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Terror
60 Tote bei Anschlag auf Polizeischule in Pakistan

Quetta: Tote Kadetten und ein mutmasslicher Angreifer liegen vor einem Spital. Keystone

Extremisten haben eine Polizeischule in Pakistans Unruheprovinz Belutschistan angegriffen und 60 Menschen getötet. Mehr als 120 Menschen wurden demnach verletzt.

Veröffentlicht am 25.10.2016

Extremisten haben eine Polizeischule in Pakistans Unruheprovinz Belutschistan angegriffen und 60 Menschen getötet. Das bestätigte ein Polizeibeamter der Provinzhauptstadt Quetta, Haseeb Ahmed. Mehr als 120 Menschen wurden demnach verletzt.

Auch die drei Täter seien tot. Nach Militärangaben zündeten zwei der Angreifer bei dem Überfall in Quetta Sprengstoffwesten, einer wurde erschossen. Der Innenminister von Belutschistan, Sarfraz Bugti, erklärte den stundenlangen Einsatz der Sicherheitskräfte in Quetta am frühen Morgen für beendet.

Auf Schlafende geschossen

Die Angreifer hätten kurz vor Mitternacht den Wachmann erschossen und sich Zugang zu dem Schulgelände verschafft, wo sich rund 700 Polizeianwärter aufhielten, teilte der Minister mit. Nach seinen Worten waren die Täter bis zu einem Schlafsaal vorgedrungen und hatten dort das Feuer auf die schlafenden Kadetten eröffnet.

Medien berichteten von heftigen Feuerwechseln und schweren Explosionen auf dem Gelände. Die Polizei befreite zum Ende der Gefechte etwa 250 Geiseln.

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat sich zu dem blutigen Anschlag auf eine Polizeischule in Pakistans Unruheprovinz Belutschistan bekannt. Ein IS-Kommandant rief am frühen Dienstagmorgen einen gut vernetzten pakistanischen Journalisten an und drohte mit weiteren Anschlägen, wie der Reporter der Nachrichtenagentur DPA sagte.

Bald werde der IS «der Albtraum der pakistanischen Regierung» sein, habe er gesagt. Für den späteren Tagesverlauf habe der IS zudem ein formales Bekenntnis angekündigt.

IS kündigt formales Bekenntnis an

Bald werde der IS «der Albtraum der pakistanischen Regierung» sein, habe er gesagt. Für den späteren Tagesverlauf habe der IS zudem ein formales Bekenntnis angekündigt. So hatte es die Terrormiliz bereits bei früheren Anschlägen gehalten.

Ein hochrangiger Offizier des paramilitärischen Grenzkorps, General Sher Afghan, machte eine Extremistengruppe verantwortlich, die dem IS 2015 die Anhängerschaft geschworen hat: Lashkar-e-Jhangvi al-Almi, ein Ableger der sunnitischen pakistanischen Extremistengruppe Lashkar-e Jangvi.

Dies gehe aus angehörten Gesprächen hervor, sagte er. Während des Angriffs hätten die Angreifer in Kontakt mit «Aktivisten in Afghanistan» gestanden, sagte der General.

Wieder Quetta

Die pakistanische Regierung betont immer wieder, dass der IS keine organisierte Präsenz im Land habe. Medien melden aber regelmässig Razzien und die Festnahme von Schläfern oder Kämpfern der Miliz. Der IS selbst sagt, er wolle unter anderem auf pakistanischem und afghanischem Staatsgebiet eine neue IS-Provinz einrichten, die Khorasan-Provinz.

Zuletzt hatte der IS im August einen grossen Anschlag in Pakistan für sich reklamiert - ebenfalls in Quetta. Bei dem Anschlag vor einer Klinik waren damals 71 Menschen getötet und fast 190 verletzt worden. Allerdings bekannte sich damals auch die pakistanische Talibangruppe Jamaat-ul-Ahrar zu der Tat. Doppelbekenntnisse sind in Pakistan nicht ungewöhnlich. Bis heute ist nicht klar, wer die Tat beging.

Separatisten und Islamisten

Belutschistan ist zugleich die grösste, ärmste und unruhigste Provinz Pakistans. Dort sind mehr extremistische Gruppen präsent und aktiv als in den anderen Landesteilen. Separatisten kämpfen zum Beispiel für die Abspaltung von Pakistan oder für mehr politische und finanzielle Autonomie der Provinz. Auch einige pakistanische Taliban-Gruppen sowie die afghanischen Taliban haben hier ihre Basis.

(sda/chb/jfr)

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