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Terror
Ägypten reagiert mit Luftangriffen auf Massaker

Ägypten: Das Militär schickt Flieger nach Libyen. Keystone

Nach dem Anschlag auf einen Bus mit koptischen Christen hat Ägypten Ziele im Nachbarland Libyen bombardieren lassen. Im Visier waren IS-Camps.

Veröffentlicht am 27.05.2017

Aus Vergeltung für einen Anschlag auf einen Bus mit koptischen Christen hat Ägyptens Präsident Abdel Fattah Al-Sisi Ziele im Nachbarland Libyen bombardieren lassen. Die IS-Terrormiliz beanspruchte inzwischen den Anschlag mit 29 Toten für sich.

«Soldaten des Kalifats» hätten den Christen einen Hinterhalt gestellt, teilte die Terrorgruppe mit. Die Echtheit der Erklärung konnte nicht überprüft werden. Sie wurde aber über die üblichen IS-Kanäle im Internet verbreitet. In der Stadt Al-Minja trauerten Familien um ihre getöteten Angehörigen.

Zehn Angreifer

Bei dem Anschlag hatten etwa zehn bewaffnete Männer am Freitag einen Tag vor Beginn des islamischen Fastenmonats Ramadan nahe Al-Minja einen Bus mit Christen angegriffen, die auf dem Weg in ein Kloster waren. Mehr als 20 Menschen wurden verletzt. Der Anschlag wurde international scharf verurteilt.

Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi kündigte Vergeltung an. Ägyptische Flugzeuge griffen denn auch am Abend und in der Nacht Ziele in Libyen an, von wo die Täter gekommen sein sollen.

Haftars Luftwaffe beteiligt sich an Angriffen

An den ägyptischen Angriffen beteiligte sich nach eigenen Angaben auch die Luftwaffe der Nationalen Libyschen Armee von Militärmachthaber Chalifa Haftar, der eine wichtige Grösse in den libyschen Auseinandersetzungen darstellt. Sie habe zusammen mit Ägypten in Derna eine «gemeinsame Operation» durchgeführt, erklärte Haftars Luftwaffe laut der Nachrichtenagentur Lana.

Haftar rivalisiert mit der von der UNO unterstützten Einheitsregierung von Ministerpräsident Fajis al-Sarradsch in Tripolis und unterstützt die Gegenregierung in Bengasi.

Die libysche Einheitsregierung kritisierte die Luftangriffe als Verletzung ihrer staatlichen Souveränität. Dafür gebe es «keine Rechtfertigung», erklärte.

Ziele zerstört

Das ägyptische Staatsfernsehen berichtete, die Luftwaffe habe sechs Ausbildungslager von Extremisten in der libyschen Küstenstadt Derna angegriffen. Präsident al-Sisi sagte in einer im Fernsehen übertragenen Ansprache an die Bevölkerung, sein Land werde nicht zögern, weitere «Terroristencamps» anzugreifen. Die ägyptische Luftwaffe hatte bereits im Februar 2015 Angriffe auf Stellungen des IS in Libyen geflogen.

Die ägyptischen Streitkräfte werteten die Bombardierungen als Erfolg. Alle beschossenen Ziele seien vollständig zerstört worden, teilte ein Militärsprecher mit. Ägyptens Staatsfernsehen meldete, die Luftangriffe würden weitergehen. In den bombardierten Gebieten seien Terroristen ausgebildet worden, die an dem Attentat beteiligt gewesen seien, erklärte der Armeesprecher weiter.

Ägyptens staatlicher Nachrichtenagentur Mena zufolge wurde in der libyschen Hafenstadt Derna das Hauptquartier des Schura-Rats der Mudschaheddin bombardiert. Dieser soll enge Verbindungen zum Terrornetzwerk Al-Kaida haben, das mit der IS-Terrormiliz trotz einer ähnlichen Ideologie verfeindet ist. Unter anderem Kämpfer des Schura-Rats hatten die IS-Miliz vor mehr als einem Jahr aus Dernas Umland vertrieben.

Derna war neben der zentrallibyschen Küstenstadt Sirte bis dahin eine der wichtigsten IS-Hochburgen in Libyen. Die Extremisten konnten das Bürgerkriegschaos in dem nordafrikanischen Land nutzen, um zwischenzeitlich grosse Gebiete unter Kontrolle zu bringen.

Immer wieder auf Christen

Seit dem Sturz des frei gewählten islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi durch das Militär im Sommer 2013 hat Ägypten zahlreiche Anschläge erlebt. Mehrfach wurden Christen zum Ziel.

Anfang April starben am Palmsonntag bei einem Doppelanschlag auf Kirchen mehr als 45 Menschen. Der IS reklamierte die Taten für sich. Christen machen rund zehn Prozent der mehr als 90 Millionen Ägypter aus.

Die IS-Terrormiliz hat den Kopten in Ägypten den Kampf angesagt. Die Terroristen werfen der grössten christlichen Gemeinde im Nahen Osten vor, den Sturz des islamistischen Präsidenten Mursi im Sommer 2013 unterstützt zu haben.

(sda/chb)

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