So sahen die wahr gewordenen Träume unserer (weit zurückliegenden) Jugend aus: vier oder fünf Freunde einsammeln, Reisetaschen nach hinten werfen, alle rein ins Büssli und ab nach Rimini. Vier Tage Pizza, Penne, Sonnencrème und Flirterfolge, alle wieder rein ins Büssli und zurück. VW-Bus, das schmeckt bis heute nach Freiheit.

Bis heute hat sich auch am Konzept nicht viel geändert. Immer noch ist die Bedienung so intuitiv wie zu Zeiten von ­Beatles und Flower Power. Sitz einstellen, Schlüssel drehen, ­losfahren. Alles findet sich auf Anhieb, nichts verwirrt. Eine derart eingängige Bedienung gelingt aktuell nur Volkswagen, vielleicht noch ihrer Untermarke Skoda.

«Rollengelagerte Liegesitzbank»

Weil ich meinen Job als Autotester hochgradig ernst nehme, prüfe ich jetzt gewissenhaft die Fantastilliarden an Variationsmöglichkeiten im Innenraum. Sitze lassen sich drehen, verschieben, um einen Tisch herum gruppieren oder schlicht ausbauen, um eine Spielwiese oder Schlaffläche freizumachen. Höhepunkt des Inte­rieurs und Glanztat der Worterfindungs­akrobaten bei den Wolfsburgern ist die «rollengelagerte Liegesitzbank». Wer seine Verzückung ­dar­über nur noch mit Drogen bewältigen kann, findet in Griffnähe Cup­holder, Flaschenspeicher und Aschenbecher.

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Beim Fahrgefühl rückt der Bus allerdings immer näher an die Kollegen Automobile heran - problemlos lässt sich der T6 durch enge Dörfer und Parkhäuser steuern; die Abmessungen entsprechen einer Limousine der oberen Mittelklasse, und die Karosse ist dank der ebenen Flächen herrlich übersichtlich. ­Navigation, Abstandswarner und Kameras stehen selbstverständlich zur Verfügung. Einfacher lässt sich der Schritt vom profanen Autofahrer zum Transporteur nicht machen.

Teurer Spass

Selbstverständlich, auch das hat Tradition bei VW, ­kostet das Ganze einiges. Den günstigsten Einstieg ins Bus­wesen erlaubt der T6 Kastenwagen, dessen Preise unterhalb von 30'000 Franken beginnen. Doch Mitfahren macht bekanntlich erst mit Fenstern Spass. Insofern bietet sich der von uns getestete Multivan mit Allradantrieb an. Gibt man sich ein wenig Mühe beim Bestellen, kann man den Kaufpreis in den sechsstelligen Bereich treiben.

Und trotz dieser Summen fährt man völlig neidfrei, den Bully finden alle sympathisch. Wer ihn sich leisten kann und zum Autofahren ein funktionales Verhältnis (Fahrzeug = Beförderungsutensil) hat, könnte mit dem Büssli sehr glücklich werden.

VW T6 Multivan
Antrieb: 2-Liter-Turbodiesel mit vier Zylindern, Allrad
Verbrauch: 6,6 Liter Diesel
Leistung: 204 PS (150 kW), 0–100 km/h in 10,1 s, Vmax 199 km/h
Preis: T6 Multivan Highline Liberty 68 400 Franken

 

Dirk Ruschmann fährt seit 25 Jahren Auto und arbeitet seit zehn Jahren für die «Bilanz». Er schreibt über Unternehmen, Manager, Autos und andere bewegliche Teile.