Die AHV ist der Schweizer liebste Sozialversicherung. Ein Umlagesystem mit Reformbedarf, das aber – wenigstens technisch gesehen – einfach zu sanieren ist: Entweder man schiesst mehr Geld ein oder kürzt – etwa mittels Rentenaltererhöhung – die Leistungen.

Ganz anders ist die Situation bei der deutlich in Schieflage geratenen 2. Säule. Angesichts der zunehmenden Lebenserwartung und vor allem wegen der nicht enden wollenden Tief- oder Negativzinsen können die Pensionskassen mit dem vorhandenen Kapital die Rentenversprechen an die Pensionierten nicht mehr finanzieren. Die Folge: Die Zinsen auf den Sparguthaben der Erwerbstätigen werden gesenkt, ebenso wie die Umwandlungssätze, mit denen sie später in Rente geschickt werden.

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Gleichzeitig werden die Beiträge erhöht. In den Worten von Gewerkschaftsbund-Chefökonom Daniel Lampart: «Die Versicherten müssen immer mehr in die 2. Säule einzahlen, um schliesslich doch weniger Rente zu erhalten.»

Ein Umstand, der auch Josef Bachmann umtreibt. Der pensionierte Chef der PwC-Pensionskasse ist der Kopf hinter der Volksinitiative «Vorsorge – aber fair», die fordert, dass bei Sanierungsbedarf die zu hohen Renten aus der 2. Säule der bereits Pensionierten angepasst – sprich: gesenkt – werden könnten. Das mag rechnerisch zwar korrekt sein, politisch jedoch dürfte es diese Forderung äusserst schwer haben.

Lösungen ausserhalb des Systems

Deshalb ist es an der Zeit, Lösungen ausserhalb des Systems zu suchen. Die Linke setzt dabei reflexartig auf die AHV. Der Gewerkschaftsbund hat auch schon eine neue Initiative für eine 13. AHV-Rente angekündigt – ein Uranliegen der Lega dei Ticinesi. Ihre entsprechende Initiative wurde jedoch 2012 im Tessin abgelehnt, so wie alle AHV-Ausbauvorlagen bis heute an der Urne scheiterten.

Eine andere Idee, die links und rechts immer wieder Anhänger fand, ist das Anzapfen der Nationalbank. Die SVP wollte 2002 die «überschüssigen Goldreserven», ein linkes Komitee wenig später die Nationalbankgewinne der AHV zuschieben. Beide Initiativen wurden abgelehnt.

Lampart lässt sich davon nicht abschrecken. Er schlägt nun vor, die Gewinne der Nationalbank aus dem Negativzinsgeschäft in die 2. Säule umzuleiten. Puristen dürften zusammenzucken. Aber wenn die reine Lehre nicht mehr taugt, dann ist Kreativität gefragt.