Bei den Luftangriffen der US-geführten internationalen Militärallianz auf ein Dorf im Norden Syriens vom Freitag sind offenbar mehr als 50 Zivilisten getötet worden. Das teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Samstag mit.

Die gegen die Dschihadistengruppe Islamischer Staat (IS) kämpfende Koalition habe am Freitagmorgen die Ortschaft Birmahle in der Provinz Aleppo beschossen und 52 Zivilisten, darunter sieben Kinder, getötet, meldeten die Aktivisten weiter. Mindestens 13 Menschen wurden demnach noch vermisst und unter Trümmern vermutet.

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Hat die IS Zivilisten als Schutzschild missbraucht?

Andere Quellen hatten zuvor vom bisher folgenschwerste Bombardement der US-geführten Allianz in Syrien mit bis zu 80 getöteten Zivilisten gesprochen. Dutzende weitere seien zudem verletzt worden. Es wurde nicht ausgeschlossen, dass der IS die Zivilisten als Schutzschilde missbrauchte.

Der IS hatte im vergangenen Jahr Teile des Nordiraks und Syriens besetzt. Die Allianz aus westlichen und arabischen Staaten fliegt seit Monaten Luftangriffe auf IS-Kämpfer in beiden Ländern. Am 8. August begann sie ihren Einsatz in Syrien, am 23. September im Irak.

Das Bündnis gibt sich siegessicher. Bei einem Strategietreffen von mehr als 300 Militärvertretern aus 39 Ländern sagte der britische Brigadegeneral Gary Deakin der derzeitige Plan werde zu einer Niederlage der Terrormiliz führen.

Heftige Kämpfe bei Latakia

Das mehrtägige Treffen fand in Tampa im US-Bundesstaat Florida statt. Dort hat das US-Zentralkommando seinen Sitz, das die Angriffe gegen die IS-Kämpfer koordiniert.
Zu künftigen Angriffsplänen des Anti-IS-Bündnisses wurde wie gewohnt nichts bekannt. Das US-Zentralkommando teilte mit, zwölf Länder der Koalition hätten bislang mehr als 3600 Luftangriffe im Irak und in Syrien geflogen.

Unweit der syrischen Hafenstadt Latakia lieferten sich indes Rebellen und Regierungskräfte heftige Kämpfe um die strategisch wichtige Anhöhe Nabi Junis. Sollten die Regimegegner das Gebiet einnehmen, würde ihnen das den Weg in die syrische Küstenebene öffnen, erklärte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte.

Erneute Gespräche in Genf

Dort hat die religiöse Minderheit der Alawiten ihre Hochburg, der auch Machthaber Baschar al-Assad angehört. Die Küstenebene um Latakia ist seit Ausbruch des Bürgerkriegs 2011 weitgehend von Kämpfen verschont geblieben. Sollte der Konflikt das Gebiet erreichen, würde das den Druck auf die von Alawiten getragene Zentralregierung stark erhöhen.

Der UNO-Sondervermittler für Syrien, Staffan de Mistura, will von Dienstag an in Genf versuchen, wieder Friedensverhandlungen zwischen Regierung und Opposition in Gang zu bringen. Die Sondierungsgespräche mit einzelnen Konfliktparteien sollen über mehrere Wochen gehen. Die letzten Friedensverhandlungen in Genf waren Anfang 2014 gescheitert.

(sda/me)