Papst Franziskus hat zur Solidarität mit den Flüchtlingen im Mittelmeer aufgerufen. Das Problem müsse «mit der Logik der Gastfreundschaft, nicht mit der Logik der Gleichgültigkeit» angegangen werden, hiess es in einer am Samstagabend veröffentlichten Botschaft an den Bischof der italienischen Mittelmeerinsel Lampedusa.

Franziskus hatte die Insel vor einem Jahr besucht, um der zahlreichen Flüchtlinge zu gedenken, die bei der Überfahrt ums Leben kamen. «Ein Jahr danach verschärft sich das Problem noch, und es hat leider in schneller Abfolge weitere Tragödien gegeben», erklärte der Papst.

Lampedusa: die wichtigste Anlaufstelle für Flüchtlinge

Lampedusa liegt näher an der nordafrikanischen Küste als an der Küste Siziliens und ist die wichtigste Anlaufstelle für Flüchtlinge. Jeden Monat versuchen tausende Menschen vor allem aus Afrika, über das Mittelmeer nach Europa zu gelangen. Im Herbst 2013 kamen dabei bei mehreren schweren Unglücken vor der italienischen Küste mehr als 400 Flüchtlinge ums Leben.

Die italienische Regierung leitete daraufhin die Mission «Mare Nostrum» ein, für die Kriegsschiffe, Drohnen und Helikopter mit Infrarot- und optischer Ausrüstung eingesetzt werden, um Flüchtlingsboote ausfindig zu machen. Seit Jahresbeginn erreichten 66'000 Flüchtlinge Italien. Dies sind bereits mehr als im Gesamtjahr 2011, das bisher die höchste Flüchtlingszahl aufwies.

Frontex rechnet mit mehr Flüchtlingen

Die EU-Grenzschutzagentur Frontex geht davon aus, dass die Flüchtlingszahlen in den kommenden Wochen weiter zunehmen werden, weil das Mittelmeer während des Sommers besonders ruhig ist.

Erst am gestrigen Samstag warnte die deutsche Bundesregierung davor, dass 200 Millionen Flüchtlinge nach Europa kommen könnten, sollte der Meeresspiegel in den kommenden Jahren weiter steigen – und den Lebensraum der Menschen in Afrika beeinträchtigen.

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(sda/moh)