Bei Kämpfen zwischen verfeindeten Banden in einem Gefängnis in Mexiko sind 28 Häftlinge ums Leben gekommen. Zwei weitere wurden bei der Auseinandersetzung in der Haftanstalt im Badeort Acapulco verletzt. Das teilten die Sicherheitsbehörden des Bundesstaats Guerrero mit. Fünf der Opfer wurden demnach geköpft. Der Direktor der Haftanstalt und die Wachen wurden festgenommen. Gegen sie wird ermittelt.

In der Haftanstalt sitzen zahlreiche Schwerverbrecher mit Verbindungen zum organisierten Verbrechen ein. «Das Gefängnis ist jetzt wieder unter Kontrolle, alles ist ruhig», sagte der Gouverneur von Guerrero, Héctor Astudillo, am Freitag im Radiosender Fórmula.

400 Einsatzkräfte stürmen Gefängnis

Laut Medienberichten dauerten die Kämpfe in dem Gefängnis über sechs Stunden. Es seien Schüsse zu hören gewesen. Rund 400 Polizisten, Soldaten und Angehörige von Spezialkräften der Staatsanwaltschaft hätten die Haftanstalt schliesslich gestürmt. Im Fernsehen war zu sehen, wie Polizisten mit Schutzausrüstung in das Gefängnis Las Cruces vordrangen. Die Namen der Todesopfer wurden vor dem Eingang des Gefängnisses laut vorgelesen. Viele Familienangehörige brachen in Tränen aus.

«Wir haben hier ein grosses Problem mit dem Drogenhandel», sagte der Sprecher der Sicherheitsbehörden, Roberto Álvarez Heredia, der Nachrichtenagentur dpa. «Wir verurteilen den Vorfall und werden ihn konsequent aufklären.»

Zweitgefährlichste Stadt der Welt

Die Kämpfe in dem Gefängnis waren ausgebrochen, als sich US-Minister für Innere Sicherheit John Kelly und CIA-Direktor Michael Pompeo in Mexiko über die Massnahmen im Kampf gegen das organisierte Verbrechen informierten. Acapulco ist mit jährlich 113 Morden je 100'000 Einwohner die zweitgefährlichste Stadt der Welt ausserhalb von Kriegsgebieten. Im Kampf um die Vorherrschaft in dem einst mondänen Ferienort haben die kriminellen Banden Acapulco in ein Schlachtfeld verwandelt.

In mexikanischen Gefängnissen kommt es immer wieder zu gewalttätigen Auseinandersetzungen. Erst Anfang Juni wurden bei einem Polizeieinsatz in einer Haftanstalt im Bundesstaats Tamaulipas sieben Menschen getötet.

Krieg um die Nachfolge

Die mexikanische Unterwelt ist im Umbruch. Nach der Festnahme oder Tötung mächtiger Kartellbosse tobt in einigen Verbrechersyndikaten ein blutiger Kampf um die Nachfolge. Ausserdem mischen immer mehr kleinere Banden bei Drogenhandel, Schutzgelderpressung und Benzindiebstahl mit.

In den vergangenen Monaten haben die internen Verteilungskämpfe eine beispiellose Gewaltwelle in Mexiko ausgelöst. Allein im Mai wurden 2186 Menschen getötet. Das war der höchste Wert seit Beginn der systematischen Erhebung vor 20 Jahren.

Seit Jahresbeginn wurden 9916 Menschen getötet, 29,5 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum 2016. Zum Vergleich: In Deutschland wurden im gesamten vergangenen Jahr 876 Menschen Opfer von Mord und Totschlag.

(sda/gku)

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