Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel will der griechischen Regierung beim Besuch in Athen ihre Unterstützung ausdrücken und sie zugleich an die eingegangenen Verpflichtungen erinnern. Das machte Merkel in Bonn deutlich und betonte, «gutes Wirtschaften und Solidarität» sei die beste Kombination für die Zukunft Europas. Finanzminister Wolfgang Schäuble warnte vor überzogenen Erwartungen. Merkels Reise werde keinen Durchbruch im Ringen um mögliche neue Zugeständnisse an die Griechen bringen.

Die Gewerkschaften, radikale Linke und die nationalpopulistische Partei in Griechenland haben zu Protesten aufgerufen. Bereits am Montagabend demonstrierten Tausende Griechen in Athen gegen den Sparkurs und den Besuch von Merkel. Einzelne Demonstranten trugen Plakate mit beleidigenden und diffamierenden Aufschriften.

«Raus aus unserem Land, du Schlampe», hiess es auf einem Plakat. «Tochter Hitlers, raus aus Griechenland und kein Viertes Reich», stand auf einem anderen. Linke Demonstranten trugen ein grosses Transparent mit der deutschen Fahne und einem abgeänderten Vers von Berthold Brecht: «Angela weine nicht. Da ist nichts im Schrank, was zu holen wäre.»

Für Dienstag hat die griechische Regierung ein Grossaufgebot an Sicherheitskräften mobilisiert. Gegen 7000 Polizisten bereiteten sich auf ihren Einsatz vor, wie aus Polizeikreisen verlautete. Für den Fall von Ausschreitungen stehen fünf Wasserwerfer bereit. Die Polizei stellte auch Einheiten zum Schutz der deutschen Botschaft und anderer deutscher Einrichtungen bereit.

EU gespalten

Linke und nationalistische Parteien machen Merkels Kurs in der Eurokrise für die Sparpolitik und die seit Jahren anhaltende Rezession in Griechenland mitverantwortlich. Die sozialen Spannungen hatten sich in den vergangenen Wochen durch ein weiteres Sparprogramm der Regierung in Athen verschärft, das Voraussetzung für weitere Unterstützung durch die internationalen Geldgeber ist.

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Merkel reist für einen Tag in die griechische Hauptstadt. Sie trifft Regierungschef Antonis Samaras, den Staatspräsidenten Karolos Papoulias sowie deutsche und griechische Unternehmer. Samaras hatte zuletzt mehrfach eine Lockerung der Auflagen für sein angeschlagenes Land angemahnt. Dem steht die EU gespalten gegenüber.

Merkel kündigte an, sie werde mit Samaras über die «Aufgaben, die vor Griechenland liegen», sprechen. Sie wisse, das Griechenland derzeit «keine einfache Zeit» durchlebe.

Keine neuen Hilfszusagen

Mit Griechenland seien jedoch Vereinbarungen geschlossen worden, um deren Umsetzung es jetzt gehe. Nach Angaben von Regierungssprecher Steffen Seibert gehören dazu auch Zeitpläne, die weiterhin Gültigkeit hätten. Neue Hilfszusagen habe Merkel nicht im Gepäck. Die Freigabe der nächsten Hilfstranche hänge vom Bericht der internationalen Troika ab.

Die Troika aus Internationalem Währungsfonds, Europäischer Zentralbank und EU-Kommission beurteilt derzeit die Reformanstrengungen und Schuldentragfähigkeit Griechenlands. Ihr Bericht wird spätestens im November erwartet.

(tno/sda)