Die Demonstranten wollen für ein Ende der Gewalt in der Türkei auf die Strasse gehen. Als sie sich vor dem Bahnhof in Ankara versammeln, explodieren Bomben. Drei Wochen vor den Neuwahlen wird die Türkei von einem blutigen Anschlag auf eine Friedensdemo erschüttert.

Bei einem Terroranschlag auf eine regierungskritische Friedensdemonstration in der türkischen Hauptstadt Ankara sind mindestens 86 Menschen getötet worden. 186 Menschen seien verletzt worden, sagte Gesundheitsminister Mehmet Müezzinoglu am Samstag vor den Medien. Ziel des «abscheulichen Angriffs» seien die Demokratie und der Frieden in der Türkei gewesen.

Erdogan verspricht Aufklärung

Die Demonstranten forderten ein Ende des Konflikts zwischen türkischem Militär und der verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei PKK. Zu der Demonstration in Ankara hatten die pro-kurdische Partei HDP und andere regierungskritische Gruppen aufgerufen.

Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan erklärte: «Ich verurteile diesen abscheulichen Angriff zutiefst, dessen Ziel die Einheit, Solidarität und der Frieden unseres Landes gewesen ist.» Erdogan versprach eine Aufklärung des Anschlags, zu dem sich zunächst niemand bekannte.

«Ein Angriff des Staates auf das Volk»

Der Ko-Vorsitzende der pro-kurdischen Partei HDP, Selahattin Demirtas, machte die islamisch-konservative Staatsführung für den Anschlag verantwortlich. «Das ist kein Angriff auf die Einheit unseres Landes oder dergleichen, sondern ein Angriff des Staates auf das Volk», sagte er.

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Die HDP war nach eigener Einschätzung Ziel des Doppelanschlags. Die beiden Bomben seien am Samstag inmitten von HDP-Anhängern detoniert, teilte die Oppositionspartei mit. Augenzeugen hätten berichtet, es habe sich um zwei Selbstmordattentäter gehandelt.

Bereits am 20. Juli war es im südtürkischen Suruc zu einem Anschlag auf pro-kurdische Aktivisten mit 34 Toten gekommen; die Bluttat wurde der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zugeschrieben. Kurz danach eskalierte der Konflikt zwischen der verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei PKK und der Regierung, der seit Juli Hunderte Menschen das Leben kostete.

Mindestens zwei Explosionen

Laut Innenministerium kam es am Samstag um 10.04 Uhr (Ortszeit/09.04 MESZ) vor dem Hauptbahnhof in Ankara zu mindestens zwei Explosionen. Teilnehmer der Demonstration waren dazu aufgerufen, sich ab 10.00 Uhr am Bahnhof zu versammeln. Die Demonstration sollte um 12.00 Uhr beginnen. Die Nachrichtenagentur Anadolu meldete, es gebe unbestätigte Berichte, dass es sich um einen Selbstmordanschlag gehandelt haben könnte.

Auf Bildern waren nach dem Anschlag Leichen zu sehen, die mit Flaggen und Bannern unter anderem der HDP bedeckt waren. Ein Video zeigt, wie junge Demonstranten tanzen, als hinter ihnen eine der Bomben detoniert. Für den Abend wurde über Twitter zu Demonstrationen in mehreren türkischen Städten aufgerufen.

Anschlag verurteilt

Mehrere Länder, darunter die Schweiz, verurteilten den Anschlag. Die EU rief die türkische Gesellschaft zur Geschlossenheit auf. Anadolu berichtete, Präsident Erdogan sei mit Ministerpräsident Ahmet Davutoglu und anderen Kabinettsmitgliedern zu einem Krisentreffen zusammengekommen. Davutoglu kündigte an, den Wahlkampf für drei Tage auszusetzen.

Bei der Parlamentswahl am 7. Juni war es der HDP als erster pro-kurdischer Partei jemals gelungen, ins Parlament in Ankara einzuziehen. Dadurch verfehlte die AKP die absolute Mehrheit.

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Neuwahlen am 1. November

Nachdem Koalitionsgespräche scheiterten, rief Erdogan für den 1. November Neuwahlen aus. Die Opposition warf Erdogan vor, mit diesen Wahlen eine ausreichende AKP-Mehrheit für ein Verfassungsreferendum erzielen zu wollen. Erdogan will die Verfassung ändern, um ein Präsidialsystem mit sich selber an der Spitze einführen zu können.

Medienberichten zufolge wollte die PKK vor der Wahl eine erneute einseitige Waffenruhe ausrufen. Die Regierung kündigte daraufhin an, die Militäreinsätze gegen die PKK würden fortgesetzt.

(awp/sda/dpa/moh)