Die Ukraine braucht nach Angaben ihres Aussenministers Pawlo Klimkin deutlich mehr Finanzhilfe als die vom Westen zugesagten 30 Milliarden Dollar. «Im Moment rechnen wir mit einem Rückgang von sieben bis acht Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Ich denke, unser zusätzlicher Finanzbedarf wird gravierend sein», sagte Klimkin der «Wirtschaftswoche».

In den von Separatisten beherrschten Gebieten Donezk und Lugansk stehe die Wirtschaft still, die bisher ein Siebtel zur Wirtschaftsleistung beigesteuert habe. Noch schwieriger werde die Lage, sollte Russland die Gaslieferungen kappen.

Die Bemühungen zur Beilegung des Gasstreits kommen zwar voran, wie der ukrainische Präsident Petro Poroschenko sagte. Ukraine und Russland einigten sich zumindest für den kommenden Winter auf den Preis für Gas.

Gasstreit schwelt seit zwei Jahren

Seit mehr als zwei Jahren streiten Russland und die Ukraine aber über den Gaspreis. Ein 2009 unterzeichnetes Gasabkommen verpflichtete die Ukraine zur Zahlung von 485 Dollar pro 1000 Kubikmeter an Moskau. Die Ukraine fechtet den Vertrag derzeit vor einem schwedischen Schiedsgericht an.

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Ein weiterer Knackpunkt ist die Bezahlung früherer Gaslieferungen. Putin bezifferte die Gas-Schulden auf 4,5 Milliarden Dollar. Im Juni hatte Russland die Lieferungen an die Ukraine eingestellt. Erst wenn die Aussenstände bezahlt seien, werde Moskau den Gashahn wieder aufdrehen, sagte Putin. Zudem besteht Russland besteht künftig auf Vorkasse.

Deutschland spielt eine zentrale Rolle

«Die Deutschen spielen eine grosse Rolle bei der Finanzierung der Hilfen», sagte Klimkin. «Deutsche Unterstützung brauchen wir bei der Einführung von EU-Standards in der Verwaltung, dem Aufbau eines modernen Steuerwesens, dem Kampf gegen Korruption», fügte der Minister hinzu. «Die Erfahrung bei der Integration der ehemaligen DDR könnte uns auch helfen - etwa bei der Neuaufstellung von Polizei und Justiz.»

Klimkin bekräftigte das Ziel der Ukraine, in zehn Jahren Mitglied der EU zu sein. «Wenn wir unsere Hausaufgaben machen, können wir 2020 den Beitrittsantrag stellen und ein paar Jahre später beitreten.» Dabei beharrte er darauf, dass die von Russland annektierte Halbinsel Krim Teil der Ukraine sei. «Hier gibt es keine Kompromisse, weder für die Ukraine noch für Europa.»

(awp/ise)