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Arbeitskampf
18 Stunden ohne Pause durcharbeiten: Streik in Genf

Gefängniswächter: Protest gegen fiese Arbeitsbedingungen.  Keystone

Genfer Gefängniswärter haben aus Protest ihre Arbeit niedergelegt. Sie bemängeln die Arbeitsbedingungen. Manche müssten 18 Stunden ohne Pause arbeiten und in eine Flasche urinieren.

Veröffentlicht am 11.12.2014

Die Genfer Gefängniswärter haben aus Protest gegen ihre Arbeitsbedingungen am Donnerstag die Arbeit niedergelegt. Ein Minimalbetrieb mit Spaziergängen im Hof und warmen Mahlzeiten für die Häftlinge wurde aufrechterhalten. Nächsten Dienstag wollen die Wärter erneut streiken.

«Es ist ein Erfolg», freute sich Christian Antonietti, Präsident des Dachverbands der Personalverbände der Polizei und der Gefängniswärter, vor den Medien. Beim Streikposten beim Gefängnis Champ-Dollon sind zwischen 30 und 60 Wärter aus verschiedenen Genfer Strafanstalten anwesend.

Der Minimalbetrieb orientiert sich am üblichen Sonntagsdienst. Die Gefängnisse würden weder Autos einfahren lassen noch neue Häftlinge aufnehmen, sagte Antonietti. Der Minimalbetrieb werde nur innerhalb der Gefängnismauern aufrechterhalten.

18 Stunden ohne Pause

Die Gefängniswärter prangerten insbesondere die Arbeitsbedingungen an. Manche Aufseher müssten 18 Stunden ohne Pause durcharbeiten und in eine Flasche urinieren, weil sie ihre Posten nicht verlassen könnten, sagte Christian Antonietti.

Die Gefängniswärter bekräftigten mit ihrem Streik ihre Forderungen nach einer Aufstockung des Personalbestands sowie einem einheitlichen Status. Gewisse Wärter könnten sich wegen eines unterschiedlichen Status früher pensionieren lassen als andere.

Champ-Dollon trotz Streik ruhig

Der Personalmangel in den Gefängnissen beschäftigt die Genfer Politik seit längerem. Die Kantonsregierung habe bis Ende 2013 eine Aufstockung um 400 Wärter versprochen, sagte Antonietti. Bis heute seien 356 neue Aufseher angestellt worden.

Kürzlich seien zwar 82 neue Wärter hinzugekommen, aber nicht zugunsten der chronisch überfüllten Strafanstalt Champ-Dollon. Dort sei es trotz des Minimalbetriebs ruhig geblieben, sagte Laurent Forestier, stellvertretender Generalsekretär des Genfer Sicherheitsdepartements.

0,46 Stellen pro Insasse

Der Kanton betonte, seinen Verpflichtungen nachzukommen. In Champ-Dollon befanden sich am Donnerstag 790 Häftlinge, bei 360 Aufseherstellen. Das entspreche 0,46 Stellen pro Insasse und liege nahe bei der von den Gewerkschaften geforderten Mindestquote von 0,49 Wärter pro Häftling.

Es handelt sich um den dritten Streik der Gefängniswärter seit Mai des vergangenen Jahres. Bereits am kommenden Dienstag wollen sie erneut die Arbeit niederlegen - die Wärter erhoffen sich dabei Unterstützung von anderen Personalverbänden der öffentlichen Dienste.

(sda/ise)

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