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Proteste
Ägyptens Regierung verteidigt Gewalt

Proteste in Ägypten: Unterstützer des abgesetzten Präsidenten Mursi fliehen vor der Polizei. (Bild: Keystone)

Mindestens 300 Menschen sind bei Zusammenstössen zwischen Sicherheitskräften und Mursi-Anhängern getötet worden. Die Regierung spricht von einer notwendigen Räumung der Protestlager.

Veröffentlicht am 15.08.2013

Die ägyptische Übergangsregierung hat ihre Entscheidung verteidigt, die beiden Protestlager der Anhänger des entmachteten Präsidenten Mohamed Mursi gewaltsam aufzulösen. Die Regierung habe angeblich keine andere Wahl gehabt, um eine Ausbreitung von Anarchie zu verhindern.

«Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass die Dinge einen Punkt erreicht haben, den kein sich selbst achtender Staat akzeptieren darf», sagte Ministerpräsident Hasem El-Beblawi gestern in einer Fernsehansprache. Dennoch sei die Entscheidung nicht leicht gewesen.

Der verhängte Notstand solle nur so lange in Kraft bleiben, wie unbedingt nötig, sagte Beblawi weiter. «So Gott will, werden wir weitermachen», ergänzte er. «Wir werden unseren demokratischen, zivilen Staat errichten.»

Mohamed El Baradei tritt nach Todesfällen zurück

Nach offiziellen Angaben wurden gestern etwa 300 Menschen bei Zusammenstössen zwischen Sicherheitskräften und Mursi-Anhängern getötet. Die islamistische Muslimbruderschaft Mursis sprach von 2000 Menschen, die in einem Massaker getötet worden seien. Mursi war Anfang Juli vom Militär entmachtet worden. Danach wurde die Übergangsregierung eingesetzt.

Aus Protest gegen das gewaltsame Vorgehen der Sicherheitskräfte reichte Vizepräsident Mohamed El Baradei seinen Rücktritt ein. In einem Brief an Übergangspräsident Adli Mansur erklärte er, es habe gewaltlose Alternativen gegeben, um die politische Krise im Land zu beenden.

«Es ist für mich schwierig geworden, weiter die Verantwortung für Entscheidungen zu treffen, mit denen ich nicht übereinstimme, und deren Auswirkungen mir Angst machen», sagte er. «Ich kann nicht die Verantwortung für einen einzigen Tropfen Blut übernehmen.»

(jev/moh/sda)

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