Gerät die Schweiz in die Isolation? Diese Frage stellen sich seit dem Ja zur Masseneinwanderungsinitiative viele Schweizerinnen und Schweizer. Befürchten die einen den Stempel der ausländerfeindlichen Eidgenossenschaft, frohlocken die anderen: Weniger Zuwanderung erleichtet das Leben in der Schweiz.

Das Bundesamt für Migration veröffentlichte in dieser Woche die Zuwanderungszahlen für Juni, Zeit also für eine Halbjahresbilanz. Und mit den neuen Daten wird klar: Die Schweiz hat im Ausland an Attraktivität eingebüsst. Per Saldo wanderten in den ersten sechs Monaten des Jahres 37'147 Menschen in die Schweiz ein – rund acht Prozent weniger als in der ersten Hälfte 2013, als die sogenannte Wanderungsbilanz noch bei 40'330 Personen lag. 

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Nach dem Rekordjahr 2013, als per Saldo insgesamt fast 82'000 Menschen in die Schweiz zogen, bahnt sich 2014 also erstmals seit vier Jahren ein schwächerer Migrationszustrom in die Schweiz an. 2013 hatte der Schweiz noch rund 10 Prozent mehr Einwanderer gebracht.

Zuwanderung aus der Euro-Zone sinkt um fast ein Viertel

Vor allem für die Menschen in der Europäischen Union verliert die Eidgenossenschaft an Bedeutung – insbesondere gilt das für die Euro-Zone. So wanderten von Januar bis Juni 2014 unterm Strich nur noch 21'744 Personen aus den sogenannten EU-17-Ländern in die Schweiz ein. Zum Vergleich: Im gleichen Zeitraum 2013 waren es noch 27'908. Das entspricht einem Rückgang von über 22 Prozent – fast einem Viertel also.

Die Nettozuwandererzahl von Personen aus Drittstaaten ausserhalb Europas stieg hingegen leicht von 9038 auf 9405 (siehe Grafik ganz unten).

Der schwächere Zustrom aus Europa dürfte indes nicht allein im lädierten Image der Schweiz nach der angenommenen Masseneinwanderungsinititative zu suchen sein, sondern auch in den besseren konjunkturellen Aussichten.

Allmählich fasst die Konjunktur in der Eurozone wieder Fuss, selbst wenn das Bruttoinlandsprodukt im Frühjahr insgesamt nur stagnierte. Insbesondere für die gebeutelten Südländer läuft es besser: Spaniens Wirtschaft wuchs in den ersten beiden Quartalen des Jahres kräftig, Portugal verbuchte im Frühjahr ein Plus von 0,6 Prozent. Die Arbeitslosigkeit in dem kleinen westeuropäischen Land liegt inzwischen bei 14,6 Prozent, nach fast 18 Prozent Anfang 2013.

Spanier und Portugiesen waren 2013 für hohen Zustrom verantwortlich

Ohnehin scheint weniger die aktuelle Verfassung von Wirtschaft und Jobmärkten entscheidend, sondern «vielmehr die Perspektive, der sich die Personen längerfristig gegenüberstehen», sagte Martin Eichler, Chefökonom von Bak Basel, bereits kurz nach der Zuwanderungsinistitative. «Schon eine leichte Besserung der wirtschaftlichen Aussichten könnte dazu führen, dass der Zustrom an Migranten in die Schweiz abebbt

Die Gegenbewegung könnte im weiteren Jahresverlauf also noch etwas deutlich ausfallen. Denn gerade Südeuropa trug im vergangenen Jahr stark zum Anschwellen der Schweizer Wanderungsbilanz bei: 2013 wanderten über 20'000 Iberer in die Schweiz aus. Mehr als jeder dritte der knapp 60'000 Zuwanderer aus der EU stammte aus Spanien oder Portugal.

Das war keineswegs immer so: Zur Hochzeit des wirtschaftlichen Booms auf der iberischen Halbinsel kehrten bis 2007 unterm Strich sogar mehr Spanier der Schweiz den Rücken zu. Die Schweizer Wanderungsbilanz mit Spanien war über viele Jahre negativ.