Die Schweizer Motorrad-Branche startet in diesen Wochen trotz Rekordzahlen aus dem vergangenen Jahr eher verhalten, dennoch optimistisch in die Saison. Jedenfalls manifestierte sich auf der Branchenmesse Swiss-Moto Mitte Februar in Zürich nachfrageseitig eine gewisse Zurückhaltung.

Am Angebot kann dies nicht liegen: Der Katalog an Neuheiten ist dick und breit gefächert. Wobei allerdings die massgebenden Trends in komplett unterschiedliche Richtungen tendieren. Da sind zum ­einen sogenannte Retrobikes, die sich als Folge der allgemeinen Entschleunigung des Individualverkehrs zunehmender Beliebtheit erfreuen. In der Gunst der Kunden stehen gleichzeitig jedoch auch leistungsstarke Motorräder, welche aufgrund topmoderner elektronischer Assistenzsysteme leichter beherrschbar und sicherer sind.

Scrambler: Im Look von gestern

Im Retro-Segment besonders beliebt sind Scrambler, geländetaugliche Bikes im Look von gestern mit Stollenreifen, breitem Lenker und einseitig hoch verlegtem Auspuff. 2006 von Triumph mit der Bonneville lanciert, liess im letzten Jahr Ducati gleich vier verschiedene Scrambler anrollen.

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Jetzt doppeln die Italiener mit zwei weiteren Modellen nach. Die neue Scrambler Flattrack Pro basiert auf der Technik der bisherigen Modelle. Der Bezeichnung entsprechende Accessoires untermauern den sportlichen Anspruch. Im Gegensatz zu ihren Schwestermodellen debütiert die neue Scrambler Sixty2 mit einem lediglich halb so gros-sen, aber nicht minder charakterstarken 400-Kubikzentimeter-V2-Motor.

Auch Moto Guzzi und BMW machen mit

Auch Moto Guzzi erinnert sich an ihre erfolgreiche Scrambler-Interpretation der 1960er-Jahre. Stornello heisst das wiederauferstandene und mit allen arttypischen Attributen ausgestattete Modell. ABS und Traktionskontrolle sind Zugeständnisse an die heutige Zeit. Der längs luftgekühlte 750-Kubikzentimeter-V2-Motor stammt aus den Modellen der V7-II-Baureihe.

Natürlich hat auch BMW einen Scrambler. Diese basiert auf der seit letztem Jahr beliebten Classic-Roadster R nineT. Die massgebenden Unterschiede zum Erfolgsmodell betreffen die konventionelle Teleskopgabel, das grössere 19-Zoll-Vorderrad und den stilechten Doppelauspuff von Akrapoviˇc.

Attraktive Vintage-Neuheiten

Nebst den trendigen Scrambler-Neuheiten gibt es diverse weitere Bikes im Stil von gestern. Zur neuen Saison hat Triumph die Bonneville-Familie neu aufgelegt. Einsteigermodell ist die Street Twin mit neuem 900-Kubikzentimeter-Twin. Ebenfalls rundum neu sind die T120 und die T120 Black sowie deren sportliche Café-Racer-Interpretationen Truxton und Truxton R mit 1200er-Motoren.

Nicht minder attraktiv sind die ­Vintage-Neuheiten V9 Roamer und V9 Bobber von Moto Guzzi. Kraftvollen Antrieb gewährleistet ein neuer, marken­­typischer V2-Motor mit 850 Kubikzentimeter Hubraum.

Sportler: Es darf etwas mehr sein

Im Gegensatz zu den Klassikern stehen im Sportsegment modernste Technik, maximale Performance und vielseitige Fahrassistenzsysteme im Fokus. Wie die meisten Mitbewerber hat jetzt Kawasaki die jüngste Version Ninja ZX-10R mit allem diesbezüglich Notwendigen ausgestattet. Gleiches gilt für die MT-10, das frische Flaggschiff aus der Yamaha MT-Familie. Ausgestattet mit dem 1000-Kubikzentimeter-Reihenvierer und dem agilen Fahrwerk des Supersportlers YZF-R1 mischt das kantig gezeichnete Nakedbike sein Segment gehörig auf.

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Ebenfalls mit vielen elektronischen «Helferlein» ausgestattet ist die CRF1000L Africa Twin von Honda, der Neuzugang unter den Reiseenduros. Grosse Räder und lange Federwege gewährleisten ausgeprägte Geländetauglichkeit. Der kompakte Parallel-Twin schöpft aus 998 Kubikzentimetern Hubraum 95 PS Leistung.

Auch die Italiener von Ducati verstärken bei ihrer jüngsten Hightech-Reiseenduro den Fokus aufs Gelände. Nebst der Zusatzbezeichnung «Enduro» startet die Multistrada 1200 Enduro mit den entsprechenden Vorteilen: Grosse 19-Zoll-Drahtspeichenräder, lange Federwege (200 Millimeter) und voluminöser 30-Liter-Tank.

Motorrad-Markt Schweiz 2015

Rekordjahr
Tolles Wetter von Frühling bis Herbst und markante Preissenkungen aufgrund der Aufhebung des Euro-Mindestkurses bescherten der hiesigen Töff-Branche ein Rekordergebnis – zumindest was die Stück­zahlen betrifft. 27'306 Motorräder wurden ­verkauft. Das sind über 17 Prozent mehr als ein Jahr zuvor und so viele wie seit 20 Jahren nicht mehr.

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Hubraum
75 Prozent der neu zugelassenen Töffs sind starke Motorräder mit mehr als 500 Kubikzentimeter Hubraum. Total wurden 2015 davon 21'747 Maschinen neu zugelassen, ein Plus von 14,2 Prozent gegenüber 2014.