1. Home
  2. Politik
  3. 18 Monate für Winterthurer Imam gefordert

Anklage
18 Monate für Winterthurer Imam gefordert

18 Monate für Winterthurer Imam gefordert
Razzia in der An'Nur-Moschee: Nun gibt es eine Anklage. Keystone

Die Staatsanwaltschaft verlangt 18 Monate bedingt für einen Imam der An'Nur-Moschee in Winterthur. Er soll zu Gewalt augerufen haben. Gegen den Äthiopier läuft noch ein weiteres Verfahren.

Die Zürcher Staatsanwaltschaft hat Anklage gegen den äthiopischen Imam erhoben, der in einer Predigt in der Winterthurer An'Nur-Moschee öffentlich zur Tötung von Muslimen aufgerufen hatte. Sie fordert eine bedingte Freiheitsstrafe von anderthalb Jahren und eine Landesverweisung für 15 Jahre.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Imam vor, in seiner Predigt vom 21. Oktober 2016 öffentlich zu Verbrechen und Gewalttätigkeiten aufgerufen zu haben. Gemäss einer Mitteilung der Zürcher Oberstaatsanwaltschaft vom Freitag hatte der Äthiopier gefordert, dass Muslime, die nicht in der Gemeinschaft beten, verstossen werden. Und sollten sie sich danach weiterhin weigern, gemeinsam zu beten, sollen sie in ihren Häusern verbrannt und getötet werden.

Darstellungen von Tötungen beschafft

Der Mann soll sich zudem mehrmals über Facebook brutale Darstellungen von Tötungen beschafft haben. Diese habe er in der Folge auch Drittpersonen zur Verfügung gestellt, heisst es in der Mitteilung. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Äthiopier schliesslich auch vor, gegen die Ausländergesetzgebung verstossen zu haben. Der Mann habe während vier Wochen als Imam gearbeitet - ohne über die erforderlichen Bewilligungen zu verfügen.

Die Anklageschrift liegt nun beim Bezirksgericht Winterthur, wo es dann zur Verhandlung kommen wird. Der Imam sitzt seit einer Razzia in der inzwischen geschlossenen An'Nur-Moschee im November 2016 in Untersuchungshaft.

Razzia in der Moschee und Hausdurchsuchungen

Bei der Razzia in der Moschee und bei drei gleichzeitig erfolgten Hausdurchsuchungen waren - neben dem Imam - drei weitere Personen verhaftet worden.

Der ehemalige Präsident der Moschee wurde noch am selben Tag wieder auf freien Fuss gesetzt, eine weitere aus dem näheren Umfeld der Moschee stammende Person kam einen Tag darauf frei. Bei ihnen habe sich kein direkter Zusammenhang mit der Predigt erstellen lassen, teilte die Staatsanwaltschaft im vergangenen November mit.

Eine dritte Person, die als damals zuständiges Vorstandsmitglied galt, blieb etwas länger in U-Haft und kam erst im Dezember frei. Zwei dieser drei Verfahren seien Mitte Juli eingestellt worden, heisst es in der Mitteilung vom Freitag. Das dritte stehe kurz vor dem Abschluss. Ob es hier zu einer Anklage kommt, ist noch offen.

Radikalisierte Jugendliche

Die An'Nur-Moschee im Winterthurer Stadtteil Hegi geriet im Zusammenhang mit Dschihad-Reisenden in die Schlagzeilen. Mehrere Jugendliche aus deren Umfeld sollen nach Syrien gereist und sich der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) angeschlossen haben.

Die Vermieterin der Liegenschaft, in dem sich die Moschee befand, beendete als Folge dieser Schlagzeilen das Mietverhältnis. Anfang 2017 einigte sie sich mit dem Kulturverein An'Nur auf eine letzte Erstreckung des Mietverhältnisses.

Ende Mai kündigten die Verantwortlichen schliesslich an, nach dem Ramadan die Moschee zu schliessen und den Verein aufzulösen.

(sda/gku)

Anzeige