Die EU-Aussenbeauftragte Catherine Ashton sprach am Sonntag von einer «abscheulichen Tat, verübt vom syrischen Regime an der eigenen Zivilbevölkerung». Die Internationale Gemeinschaft müsse mit einer Stimme sprechen und ein Ende des Blutvergiessens sowie den Abgang Assads fordern.

Bei dem Massaker gab es 108 Todesopfer und rund 300 Verletzte. Das sagte der Leiter der UNO-Beobachtermission in Syrien, Robert Mood, am Sonntag im UNO-Sicherheitsrat in New York. Zuvor hatten die UNO-Beobachter von mindestens 92 Todesopfern gesprochen, ein Drittel von ihnen Kinder.

Mood sagte Diplomaten zufolge dem Sicherheitsrat per Video-Schaltung, die meisten Opfer seien durch Granatsplitter oder Schüsse aus nächster Nähe getötet worden. Das Gremium war zusammengetreten, nachdem sich Russland zunächst weigerte, das Massaker in einer Erklärung zu verurteilen und die Führung von Präsident Baschar al-Assad verantwortlich zu machen.

Russlands Zweifel

Zu Beginn der Sitzung hinter verschlossenen Türen äusserte der russische Vertreter Igor Pankin vor Journalisten Zweifel an der Darstellung von Menschenrechtsaktivisten, dass syrische Regierungstruppen das Blutbad verübten. «Wir müssen prüfen, ob es wirklich die syrischen Autoritäten waren.»

Anzeige

Augenzeugen berichteten, dass syrische Artillerie mit Raketen und Granaten auf Wohnhäuser geschossen habe. Anschliessend seien Angehörige der gefürchteten regimetreuen Schabiha-Miliz von Haus zu Haus gegangen, um die Bewohner mit Pistolen und Messern zu ermorden.

Bereits am Samstag hatten UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon und der Syrien-Sondergesandte Kofi Annan das Massaker verurteilt. Die UNO-Beobachter in Syrien sprachen von einer «Tragödie sondergleichen».

US-Aussenministerin Hillary Clinton forderte, die «Herrschaft durch Mord und Angst» von Assad und «seinen Spiessgesellen» müsse ein Ende haben. Auch die Schweiz verurteilte das «verabscheuungswürdige Massaker, welches den Tatbestand des Kriegsverbrechens erfüllen könnte,» entschlossen und forderte eine internationale Untersuchung.

Assad weist Verantwortung von sich

Die syrische Führung weist jedoch jegliche Verantwortung zurück. Syrien sei einem «Tsunami aus Lügen» unterworfen, die der Regierung die Schuld zuschöben, sagte der Sprecher des Aussenministeriums, Dschihad Makdissi, an einer Medienkonferenz.

Frauen, Kinder und alte Männer seien erschossen worden. Die «heroische syrische Armee» habe mit diesen Taten nichts zu tun. Es handle sich um eine «terroristische» Tat, die untersucht werde.

Nach Darstellung des Ministeriums hatten «hunderte bewaffnete Männer» in Hula mit Raketenwerfern und schweren Waffen Stellungen der Armee angegriffen. Die Soldaten hätten «in legitimer Selbstverteidigung» zurückgeschossen.

Beschuss geht weiter

Ungeachtet der harschen Kritik setzte die Armee ihren Beschuss von mehreren Wohngegenden im Zentrum des Landes fort. Davon betroffen seien Teile der Stadt Hama und die von Rebellen gehaltene Ortschaft Rastan, teilten die Örtlichen Koordinationskomitees und die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London mit.

Beide Aktivistengruppen meldeten zudem Gefechte zwischen Regierungssoldaten und Rebellen in Harasta, einem Vorort der Hauptstadt Damaskus. Auch in Midan, einem Bezirk von Damaskus, habe es Kämpfe gegeben.

Anzeige

(chb/sda)