14 Prozent der Arbeitnehmenden leisten Gratisarbeit. Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage im Auftrag der Gewerkschaft Syna. Die Resultate der Umfrage wurden in Bern veröffentlicht - am gleichen Tag wie die Resultate der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung für das Jahr 2012 durch das BFS.

Bei der Umfrage des Link-Instituts zwischen dem 31. März und dem 5. April unter 815 Erwerbstätigen wurden diese nach ihren Überstunden im Monat März dieses Jahres gefragt. Gemäss Syna gaben 40 Prozent davon an, mehr Arbeit geleistet zu haben als vertraglich vereinbart, 14 Prozent der Befragten taten dies gar, ohne Lohn oder Entgelt zu erhalten.

Hochgerechnet ergebe dies jährlich rund eine Milliarde Franken, die den Arbeitnehmenden vorenthalten werde. Auch die Sozialversicherungen würden um die entsprechenden Beiträge geprellt. Die Syna sprach in einer Mitteilung von einem Skandal.

Ein Volk von «Chrampfern»

Basis der Hochrechnung war gemäss Syna-Präsident Kurt Regotz die vom Bundesamt für Statistik (BFS) veröffentlichten Arbeitsmarktindikatoren. Im Jahr 2011 wurden demnach 219 Millionen Überstunden geleistet.

Diese Angabe sei dann mit dem Umfrageergebnis und dem vom Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) angegeben Medianlohn von 33 Franken aufgerechnet worden, sagte Regotz der Nachrichtenagentur sda. «Das ergibt rund eine Milliarde Franken Gratisarbeit».

So würden «tausende Arbeitnehmende um ihre 'erchrampfte' Entschädigung oder um die Kompensation von geleisteter Mehrarbeit gebracht», sagte er.

Arbeitszeiterfassung für alle

Angesichts der Zahlen verlangt die Syna, die Debatte um die Aufweichung des Arbeitsgesetzes bei der Erfassung der Arbeitszeit ein für alle Mal zu beenden. Derzeit gilt, dass die Arbeitszeit aller lückenlos erfasst werden muss, ausgenommen sind nur Topmanager.

Seit Anfang Jahr gilt aber eine leicht gelockerte Übergangsregelung, wonach unter anderem für Kaderleute mit Weisungsrecht und vollamtliche Projektleiter eine vereinfachte Arbeitszeiterfassung gilt.

Mitte 2013 hatte das Seco einen Vorschlag für die Lockerung der Arbeitszeiterfassung begraben, weil die Postionen der Sozialpartner zu weit auseinander lagen. Der Vorschlag sah vor, dass Arbeitnehmer mit einem Lohn von über 175'000 Franken pro Jahr die Arbeitszeit nicht mehr erfassen müssen.

Die Wirtschaft wollte die Latte noch tiefer legen, die Gewerkschaften wiederum sahen den Arbeitnehmerschutz ausgehöhlt. Inzwischen hat sich der Ständerat des Themas angenommen.

(sda/chb)

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