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Berlin
«Abscheulich»: Empörte Reaktionen auf AfD-Erfolg

Gauland und Weidel: Die Aushängeschilder der AfD. Keystone

Die «Alternative für Deutschland» etabliert sich als drittstärkste politische Kraft in Deutschland. Die Reaktionen sind emotional. Der Jüdische Weltkongress nennt die Entwicklung «abscheulich».

Veröffentlicht am 25.09.2017

Jüdische Organisationen haben entsetzt auf den Einzug der AfD in den deutschen Bundestag reagiert. Im Parlament sei nun eine Partei vertreten, «die rechtsextremes Gedankengut in ihren Reihen duldet und gegen Minderheiten in unserem Land hetzt», erklärte am Sonntag der Zentralrat der Juden in Deutschland. Der Jüdische Weltkongress nannte das starke Ergebnis der AfD «abscheulich».

Die AfD wird als drittstärkste Kraft in den Bundestag einziehen. Zentralratspräsident Josef Schuster forderte die anderen Parteien auf, den Wählern künftig zu verdeutlichen, «dass die AfD keine Alternative ist». Die Partei müsse wieder unter der Fünfprozenthürde landen. Er erwarte von den «demokratischen Kräften, dass sie das wahre Gesicht der AfD enthüllen und die leeren, populistischen Versprechen der Partei entlarven», erklärte Schuster.

Jüdischer Weltkongress: «Abscheulich»

Der Vorsitzende des Jüdischen Weltkongresses (WJC), Ronald Lauder, bezeichnete die AfD als «schändliche reaktionäre Bewegung, die an das Schlimmste an Deutschlands Vergangenheit erinnert und verboten werden sollte». Er nannte es in einer in New York veröffentlichten Erklärung «abscheulich», dass diese Partei künftig ihre «niederträchtige Agenda» innerhalb des deutschen Parlaments verbreiten könne.

Das Wahlergebnis für die AfD ist «für Überlebende des Holocaust nur schwer erträglich», hiess es in einer Mitteilung des Internationalen Auschwitz Komitees. «Vermutlich über 13 Prozent entfallen auf eine Partei, in der nazistisches Gedankengut breit und tief verwurzelt ist». Es sei aber den Auschwitz-Überlebenden umso wichtiger daran zu erinnern, «dass 87 Prozent der Wahlbeteiligten ihre Stimme Parteien gegeben haben, die der Demokratie verpflichtet sind.» Diesen Menschen fühlten sie sich heute zutiefst verbunden.

Neonazis im Bundestag

Luxemburgs Aussenminister Jean Asselborn hat sich entsetzt über das Abschneiden der AfD bei der Bundestagswahl gezeigt. «70 Jahre nach Kriegsende sitzen wieder Neonazis im Bundestag», sagte Asselborn der Nachrichtenagentur dpa am Sonntagabend.

In vielen europäischen Staaten hätten Rechte in der jüngeren Vergangenheit wieder Fuss gefasst. «Wenn es in Deutschland passiert, ruft es wegen der Geschichte aber besonders Angst hervor.» Asselborn forderte: «Alle demokratischen Parteien in Deutschland müssen nun zusammenstehen, egal ob sie in der Regierung oder der Opposition sind.»

Lob für Merkel

WJC-Präsident Lauder gratulierte zugleich Bundeskanzlerin Angela Merkel zu ihrem Wahlsieg und bezeichnete sie als «wahre Freundin Israels und des jüdischen Volkes». In ihrer bisherigen zwölfjährigen Amtszeit habe die Kanzlerin «aufrichtig und unnachgiebig» den Antisemitismus bekämpft.

Er lobte unter anderem die neue gesetzliche Regelung, wonach Internetkonzerne wie Facebook oder Twitter Falschmeldungen und Hetze innerhalb von 24 Stunden aus ihren Netzwerken löschen müssen.

(sda/ise/mbü)

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