In der Sonntagspresse haben sich mehrere Schweizer Wirtschaftsführer gegen staatliche Eingriffe in die Löhne der Privatwirtschaft ausgesprochen. Die Vorgaben der 1:12-Initiative der Juso seien zu starr und schadeten dem Wirtschaftsstandort, lautete der Tenor.

«Es ist eine dogmatische Initiative mit starren Forderungen», kritisierte Swatch-Konzernchef Nick Hayek in einem Interview mit dem «SonntagsBlick». Die Urheber der Initiative erschienen ihm manchmal «wie etwas biedere Hausabwarte». «Sie wollen gerne kontrollieren, wann man das Licht zu löschen hat und wie laut die Musik ertönen darf», erklärte er. «Das alles hat einen sehr moralhüterischen Ton.»

Gleichzeitig äusserte Hayek, der im vergangenen Jahr 6,2 Millionen Franken verdiente, Verständnis für den Groll über gewisse Manager. Die Angriffe auf Spitzenlöhne hätten ihren Ursprung «in der anglophilen Börsen-Shareholder-Kultur», die sich zu stark auf kurzfristige Interessen der Aktionäre ausrichte. «Wir müssen wieder darauf achten, dass ein Unternehmen für alle Beteiligten einen Mehrwert schafft, nicht nur für die Aktionäre», forderte Hayek.

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Bruch zwischen Wirtschaft und der Gesellschaft

Auch der Chef des Baukonzerns Implenia, Anton Affentranger, findet, dass Unternehmen Verantwortung für die Umwelt und die Gesellschaft übernehmen sollen. «Wir haben einen Bruch zwischen Teilen der Wirtschaft und der Gesellschaft», konstatierte er in einem Interview in der «Sonntagszeitung». «Es ist dieser Bruch, der mir Sorgen bereitet.»

Die 1:12-Initiative geht aus Sicht Affentrangers aber in die falsche Richtung. «Ich finde es absurd, dass der Staat den Höchst- und den Mindestlohn festsetzen soll», sagte der Implenia-Chef. Er sieht die wirtschaftliche und gesellschaftliche Freiheit bedroht. «Es wäre tragisch, wenn wir diesen Schritt machen würden.»

«Auswirkungen wären negativ»

Auch Migros-Chef Herbert Bolliger hält wenig von der Initiative der Jungsozialisten. «Die langfristigen Auswirkungen wären negativ», sagte er gegenüber dem «SonntagsBlick». «Die Schweiz würde sich abschotten.»

Gleichzeitig räumte Bolliger ein, dass es in einigen Firmen Exzesse gebe. «Gewisse Leute haben den Massstab komplett verloren.» Wann ein Lohn überrissen ist, hänge aber auch von der Grösse eines Unternehmens ab.

«Bei einem Weltkonzern wie Nestlé muss es mehr Spielraum gegen oben geben, als bei einem Schweizer Schokoladeunternehmen, das 2 oder 3 Milliarden Umsatz macht«, sagte Bolliger. Damit spielte er auf Ernst Tanner an, den Chef von Lindt & Sprüngli, der 2012 knapp 7 Millionen Franken Lohn erhielt. Er habe aber «null Probleme» damit, wenn ein Nestlé-Konzernchef 10 oder 15 Millionen Franken erhalte.

Die im März 2011 mit über 113'000 Unterschriften eingereichte 1:12-Initiative der Juso verlangt, dass der tiefste Lohn in einer Firma höchstens zwölf Mal tiefer sein darf als der hächste Lohn.

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(rcv/sda)