Im Abstimmungskampf um die Abzocker-Initiative wird mit harten Bandagen gekämpft. Ein Pro-Komitee hat vor den Medien Economiesuisse-Direktor Pascal Gentinetta den Rücktritt nahe gelegt.

Der Wirtschaftsdachverband vertrete die Interessen von ein paar Dutzend Abzockern und nicht jene der gesamten Wirtschaft, sagte Paolo Bernasconi, Präsident des Minder-Unterstützungskomitees und ehemaliger Professor für Wirtschaftsrecht an der Universität St. Gallen. Gentinetta sollte deshalb erwägen, von seiner Funktion zurückzutreten.

Cornelio Sommaruga, der ehemalige Staatssekretär für Aussenwirtschaft, zeigte sich seinerseits empört über die Entwicklung der Managerlöhne in den letzten Jahren und den Umgang des Parlaments mit der Initiative. Es brauche nun einen Paukenschlag, damit deutlich werde, dass die Schweiz für «Marktfundamentalismus» nichts übrig habe.

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Der ehemalige Tessiner FDP-Regierungsrat Gabriele Gendotti forderte ein Zeichen gegen einen «arroganten Liberalismus». Im indirekten Gegenvorschlag des Parlaments sehen die Befürworter der Abzocker-Initiative eine Verwässerung. «Minder ist, wie sein Mundwasser, unverdünnt wirksam», befand Unternehmerin Bea Petri.

Economiesuisse: «Reine Propaganda der Gegenseite»

In einer ausführlichen Stellungnahme gegenüber «Handelszeitung Online» zeigt sich der Wirtschaftsdachverband derweil über die Rücktrittsforderung an Pascal Gentinetta empör: «Economiesuisse vertritt 100 Branchenverbände, 20 Handelskammern, 100'000 Unternehmen und 2 Millionen Arbeitsplätze», so Economiesuisse. 

«Die Stellungnahmen zur schädlichen Initiative wurden in unseren Gremien einstimmig gefasst», heisst es weiter. Zu behaupten, der Dachverband der Schweizer Wirtschaft vertrete nur die Interessen von ein paar Dutzend Abzockern sei reine Propaganda der Gegenseite. Ausserdem habe Economiesuisse selbst keinen Einfluss auf die Vergütungspolitik und dessen Höhe in den einzelnen Unternehmen. 

(muv/tke/aho/sda)