondern als Kletter- oder Strauch­rose», empfiehlt Nicole Hoch, Gründerin des Einrichtungsexperten Living­dreams in Zürich.

Ob in Weiss, Lachs, Orange oder Schattierungen von Rosa oder Rot, an Wänden, Säulen, Bögen, Lauben oder Gartenzäunen  – mit Hilfe von Kletterrosen erscheinen schlichte Mauern und triste Ecken plötzlich im Blütengewand. Damit die Blumen jedoch emporklettern können, benötigen sie Halt, etwa Spanndrähte oder ein Gerüst aus Holz. «Führt man die Seitentriebe in die Waagrechte, bilden die Rosen zudem mehr Blüten aus, als wenn sie senkrecht hochgebunden werden», sagt Gärtnermeister Schedler.

Atmosphäre der Leichtigkeit und Ruhe

Als Kontrast zu Rosen und anderen Pflanzen können vor allem Ziergräser eingesetzt werden. Mit ihrem filigranen Wuchs vermitteln sie eine Atmosphäre von Leichtigkeit und Ruhe – vor allem, wenn sie sich auch noch sanft im Wind wiegen. Zudem bieten sie Sichtschutz, sind pflegeleicht und beglücken ihre Betrachter von Frühling bis Herbst mit wechselnden Farben. Wegen ihrer Vielfalt – es gibt von Federborstengras bis Chinaschilf mehr als 10'000 Arten – sind die Verwendungs- und Kombinationsmöglichkeiten von Ziergräsern nahezu grenzenlos.

Interessanter als den Reichtum von Farben und Formen findet Landschaftsarchitekt Benjamin Uhlmann Hell-Dunkel-Kontraste. «Weisse Pfingstrosen in Kombination mit violettem Staudenschnittlauch wirken überwältigend», sagt er. Die Blütenkugeln des Zierlauchs erreichen dabei einen Umfang von bis zu 20 Zentimetern – daher auch die Bezeichnung Riesenlauch. Die winterharten, mehrjährigen Blumenzwiebeln blühen ab Mai, bevorzugt an einem sonnigen bis halbschattigen Standort. Auch Regenwetter oder Stürme können ihnen wenig anhaben: Die bis zu 80 Zentimeter hohen Stengel sind ausgesprochen standfest.

Revival des Kräutergartens

«Erfrischend wirken auch Boden­deckerrosen zusammen mit Mönchspfeffer», sagt Uhlmann. Vor allem Letzterer ist mit seinen auffallend violett-blauen, duftenden Blüten und Blättern gerade im Spätsommer, wenn es an blühenden Sträuchern fehlt, der ideale Blickfang. Die scharf schmeckenden Einzelblüten dienen in der südländischen ­Küche zudem als Pfefferersatz.

 Überhaupt erlebt das Kräutergärtchen derzeit ein regelrechtes Revival: Hübsch arrangiert in verschiedenen Tontöpfen oder als separates Nutzgärtchen schafft es einen Ausgleich zum hektischen Alltag. Neben mediterranen Grünlingen wie Rosmarin, Basilikum oder Thymian erfreut sich vor allem die Minze grosser Beliebtheit. Bei ihr haben Liebhaber die Qual der Wahl: von Apfelminze und Bananenminze über Englische Minze bis zu Zitronenminze oder Samtminze.

Im Zeitalter des urbanen Gärtnerns sind auch Obstbäume und Beeren sehr beliebt. Fehlt der Platz, bieten sich Säulenobstbäume an, die vor allem in die Höhe wachsen, sei es in Gefässen oder in Form einer Obsthecke. Äpfel, Birnen, Zwetschgen, Kirschen, Aprikosen oder Pfirsich spriessen dabei stramm aufwärts entlang dem Mitteltrieb.

Gartenlampen und duftendes Holz

Komplettiert wird die Wohlfühloase mit dekorativen Elementen. Gartenlampen, Laternen, duftendes Holz, Vogel­bäder, Skulpturen, Felle auf verwitterten Bänken, Feuerstellen – der Fantasie sind kaum Grenzen gesetzt. Auch Töpfe und Gefässe in warmen, kräftigen Farben und aus natürlichen Materialien wie Terrakotta, Eisen, Stein und Holz erzeugen ein sinnliches Ambiente.

Zunehmend beliebt sind Schaukeln für Erwachsene. Wenn eine Möglichkeit besteht, setzt Livingdreams-Gründerin Nicole Hoch auch gerne eine grosszügige Bank ein, die an Seilen aufgehängt wird. Die Seile sind aus fest gedrehter Baumwolle oder Synthetik aus dem Schiffbedarf. Je nach Wunsch werden sie mit Stoff überzogen. «Durch das leichte Schaukeln wähnt man sich fast auf einem Schiff und ist eins mit der Natur», sagt Hoch.

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Wetterfeste Objekte mit romantischer Note

Zum Träumen lädt auch ein Garten-Daybed mit Vorhängen, die sich im Wind bewegen und vor neugierigen Blicken schützen. Bei diesem überdachten «Himmelbett», das bislang vor allem dem Innenbereich vorbehalten war, lassen sich Material, Höhe und Beschattung individuell anpassen. «Die einen Kunden wünschen eine Beschattung mit Bambusrollo, die anderen möchten lieber Markisenstoff», so Hoch. Der wetterfeste Hightech-Stoff lässt sich dabei sowohl mit Klettverschlüssen als auch mit verschiebbaren Querverbindungen anbringen. Und selbst Kissen und Matratzen können das ganze Jahr über draussen bleiben: Der Schaumstoff der Matratze ist überzogen und verschweisst, sodass kein Wasser eindringen kann. Bei den Kissen mit Kunst­faserfüllung sorgt unter anderem die spezielle Schnitt-Technik dafür, dass die Nässe abperlt.

Mit dem richtigen Licht werden Möbel und Garten schliesslich auch bei Dun­kelheit sinnlich in Szene gesetzt. Die Beleuchtung einer Lounge sollte nach Möglichkeit von einer niedrig platzierten Quelle stammen. «Sonst ist es nicht gemütlich», erklärt Nicole Hoch. Anders verhält es sich beim Esstisch: Hier darf das Licht von oben strahlen. Damit die romantische ­Note dennoch erhalten bleibt, setzt die Einrichtungsexpertin bei Leuchten auf Kupfer: «Die polierte Innenfläche lässt das Licht wie weiches Kerzenlicht aussehen.» Romantik pur!