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Entscheidung
Ärzte und Verbände suchen Nachfolger

Ignazio Cassis: War bislang Präsident verschiedener Verbände. Keystone

Er wurde wegen seines Engagements für Krankenkassen auch «Krankenkassis» genannt: Mit der Wahl von Ignazio Cassis zum Bundesrat brauchen verschiedene Verbände einen Nachfolger.

Veröffentlicht am 20.09.2017

Sein Engagement für Krankenkassen hat Ignazio Cassis den Übernamen «Krankenkassis» eingebracht. Nach seiner Wahl in den Bundesrat gratulierten Curafutura, Curaviva und FMH - während die Ärztezeitung auch kritische Worte fand.

Die Ärzteverbindung FMH gratulierte ihrem ehemaligen Vizepräsidenten Cassis. Sie freute sich, dass nach 105 Jahren wieder ein Arzt im Bundesrat sitzt und der Berufsstand der Ärzteschaft in der Landesregierung vertreten ist. Der letzte Arzt im Bundesrat war von 1883 bis 1912 der Thurgauer Adolf Deucher. Cassis war von 2008 bis 2012 FMH-Vizepräsident.

«Mit grossem Geschick und Weitblick»

Mit seiner Wahl legt Cassis unter anderem das Präsidium des Heimverbands Curaviva Schweiz nieder. Der Verband gratuliert seinem bisherigen Präsidenten und «passionierten Gesundheitspolitiker» in einer Mitteilung und lobt ihn: Cassis habe «mit grossem Geschick und Weitblick für den nationalen Dachverband der Heime und Institutionen Schweiz» eingesetzt. Er stand dem Verband seit 2012 als Präsident vor.

In der gleichen Situation ist der Krankenkassenverband Curafutura: Cassis war seit 2013 dessen Präsident. Curafutura gratulierte ihm zur Wahl, die er «mit einem lachenden und einem weinenden Auge» zur Kenntnis nehme. Cassis habe den Verband mit viel Engagement und Umsicht geführt. Der Vorstand sei bereits auf der Suche nach einer Persönlichkeit, welche die Führung des Verbands übernehmen könne.

«Zu neoliberale Positionen vertreten»

Kritischere Töne fand die «Schweizerische Ärztezeitung». In einem offenen Brief, der am Mittwoch online gestellt wurde, gab es zwar auch Glückwünsche und würdigende Worte. Jean Martin, Redaktionsmitglied der Ärztezeitung, ehemaliger Kantonsarzt der Waadt und FDP-Politiker, ortete bei Cassis einen Rechtsrutsch.

«In den letzten Jahren hast du in meinen Augen öfter zu neoliberale Positionen vertreten», schreibt Martin. Er sei dankbar, wenn Cassis seine berufliche Herkunft, die Gesundheit, die Medizin und die Pflege nicht vergesse.

(sda/cfr/me)

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