Für die regionalen Fernsehsender war der Silvester die Nacht, an der ihre Zuschauer verloren gegangen sind. Damals fand die Ablösung des alten Messsystems statt. Wiedergefunden wurden die Zuschauer bis Anfang April nicht. 

Das neue Messsystem weist teilweise Unterschiede von minus 45 Prozent zum alten Messsystem aus. Dies kann nicht sein, so die Kommentare von St. Gallen bis Bern.

Auf Anfrage von handelszeitung.ch haben Tele1, TeleM1, TeleBärn, TeleBasel, TeleO und TeleSüdostschweiz klargemacht, dass sie mit den Mediapulse-Daten nicht mehr arbeiten wollen.

«Daten publizistisch wertlos»

Der Tele1-Chefredaktor brachte die Stimmung bei den Regionalsendern auf den Punkt: «Die Daten sind publizistisch wertlos, wir können damit nicht arbeiten.» Die rund 80'000 Franken, die ein Regionalsender für seine TV-Quoten an Mediapulse zahlen muss, wollen viele anders einsetzen.

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Bei Tele1 haben die Verantwortlichen zusätzlich für rund die Hälfte der Mediapulse-Kosten noch eine Befragung bei 800 Personen in ihrem Sendegebiet durchgeführt. In Zukunft sollen vermehrt diese Daten auch in der Vermarktung eingesetzt werden. Mediapulse hat im gleichen Gebiet nur rund 150 Messstationen im Einsatz.

Lieber einen neuen Werbeverkäufer

Der Programmleiter eines anderen, sich auf dem Absprung befindlichen Senders will für das Geld, welches Mediapulse bisher aus dem Budget gesogen hat, einen weiteren Verkäufer für regionale Werbung anstellen. Dies bringe deutlich mehr. Zudem sind sich die Senderverantwortlichen einig, dass Mediapulse den vom Gesetz vorgeschriebenen Auftrag nicht erfüllt.  

Die Zahlen werden auch in St. Gallen angezweifelt. «Ich kann die Zahlen so nicht glauben» meinte André Mösch von TeleO.

Bei den AZ-Medien werden sich wohl zwei der drei Sender als Mediapulse-Kunden verabschieden (TeleM1 und TeleBern). Für Lokal- und Regionalsender sind die nationalen Werbekunden nicht so wichtig und für den Verkauf von lokaler Fernseherhebung braucht es die Daten von Mediapulse nicht.

«Harte Arbeit für beide Seiten»

Die lokalen Unternehmen, die TV-Werbung buchen, haben andere Indikatoren als die grossen Konzerne, die nationalen Werbekampagnen fahren und bei denen die Währung Mediapulse-Daten heisst.

Bei StarTV ist noch kein Entscheid gefallen. Der Anwalt des Senders steht angeblich mit  Mediapulse in Verbindung.

Laut einer Sprecherin der AZ-Medien werde auch TeleZüri weiter Mediapulse-Daten kaufen. Bei TeleTop stehen die Zeichen noch auf weitere Zusammenarbeit mit Mediapulse. TeleTop Sender-Chef Günter Heuberger äusserte auf Anfrage aber eine klare Vorstellung für die weitere Zusammenarbeit: «Es ist harte Arbeit für beide Seiten. Wenn Mediapulse bereit ist, diese Arbeit zu tun, dann bleibt TeleTop weiter ihr Kunde.»

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Für die Regionalsender mit einem Leistungsauftrag und Zuschüssen vom Bund gibt es laut Bundesamt für Kommunikation (Bakom) keine Verpflichtung, Daten bei der Mediapulse zu beziehen.