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Kommentar
1:12-Initiative: Ein Sieg - drei Punkte

Stefan Barmettler: Der Chefredaktor der Handelszeitung fordert einen Aktionsplan. (Bild: Keystone)

Das ist nochmals gut gegangen: Das Stimmvolk hat die 1:12-Initiative abgelehnt. Für Stefan Barmettler, Chefredaktor der Handelszeitung, ist das aber kein Grund sich zurückzulehnen - im Gegenteil.

Von Stefan Barmettler
am 24.11.2013

«Der Anschlag auf die geölte Maschine Schweiz» (Financial Times) ist gescheitert, die Lohnbegrenzungs-Initiative bachab geschickt. Das Stimmvolk hat – salopp gesagt – eindrücklich geliefert. Augenmass und Verantwortung haben über Klassenkampf und Zeuseln gesiegt.

Nochmals gut gegangen – dieser Befund genügt nach diesem eindrücklichen Abstimmungssonntag aber nicht. Corporate Switzerland muss dringend über die Bücher. Und einen Aktionsplan aufsetzen. Denn die nächsten Angriffswellen von links wie rechts werden schon bald geflogen: Mindestlohn, Einheitskasse, Zuwanderungsplafond und – vor allem - Erbschaftssteuer.

Es gilt dabei in drei Richtungen zu planen:

1. Die Schweizer Wirtschaft ist ein hochkomplexer Organismus, in dem zehntausende Kleinbetriebe von Weltkonzernen abhängig sind, als Zulieferanten, als Steuerzahler, als Arbeitgeber. Umgekehrt sind die Grossen auf die innovativen Kleinen, die massgeschneiderte Qualitäts-Dienstleistungen und -Produkte liefert, angewiesen. Deshalb ist es schädlich, wenn sich Exportindustrie und Binnengewerbe, Finanzplatz und Werkplatz immer wieder am Zeug herumflicken und kleinlich darüber streiten, wer nun wichtiger für das Wohlstandsniveau sei. Wenn die Welt gemäss Autor Thomas Friedman flach, also interdependent, ist, dann gilt das erst recht für die kleine Schweiz.

2. Der global agierende Finanzsektor – Banken, Versicherungen – muss sich viel stärker in der politischen Arena einbringen. Voraussetzung dafür aber sind, dass eine Bankiervereinigung endlich geeint auftritt. Noch wichtiger aber ist, dass das Spitzenpersonal der Unternehmen ihre globalen Herausforderungen und ihre Leistungen der Öffentlichkeit und der Politik mundgerecht erklärt. Es besteht grosser Nachholbedarf. Einflussreiche Politiker sind, wie man in Gesprächen unschwer herausfindet, über den brutalen Verdrängungswettbewerb der Finanzplätze oder über das massive Steuersubstrat von Grossverdienern wenig bis gar nicht im Bild.

3. Der Rösti-Graben ist etwas für Nostalgiker. Es gibt einen Graben zwischen der global agierenden Managergilde und weiten Teilen der Bevölkerung. Hochdotierte Bankmanager sind oft abgehoben, verkehren in einer artifiziellen First-Class-Welt zwischen New York, Zürich und Hongkong. Mehr Bodenhaftung ist gefragt. Weshalb soll sich ein Topbanker nicht auch im Verwaltungsrat eines mittelgrossen Industriebetriebs engagieren, weshalb nicht mit dem akkumulierten Millionenvermögen eine Initiative für Startups lancieren? Es würde helfen, liebgewonnene (Vor-)Urteile zu unterminieren – auf beiden Seiten.

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